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Wasserkrafterk aus Rotenburg wird weiter gefördert

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Von: Carolin Eberth

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Das Rotenburger Wasserkraftwerk Haag kann dank einer neuen Gesetzesänderung auch künftig Energie aus Fuldawasser produzieren – hier zu sehen rechts neben dem Wehr.
Das Rotenburger Wasserkraftwerk Haag kann dank einer neuen Gesetzesänderung auch künftig Energie aus Fuldawasser produzieren – hier zu sehen rechts neben dem Wehr. © Conny Haag-Lorenz

Eine Resolution zur Reform des „Erneuerbaren-Energien-Gesetz“ (EEG) sollte eigentlich in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung in Rotenburg am Donnerstagabend beschlossen werden, um zu verhindern, dass das Rotenburger Wasserkraftwerk Haag-Lorenz nach Gesetzesänderungen bald stillsteht.

Rotenburg – Doch dank guter Neuigkeiten aus Berlin musste es dazu erst gar nicht kommen. Denn in dem vom Bundestag verabschiedeten „Gesetz zu Sofortmaßnahmen für einen beschleunigten Ausbau der erneuerbaren Energien und weiteren Maßnahmen im Stromsektor“ wurde der Wasserkraft wieder das überragende öffentliche Interesse zuerkannt, wie es bei den anderen erneuerbaren Energien der Fall ist.

Hintergrund der geplanten Resolution war, dass dem Rotenburger Wasserkraftwerk Haag, das seit 1939 in Familienhand ist und Energie aus Fuldawasser produziert, das Aus drohte. Grund dafür war, dass die Bundesregierung Wasserkraftanlagen mit einer Leistung von weniger als 501 Kilowatt (kW) „aus ökologischen Gründen“ aus dem Fördermechanismus des EEG streichen wollte. In Deutschland wären davon fast 7000 Wasserkraftwerke – darunter das aus Rotenburg – betroffen gewesen.

„Die ursprünglich in dem Gesetzesentwurf geplanten Änderungen wurden jedoch rückgängig gemacht und so der Fortbestand Tausender kleiner Wasserkraftanlagen gesichert“, berichtete Ursula Ender (CDU), Erste Stadträtin, am Donnerstagabend in der Sitzung. Ferner habe auch das Bundeswirtschaftsministerium angekündigt, durch eine wissenschaftliche Studie das Wasserkraftpotenzial in Deutschland analysieren zu lassen, um letztendlich einen Vorschlag für Ausbauziele zur Stromerzeugung aus Wasserkraft bis 2030 zu definieren.

„Nach Überprüfung der aktuellen Gesetzgebung und der Verabschiedung des Gesetzes zu Sofortmaßnahmen für einen beschleunigten Ausbau der erneuerbaren Energien und weiteren Maßnahmen im Stromsektor ist verwaltungsseitig festzustellen, dass dem eigentlichem Tenor des Resolutionsentwurfes entsprochen wurde und die Resolution als solche obsolet ist“, sagte Ender.

Auch die Beratung und die Beschlussfassung über den Antrag der CDU-Fraktion zur Resolution an Robert Habeck, Bundesminister für Wirtschaft und Energie, konnte dank der guten Neuigkeit getrost in der Stadtverordnetensitzung übersprungen werden.

Der heimische Bundestagsabgeordnete Michael Roth (SPD) besuchte am vergangenen Samstag das Wasserkraftwerk Haag, um sich über die Chancen der Stromerzeugung aus Wasserkraft zu informieren. Mit Nachdruck hatte sich die SPD innerhalb der Ampel-Koalition dafür eingesetzt, dass auch der Wasserkraft ein überragendes öffentliches Interesse im neuen Gesetz zugesprochen wird.

Roth zeigte sich nach dem Besuch bestärkt in der Entscheidung aus Berlin: „Hier an der Fulda und auch an anderen Gewässern in unserer Region werden viele tausend Kilowattstunden sauberer Strom erzeugt, der nicht erst lange transportiert werden muss, sondern direkt der regionalen Wertschöpfung zu Gute kommen kann.“ In Zeiten, in denen man sich so schnell wie möglich unabhängig machen müsse von Kohle, Gas und Öl, sei das ein echtes Pfund hin auf dem Weg zu einer klimaneutralen Energiewirtschaft. „Ich bin froh, dass wir nun sicherstellen, dass auch kleinere Kraftwerke wie das der Familie Haag langfristig mit einer Förderung im EEG planen können. So machen wir deutlich: Die Wasserkraft ist kein Auslaufmodell, sondern hat Zukunft bei uns.“

Auch Betreiberin Conny Haag-Lorenz freute sich über den politischen Besuch: „Lange hatten wir die Befürchtung, dass wir als Anlage unter 500kW Spitzenleistung aus der Einspeisevergütung des EEG fallen könnten, was auf lange Sicht das Aus für unseren Betrieb bedeutet hätte. Dass nun auch die kleine Wasserkraft im neuen EEG gleichrangig behandelt wird, schafft langfristige Planungssicherheit. Für diesen Rückenwind aus Berlin sind wir dankbar.“

Das Haager Kraftwerk mit seinen zwei ferngesteuerten Turbinen kann laut Betreiberin bis zu 404 Haushalte mit Elektrizität versorgen.

Von Carolin Eberth

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