Daten aus Arztpraxen werden nicht regional erfasst

Warum die Impfquote im Kreis Hersfeld-Rotenburg so niedrig ist

Unser Foto zeigt, wie eine Mitarbeiterin der Apotheke des Klinikums Hersfeld-Rotenburg unter Reinraumbedingungen in der Göbel Hotels Arena einen Biontech/Pfizer-Impfstoff mit einer Kochsalzlösung für die Corona-Schutzimpfung vorbereitet. 
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Das Rotenburger Impfzentrum hat bislang rund 19 000 Menschen erstgeimpft: Unser Foto zeigt, wie eine Mitarbeiterin der Apotheke des Klinikums Hersfeld-Rotenburg unter Reinraumbedingungen in der Göbel Hotels Arena einen Biontech/Pfizer-Impfstoff mit einer Kochsalzlösung für die Corona-Schutzimpfung vorbereitet. 

Neue Fragen und Antworten rund um das Thema Coronavirus: Im Fokus steht diesmal die Impfquote im Kreis Hersfeld-Rotenburg. Sie liegt unter dem Hessen-Durchschnitt.

Hersfeld-Rotenburg – Täglich gibt es neue Nachrichten rund ums Coronavirus und die größte Impfkampagne der Geschichte. Um den Überblick zu behalten, haben wir wieder Fragen zusammengestellt – teils aus der Leserschaft –, und dazu von den jeweiligen Experten Antworten eingeholt. Diesmal im Fokus: Die Impfquote im Landkreis, die Impfungen in den Hausarztpraxen und die Astrazeneca-Nachrückerliste in der Göbel Hotels Arena.

Die Impfquoten im Kreis Hersfeld-Rotenburg liegen unter dem Durchschnittswert für Hessen – woran liegt das?

In der Tat: Landesweit sind im Schnitt 20,4 Prozent einfach geimpft, 7,3 Prozent haben bereits die zweite Spritze bekommen. Im Landkreis liegt die Impfquote für Erstimpfungen bei 16,2 Prozent. 7,0 Prozent sind zweitgeimpft. Das hat mehrere Gründe: Der Kreis Hersfeld-Rotenburg veröffentlicht zwar täglich die Anzahl der Geimpften – verfügt aber nur über Zahlen des eigenen Impfzentrums in der Rotenburger Göbel Hotels Arena. Zwei Werte fehlen: Die Zahl der Menschen aus dem Landkreis, die sich vor Öffnung des Rotenburger Zentrums (9. Februar) in Fulda haben impfen lassen. Das dortige Impfzentrum, eines von sechs in Hessen, das bereits am 19. Januar die ersten Spritzen setzen durfte, war anfangs auch für über 80-Jährige aus Hersfeld-Rotenburg zuständig. Während diese Dunkelziffer überschaubar sein dürfte, wird die zweite von Tag zu Tag größer: die Zahl derjenigen, die sich beim Hausarzt impfen lassen – Landkreis und Impfzentrum haben nach eigenen Angaben dazu keine Daten.

Werden die Hausarztimpfungen denn gar nicht erfasst?

Klares Jein. Bundes- und hessenweit gibt es täglich aktualisierte Impfzahlen aus den Arztpraxen. Laut Robert-Koch-Institut sind derzeit landesweit 1,73 Millionen Menschen gegen Covid-19 geimpft worden – davon knapp 192 000 beim Hausarzt, also gut elf Prozent. Auf Kreisebene gibt es dazu jedoch keine Zahlen. „Die Daten der Hausärzte und die Daten der Impfzentren werden regional nicht zusammengeführt“, sagt Werner Hampe, Sprecher des auch für das Rotenburger Impfzentrum zuständigen Klinikums. Die Corona-Pressestelle des hessischen Sozialministeriums teilt auf Nachfrage mit, „dass uns als Land die Zahl der durch die Hausärztinnen und -ärzte geimpften Personen auf Kreisebene nicht vorliegt“ und verweist auf die Kassenärztliche Vereinigung (KV). Die KV wiederum erklärt, dass auch sie keine Angaben machen könne, wie viele Menschen im Kreis sich beim Hausarzt gegen das Virus impfen lassen. „Die Ärzte bestellen die Impfdosen direkt bei ihren Vorratsapotheken“, so Sprecher Karl Roth.

Ist denn bekannt, wie viele Arztpraxen sich an der Impfkampagne beteiligen?

