23-jähriger nutzt Neuanschaffung, um zu helfen

Visiere aus dem 3D-Drucker: Student hilft Rotenburger Klinik bei Corona-Schutzkleidung

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Speziallieferung: Student Johannes Rump übergibt Oberin Karla Krause-Heid einige Bügel, aus denen im Kreiskrankenhaus mit Schutzfolie dann Visiere für die Intensivmedizin entstehen.

Auch das Kreiskrankenhaus in Rotenburg muss seine Pfleger und Ärzte mit Schutzkleidung zum Schutz vor Corona versorgen. Dabei hilft ein Student aus Atzelrode. 

  • Im Keiskrankenhaus in Hersfeld- Rotenburg gibt es einen Mangel an Masken und Schutzbrillen
  • Elektrotechnik-Student produziert Schutzvisiere mit dem 3D-Drucker
  • Trachtblusen dienen als Material 

Die Corona-Pandemie ist für Karla Krause-Heid nicht nur eine große Herausforderung, sondern vor allem auch eine Zeit gelebter Nächstenliebe, verbunden mit pragmatischen Lösungen. Die Oberin und das Kreiskrankenhaus (KKH) in Rotenburg stehen derzeit wie alle anderen Kliniken auch vor der Herausforderung, Pfleger und Ärzte mit Schutzkleidung zu versorgen. Dabei hilft nun ein 23-jähriger Student aus Atzelrode, ein Ortsteil von Rotenburg im Kreis Hersfeld-Rotenburg.

Insbesondere Schutzbrillen und Schutzvisiere braucht das Krankenhaus, um sein Personal in der Intensivmedizin vor der Ansteckungsgefahr mit Corona zu schützen. Die werden dort zusätzlich zu den FFP2-Masken genutzt, weil das Virus auch über die Augen eindringen kann. 

Corona in Rotenburg-Hersfeld: Schutzkleidung schwer zu bekommen

Die Visiere sind derzeit schwer zu bekommen. „Sie sind erst durch Corona so richtig auf den Markt gekommen und schlecht lieferbar.“ Im Internet stieß die Oberin, die im KKH die Personalleiterin ist, auf ein Video eines tschechischen Unternehmens, das kostenlos eine Anleitung für die Herstellung von Visieren im 3D-Drucker zur Verfügung stellt. 

Sie fragte ihren Sohn um Rat, und der hat einen Kumpel, der sich erst kürzlich einen solchen Drucker angeschafft hat: Johannes Rump aus Atzelrode im Kreis Hersfeld-Rotenburg. Der Elektrotechnik-Student war sofort dabei.

Sechs Stunden dauert es, bis sein Drucker einen Bügel mit Noppen und eine Stabilisierungsvorrichtung erstellt hat. An den Noppen wird dann im Krankenhaus in Hersfeld-Rotenburg die Schutzfolie angebracht, zusätzlich sorgt ein Gummiband für Halt. Rund 30 solcher Visiere braucht Karla Krause-Heid für ihre Mitarbeiter zum Schutz vor Corona

Corona in Hersfeld-Rotenburg: Visiere sind besser als gekaufte Schutzkleidung

Sie stellt klar, dass das Engagement des 23-Jährigen in den Zeiten der Corona-Krise weit mehr ist als eine nette Geste. „Wir haben vorher schon mal Einweg-Visiere bestellt, aber die aus dem 3D-Drucker sind viel sicherer. Sie schließen sehr gut am Gesicht ab. Und für die Patienten sieht es nicht so befremdlich aus, wie eine Schutzbrille.“ Johannes Rumps Schutzvisiere können mehrfach verwendet werden und sind damit mittelfristig für das KKH in Hersfeld-Rotenburg als Schutzkleidung eine gute Lösung.

Schicht für Schicht entsteht hier im 3D-Drucker von Johannes Rump ein Bügel für ein Schutzvisier.

Der Student, der im Moment unabhängig vom Coronavirus Semesterferien hat, hilft bei der Produktion der Schutzkleidung gerne und sagt: „Ich mache das ehrenamtlich, mehr als die Materialkosten brauche ich nicht. Das ist eine gute Sache. Daraus will ich kein Kapital schlagen, das fände ich verwerflich.“

Oberin Karla Krause-Heid sagt: „Wir finden es sehr schön, wie in dieser Zeit unter extremen Bedingungen Menschen bereit sind, zu helfen. Innerhalb von Stunden werden komplizierte Dinge in die Tat umgesetzt.“ 

Corona in Hersfeld-Rotenburg: alte Schwestern-Trachtblusen liefern Stoff für Schutzmasken 

Das ist auch bei den dringend benötigten Gesichtsmasken aus Stoff so, die nicht nur in der Intensivmedizin, sondern von allen Angestellten als Schutzkleidung genutzt werden, um sich gegen eine Corona-Infektion zu schützen. Zehn pensionierte Schwestern, Mütter von Mitarbeitern und Bekannte nähen fleißig fürs Kreiskrankenhaus. Das stellt den Stoff zur Verfügung, in Form von Trachtblusen, die die Schwestern früher trugen. 

„Die hatten wir noch auf Lager. Ich hätte nie gedacht, dass wir die noch mal brauchen und ich hätte auch nie gedacht, dass wir irgendwann noch mal für den Eigenbedarf nähen müssen“, sagt die Oberin, die immerhin schon 37 Jahre im Krankenhaus in Hersfeld-Rotenburg arbeitet. Doch derzeit meistert das Diakoniekrankenhaus die ungewöhnlichen Herausforderungen – auch dank der freiwilligen Helfer.

Corona in Hersfeld-Rotenburg: 3D-Druck wird für Erstellung von Prototypen eingesetzt

Beim 3D-Druck, also dreidimensionalem Druck, werden Materialien wie Metalle oder Kunststoffe computergesteuert Schicht für Schicht flüssig aufgetragen und dann gehärtet. Die Technik wird häufig für die Erstellung von Prototypen genutzt. 

Seit rund zehn Jahren gibt es diese Drucker auch für den Heimgebrauch. „Normalerweise sind zwei Schritte nötig: Erst entwirft man mit einer Software am Computer ein Modell. Dann muss ein weiteres Programm die Information für den Drucker umrechnen“, erklärt Johannes Rump aus dem Kreis Hersfeld-Rotenburg. Den kompletten erste Schritt stellt in diesem Fall das tschechische Unternehmen Prusa zur Verfügung. 

Der 23-Jährige experimentiert erst seit wenigen Wochen mit der Technik, er hat sich ein Standard-Modell für Einsteiger gekauft. In Internetforen tauscht er sich mit anderen Besitzern des Druckers aus. Für die Visiere zum Schutz vor Corona musste er die Anleitung nur in einigen Punkten für seinen Drucker anpassen, was ungefähr eine Viertelstunde dauerte.

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