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Wasserspiele: Lichtspektakel mit 50 000 Litern Fulda-Wasser

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Von: Christopher Ziermann

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So sah es 2019 aus: Auf den Bootskorso folgt am Strandfestsonntag ein Spektakel aus Licht und Wasser. 2
So sah es 2019 aus: Auf den Bootskorso folgt am Strandfestsonntag ein Spektakel aus Licht und Wasser. 2 © Christopher Ziermann

Wenn der Bootskorso vorbei ist, werden am Strandfest-Sonntag mit Licht und Wasser bunte Formationen in den Rotenburger Nachthimmel gezeichnet. Aber wer und was steckt dahinter?

Rotenburg – Die Freiwillige Feuerwehr natürlich. Bleibt die Frage nach dem „Wie?“. Bevor das feiernde Volk vom Campingplatz aus das Spektakel bewundern kann, sind mehrere Monate Vorbereitungszeit ins Land gegangen.

Die Gesichter hinter den traditionellen Wasserspielen sind Feuerwehr-Gruppenführer Tobias Demant und der Licht- und Tontechniker Stefan Diegel aus Schwarzenhasel.

Den Ablaufplan organisiert seit 2013 der 37-jährige Demant. Wenn er seine Ideen im Kopf hat, beginnt die Abstimmung mit dem 46-jährigen Diegel. Der Elektromeister hat mit der Feuerwehr eigentlich gar nichts zu tun, hat an der jahrzehntealten Tradition der Brandschützer aber schon lange einen Narren gefressen.

Gemeinsam schauen die beiden, welche Lieder sie spielen wollen und wie die Wasserbilder zu den Farben passen. In der Regel läuft ein bunter Mix aus Charts und Schlagern. Die Show hat in den vergangenen Jahren meist zwischen 15 und 18 Minuten gedauert – nach zwei Jahren Unterbrechung wurde diesmal draufgesattelt. Dieses Jahr können sich die Zuschauer auf 21 Minuten Wasserspiele freuen.

Ein Quantensprung war vor 15 Jahren die Anschaffung von LED-Strahlern. Bis dahin mussten die Lampen händisch bedient werden. Nun kann Diegel die gesamte Lichtshow vorab am Computer programmieren. Er steuert über 140 Kanäle: vier für jede der 35 LED-Leuchten, bei denen die Helligkeit und die Mischung aus Rot, Grün und Blau eingestellt werden.

Zum Gewirr aus Stromkabeln und Wasserschläuchen werden der Breitinger Kirchweg und die Wiese davor in den Stunden vor den Wasserspielen. 2
Zum Gewirr aus Stromkabeln und Wasserschläuchen werden der Breitinger Kirchweg und die Wiese davor in den Stunden vor den Wasserspielen. 2 © Feuerwehr Rotenburg/nh

Während Licht und Musik vollständig vorab produziert sind, wird das Wasser auch heute noch per Hand gesteuert. Rund 15 Feuerwehrkameraden stehen dafür an den jeweiligen Wassermodulen und stellen auf „Wasser Marsch“ oder „Wasser Stopp“. „Jedes Modul hat eine Nummer und ich habe den Plan, was wann auf- oder zugeht“, erklärt Demant.

Dabei brauchen seine Kameraden Fingerspitzengefühl, weil der Wasserdruck schwankt. Die Kommandos gibt der 37-Jährige von der Straße aus per Headset an eine neben seinen Kameraden aufgestellte Lautsprecherbox, weil sein Regieposten neben Diegel weit genug weg von der Wiese mit den Wassermodulen sein muss, damit die Technik trocken bleibt.

Während die meisten Rotenburger feiern, sind rund 30 Feuerwehrleute von 17.30 bis 2 Uhr nachts im Einsatz – nach dem Aufbau ist die Hälfte von ihnen Teil der Wasser- und Lichtshow, die andere steht für mögliche Ernstfälle bereit – natürlich auch während des folgenden Feuerwerks.

Rund 50 000 Liter Fullewasser spritzen innerhalb von 20 Minuten in den Nachthimmel. Dafür sind zwei große Pumpen in Betrieb. Knapp 30 C-Schläuche und 15 B-Schläuche führen das Wasser zu den Modulen.

So unscheinbar sehen die schwarzen Paletten mit den LED-Leuchten und Wasserausgängen aus.
Organisator der Wasserspiele © Feuerwehr Rotenburg/nh

Zwei weitere unverzichtbare Utensilien sind Müllsäcke und Kabelbinder, damit auch wirklich kein Stromkabel nass wird. Bei einem Stromausfall ist die Show nämlich vorbei, ein Neustart nicht möglich – so geschehen 2015.

Die Feuerwehr hat rund 35 Paletten mit LED-Strahlern und Wasserschläuchen ausgerüstet, die in der Strandfest-freien Zeit in einem Container auf dem Gelände des THW gelagert werden.

Ein paar Wochen vor dem Heimatfest wird der Container dann geöffnet und überprüft, ob noch alles funktioniert. Auch Diegel und Demant sehen ihr Werk am Sonntagabend das erste Mal. Nur die Wasserfunktion wird vorab getestet. Eine Generalprobe mit Licht und Musik gibt es nicht.

Die ausgefeilte Lichtshow ist so beliebt, dass das Duo auch schon in anderen Städten wie Wanfried und Fulda aufgetreten ist. Aber: „Natürlich gibt es nichts Schöneres als die Wasserspiele hier in Rotenburg, auf dem Strandfest“, sind sich beide einig.

(Christopher Ziermann)

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