Nein. Auch die Kassenärztliche Vereinigung weiß nicht, wie viele der insgesamt 89 Hausärzte im Kreisgebiet, die formal zusammen 79,5 Versorgungsaufträge haben, Corona-Impfungen anbieten.

Die Hausärzte dürfen seit dem 7. April in Hessen Corona-Vakzine impfen. Bekommen dann die Impfzentren nicht automatisch weniger Dosen?

„Es wurde eine Umverteilung der vorhandenen Impfdosen zugunsten der Hausärzte vorgenommen“, sagt Klinikumsprecher Werner Hampe. Diese hätten ebenso auch im Impfzentrum verabreicht werden können. „Gleichzeitig hat natürlich auch die Verimpfung durch die Hausärzte große Vorteile, was die Kenntnis der Krankengeschichte angeht, die örtliche Nähe, das Aufsuchen zu Hause oder im Altersheim“, so Hampe. Grundsätzlich gelte: Nach einem Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz werden die Liefermengen für die Impfzentren bei einem gewissen Wert pro Woche eingefroren. Alles darüber Hinausgehende werde an die Hausärzte weitergegeben.

Wie viel Impfstoff ist für die kommende Woche angekündigt?

Das Impfzentrum rechnet laut Sprecher Werner Hampe mit 3600 Impfdosen. „Die Impfstoffzufuhr ist nach wie vor unterhalb der Möglichkeiten der Impfzentren“, betont er. Zum Vergleich: Die Göbel Hotels Arena ist für 7000 Impftermine wöchentlich ausgelegt (1000 pro Tag). Bei 3600 Terminen beträgt die Auslastung jedoch lediglich rund 51 Prozent, also gerade mal die Hälfte. Deshalb hat das Zentrum nach wie vor auch nur von 9 bis 17 Uhr geöffnet. Ursprünglich war geplant, bei Volllast jeden Tag von 7 bis 22 Uhr zu impfen. Dafür reicht der Impfstoff aber immer noch nicht. Immerhin: Hausärzte dürfen für die kommende Impfwoche laut KV nun etwas mehr Impfstoff bestellen: bis zu 48 Dosen pro Arzt. Der Bund werde, so die KV, für kommende Woche zwei Millionen Impfdosen von Biontech/Pfizer bereitstellen. Astrazeneca werde nicht geliefert.

Apropos Astrazeneca: Nach dem Aufruf des Klinikums, dass sich über 70-Jährige für eine Nachrückerliste melden mögen, die sich kurzfristig mit übrig bleibenden Astrazeneca-Dosen impfen lassen wollen, haben uns zahlreiche Leser gefragt: Nach welchem System wird diese Liste abgearbeitet?

„Wir haben deutlich über 1000 E-Mails erhalten, die wir nun grundsätzlich nach Eingang abarbeiten“, teilt Sprecher Werner Hampe auf Nachfrage mit. Allerdings belaufe sich die Anzahl der Nachrücker pro Tag im einstelligen, maximal niedrigen zweistelligen Bereich, „sodass es noch einige Zeit dauert, bis alle Nachrücker berücksichtigt werden können“. Hampe weist darauf hin, dass zahlreiche Interessenten inzwischen auch vom Hausarzt geimpft worden seien oder reguläre Termine über das Terminvergabesystem des Landes bekommen hätten. Die E-Mail-Adresse für Impfwillige, die älter als 70 Jahre sind, sich mit Astrazeneca impfen lassen wollen und kurzfristig nach Rotenburg kommen können, lautet: ichwill@klinikum-hef.de.

Wie viele dieser freiwilligen Nachrücker sind bislang mit Astrazeneca im Impfzentrum gespritzt worden?

Rund 300.

Nach der jüngsten Entscheidung der Europäichen Arzneimittelbehörde steht fest, dass der Impfstoff von Johnson & Johnson nun auch in Deutschland ausgeliefert werden darf. Ist schon klar, ab wann dieser Impfstoff im Landkreis eingesetzt wird?

Nein. Werner Hampe: „Derzeit liegen hierzu keine Informationen vor.“ Das US-amerikanische Vakzin von Johnson & Johnson hat den Vorteil, dass er nur einmal geimpft werden muss.

Der Impfstoff von Johnson & Johnson steht im Verdacht, wie schon Astrazeneca, in seltenen Fällen Hirnvenenthrombosen auslösen zu können. Gab es derartige Fälle infolge einer Corona-Impfung schon im Landkreis?

„Dazu ist bisher nichts bekannt“, sagt Werner Hampe. (Sebastian Schaffner)

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