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Vorgehen beim Fund eines möglichen Wolfsrisses

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Von: Carolin Eberth

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Wie viele Wölfe leben in Waldhessen? Um das stetig nachvollziehen zu können, braucht das Hessische Wolfszentrum viele genetische Proben. Diese können unter anderem bei Rissen gesammelt werden. Zur Probenentnahme werden Rissgutachter wie Gerhard Becker (links) verständigt.
Wie viele Wölfe leben in Waldhessen? Um das stetig nachvollziehen zu können, braucht das Hessische Wolfszentrum viele genetische Proben. Diese können unter anderem bei Rissen gesammelt werden. Zur Probenentnahme werden Rissgutachter wie Gerhard Becker (links) verständigt. © Carolin Eberth

Nicht nur die Zahl der Wölfe nimmt zu, sondern damit auch die Anzahl der Tierrisse. Was man tun sollte, wenn man einen möglichen Wolfsriss findet, das erklärt Susanne Jokisch vom Hessischen Wolfszentrum.

Hersfeld-Rotenburg – Der Wolf ist im Landkreis Hersfeld-Rotenburg zurückgekehrt. Seither hat es über 40 bestätigte Wolfsrisse an Nutz- und Wildtieren im Landkreis gegeben, wovon allein 30 aus dem vergangenen Jahr stammen. Doch was ist zu tun, wenn Tierhalter oder Spaziergänger gerissene Tiere auffinden? Jüngst hat sich bei einem möglichen Wolfsriss in der Gemeinde Ludwigsau gezeigt, dass dieser Ablauf vielen noch nicht bekannt ist, weshalb es letztlich zu keiner Beprobung kam.

Wir sprachen mit Susanne Jokisch vom Wolfszentrum des Hessischen Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) – und klären die wichtigsten Punkte:

Was sollte getan werden, wenn man einen möglichen Wolfsriss findet?

Für alle Wolfshinweise und Verdachtsfälle rund um Wölfe, wie gefundene Risse und Sichtungen, unterhält das Wolfszentrum Hessen eine Hotline, die an jedem Tag der Woche besetzt ist. Sie ist zu erreichen unter der Tel.: 0641/2000 9522 und per Mail an wolf@hlnug.hessen.de. Außerdem stehen regionale Wolfsberater, deren Kontakte auch auf der Internetseite des HLNUG zu finden sind, zur Verfügung (siehe Artikelende).

Müssen auch Polizei und Jäger informiert werden?

Die Polizei muss nicht benachrichtigt werden, sofern kein Schaden vorliegt, der polizeilich relevant ist, wie eine Beteiligung eines Autounfalls. Der Jäger kann informiert werden, wenn der Finder weiß, wer zuständig ist. Ansonsten übernimmt dies das zuständige Forstamt.

Was ist sonst noch zu beachten am Fundort?

Sollte es regnen, ist es ratsam, den Kadaver abzudecken. Er sollte aber nicht vom Fundort wegbewegt werden. Eine Abdeckung, beispielsweise mit einer Plane, ist ebenfalls vorteilhaft, damit andere Tiere nicht die Spuren am Riss verfälschen.

Wie ist der weitere Verlauf?

Wenn ein ehrenamtlicher Wolfsberater informiert wurde, wird das weitere Vorgehen zwischen ihm und dem Finder abgestimmt. Besteht weiterhin der Verdacht auf einen Wolfsriss, wird vor Ort vom Rissgutachter ein Abstrich an den Bisswunden des Kadavers genommen. Dies sollte innerhalb von 24 Stunden geschehen.

Was passiert anschließend mit den Proben?

Die Proben werden durch das Hessische Wolfszentrum an das deutsche Referenzzentrum für Wolfsgenetik – das wildtiergenetische Labor des Senckenberg-Instituts mit Außenstelle in Gelnhausen – geschickt. Gleichzeitig wird über ein Internet-Portal die Analyse beauftragt.

Wer bezahlt die Beprobung? Und wann kann mit einem Ergebnis gerechnet werden?

Die Kosten übernimmt im Rahmen des Wolfsmonitorings das Wolfszentrum. Das Ergebnis der Artbestimmung des Rissverursachers liegt in der Regel innerhalb einer Woche vor. Lautet das Ergebnis „Wolf“, wird ein weiterer Analyseschritt mit dem Ziel der Individualisierung des Tieres angeschlossen. Das Ergebnis wird den Beteiligten und dem Finder mitgeteilt.

Vor einiger Zeit hieß es, dass das Umweltministerium wegen der Corona-Pandemie angewiesen hat, dass an Wildtieren keine DNA-Proben mehr genommen werden sollen. Ist das noch der Fall?

Die Vorgaben, die für einen Zeitraum im Jahr 2020 durch das hessische Umweltministerium anlässlich der Corona-Pandemie ausgesprochen wurden, bestehen aktuell nicht. Die Wolfsberater sind dennoch nicht verpflichtet, eine Beprobung vorzunehmen. Die Personen sind ehrenamtlich tätig und entscheiden nach eigener zeitlicher sowie gesundheitlicher Verfügbarkeit.

Wie viele Wölfe sind in Hessen bislang sesshaft, also über einen längeren Zeitraum mehrmals nachgewiesen worden?

Aktuell sind in Hessen sechs Wolfsterritorien offiziell bestätigt: ein Rudel im Rheingau-Taunus-Kreis, ein Paar im Landkreis Hersfeld-Rotenburg und vier sesshafte Einzeltiere, davon sind zwei Territorien länderübergreifend. Nämlich im Odenwaldkreis mit Baden-Württemberg und in der Rhön mit Thüringen und Bayern. Darunter fällt auch die Stölzinger Wölfin, die seit April 2020 als sesshaft in den Kreisen Hersfeld-Rotenburg, Werra-Meißner und Schwalm-Eder gilt. Somit sind in Hessen acht erwachsene Wölfe offiziell genetisch bestätigt als dauerhaft sesshaft.

Kontaktdaten:

Für Hersfeld-Rotenburg sind die Rissgutachter Dr. Wolfgang Fröhlich (05681-2815, 0171-9517343) und Gerhard Becker (05661-4776, 0151-72745773) zuständig.

(Carolin Eberth)

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