Saniertes Gebäude in Schwarzenhasel

Wasserburg ist Zuhause mit Geschichte

1371 erstmals erwähnt: Die Wasserburg in Schwarzenhasel wurde in den vergangenen Jahren von Eigentümer Hilmar von Bodelschwingh restauriert. Fotos: Schäfer-Marg

Schwarzenhasel. Eine weit über 700 Jahre alte Burg zu sanieren, ist kein Pappenstiel. Hilmar von Bodelschwingh hatte dieses Mammutprojekt 2011 in Angriff genommen. Die Wasserburg im Rotenburger Stadtteil Schwarzenhasel wurde für den Hessischen Denkmalschutzpreis 2017 vorgeschlagen.

Seit über 100 Jahren befindet sich die Burg im Besitz der Familie von Bodelschwingh, Hilmars Urgroßonkel Franz hatte sie 1897 übernommen. Bis 1989 wurde sie von den Großeltern Hilmar von Bodelschwinghs bewohnt, anschließend vermietet. Als der letzte Mietvertrag auslief, kam dem inzwischen 33-Jährigen die Idee, das Anwesen selbst zu nutzen.

„Ich hatte das Projekt anfangs unterschätzt“, erzählt er. „Ich dachte, ich könnte das allein und neben der Arbeit schaffen.“ Doch da war die Baugeschichte vor. Von Bodelschwingh, der bei Hessen Forst in Kassel arbeitet, holte sich die Denkmalpflege ins Boot. Und die Behörde schickte eine Restauratorin, die die Burg genau untersuchte. „Da wurden viele spannende Dinge gefunden“, erzählt der junge Burgherr beim Rundgang durch das historische Gebäude.

Unter Paneelen, Rigipsplatten und mehreren Farbschichten entdeckte die Restauratorin zum Beispiel eine wunderschöne, mit Malereien verzierte Holzdecke. Sie wurde mit Hilfe von alten Techniken und teilweise sogar mit dem Skalpell freigelegt und dann aufgearbeitet. Dort, wo heute das Esszimmer ist, gab es ebenfalls Deckenmalereien, deren Reste aber nur durch kleine Untersuchungsfenster zu sehen sind.

Repräsentativ: Im Erdgeschoss liegt das holzvertäfelte und größte Zimmer der Burg, das allerdings kaum genutzt wird. Hilmar von Bodelschwingh erzählt, dass Familienfeste darin gefeiert wurden.

Holzdielenböden fanden sich dort, wo heute die Küche des 33-Jährigen steht – zum Teil mit gewaltigen Dielenbrettern, für die offenbar sehr alte Bäume genutzt worden sind. Den schönen Überraschungen standen aber auch viele negative gegenüber: In einer Zwischendecke fand sich der Hausschwamm und zwang zur Restaurierung. Außerdem hatte sich das statische Gefüge der Burg verändert, weil früher einmal unsachgemäß ein Zimmer vergrößert worden war. Es mussten Stützen eingezogen werden. Außerdem galt es, Bausünden zu beseitigen. Damals waren Materialien eingesetzt worden, die dem historischen Gebäude nicht gutgetan haben.

Fachfirmen im Boot

Hilmar von Bodelschwingh lebte drei Jahre lang inmitten einer Baustelle. Holzarbeiten konnte er tatsächlich selbst übernehmen, Unterstützung bekam er auch von seiner Schwester, die Schreinerin ist. Beschäftigt waren zudem Firmen, die sich in der Sanierung und Dämmung denkmalgeschützer Fachwerkgebäude auskennen. Jetzt, da die Sanierung abgeschlossen ist, ist der junge Burgherr zufrieden: „In der Burg zu leben, fühlt sich richtig an. Ich kann viel Energie daraus ziehen.“

Zeit einteilen

Dass er auch weiterhin viel Arbeit in das Anwesen mit seinem quellengespeisten Wassergraben stecken muss, stört ihn nicht. „Das ist es wert. Man muss sich die Zeit eben einteilen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.