Laura Bachmann kämpfte sich durch Corona-Regeln

Corona-Quarantäne nach dem Test? Rotenburger Mutter bekam widersprüchliche Infos

Negativer Corona-Test, aber verunsichert: Laura Bachmann aus Rotenburg wundert sich über Quarantäneregelungen.
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Negativer Corona-Test, aber verunsichert: Laura Bachmann aus Rotenburg wundert sich über Quarantäneregelungen.

Quarantäne oder nicht? Diese Frage hat Laura Bachmann aus Lispenhausen in den vergangenen Wochen in große Verunsicherung gestürzt.

Rotenburg – Anlass war ein Corona-Test, dem sich die jungen Frau und Mutter unterzogen hatte. Vorab: Das Ergebnis war negativ. Das, was sie erlebte, empört die junge Frau auch, weil die Pandemie seit Monaten alle im Griff hält, aber glasklare einheitliche Anweisungen offenbar fehlten.

Der Reihe nach: Laura Bachmann hatte einen Tag mit ihrer Freundin verbracht, die, symptomfrei, eine Woche später positiv auf das Corona-Virus getestet worden war. Am darauffolgenden Wochenende bekam die 27-jährige Laura Bachmann eine fiebrige Erkältung mit starkem Husten. Ihr Hausarzt war in Urlaub, deshalb rief die junge Frau am Montag in einer anderen Praxis an, um nachzufragen, was sie jetzt tun solle. Sie arbeitet auf Honorarbasis in der Nachmittagsbetreuung der Grundschule Lispenhausen und wollte natürlich schnell Gewissheit haben, wenn auch noch Herbstferien waren.

In der Vertretungspraxis wollte man Laura Bachmann allerdings nicht testen. Es ging offenbar um die Kostenübernahme, was die Patientin nicht nachvollziehen kann, weil die Krankenkassen die Kosten übernehmen. Das hatten ihr eine weitere Ärztin erklärt, die sie auch testen wollte. Sie wies Laura Bachmann aber darauf hin, dass das Labor, mit dem sie zusammenarbeite, einige Tage benötige, bis das Ergebnis da sei. Die Ärztin empfahl Laura Bachmann einen Anruf beim Kreisgesundheitsamt.

Dessen Mitarbeiterin empfahl der jungen Mutter, ein Testzentrum aufzusuchen. Im Kreis Hersfeld-Rotenburg gibt es das nicht. Sie riet der Familie zur freiwilligen Quarantäne, bis das Testergebnis vorliege. Noch am selben Tag fuhr Bachmann zum nächstgelegenen Zentrum nach Homberg. Dort habe ihr eine Mitarbeiterin des Testzentrums mitgeteilt, dass auch ein negativer Bescheid sie nicht von einer 14-tätigen Quarantäne entbinden würde. Ihre Kinder allerdings dürften weiterhin in Kita beziehungsweise in die Schule.

Auf einem im Zentrum ausliegenden Info-Blatt des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes wird allerdings nur empfohlen, bis zur Bekanntgabe des Testergebnisses die Anzahl und Enge der Kontakte zu begrenzen. Es handele sich dabei ausdrücklich nicht um eine Anordnung zur Quarantäne. Die gesamte Familie Bachmann blieb jedoch zu Hause, inklusive Großeltern. Schon am folgenden Tag kam der erlösende Anruf aus Homberg: negativ. Laura Bachmann bat um ein schriftliches Ergebnis, das sie dem Gesundheitsamt des Kreises Hersfeld-Rotenburg weiterleiten wollte. Man versprach ihr, das Ergebnis nach Bad Hersfeld zu faxen. „Ich wollte bei allem, was ich tue, sichergehen. Und wir wollten natürlich aus der Quarantäne.“ Das teilte Laura Bachmann auch noch telefonisch dem Kreisgesundheitsamt mit. Dort hieß es nach ihren Angaben nur: Wir haben Sie nicht in Quarantäne geschickt, darum brauchen wir die Quarantäne auch nicht aufzuheben.

„Ich finde, es ist ein Unding, dass man nicht zur Quarantäne verpflichtet wird, bis eine Entwarnung kommt“, sagt Laura Bachmann, die natürlich froh über ihr Ergebnis ist. Die für sie widersprüchlichen Angaben verschiedener Stellen sieht die junge Mutter nicht als vertrauensbildend an.

Landkreis: Immer Gesundheitsamt kontaktieren

Eine alles erhellende, einfache Antwort zu dem Erlebten können die zuständigen Behörden Laura Bachmann nicht geben. In jedem Fall aber empfiehlt der Sprecher des Landkreises Hersfeld-Rotenburg, Pelle Faust, schon beim Verdacht einer möglichen Infizierung das Gesundheitsamt zu kontaktieren.

Dort bekomme man wichtige Hinweise zum weiteren Verhalten. Und: „Nur das Gesundheitsamt kann Betroffene in häusliche Quarantäne schicken und diese Quarantäne auch wieder aufheben. Es handelt sich dabei grundsätzlich um eine behördliche Anordnung.“

Ausschlaggebend im Fall von Laura Bachmann sei der Zeitraum, der zwischen dem Kontakt mit einer später positiv getesteten Person und deren Erkrankung liegt. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) werde das sogenannte infektiöse Zeitintervall ab 48 Stunden vor Auftreten der ersten Symptome und bis zu zehn Tagen nach Symptombeginn angenommen. Dann gilt man als Kontaktperson ersten Grades. Ist der Fall asymptomatisch – wie im Fall von Laura Bachmanns Freundin – wird analog der Zeitpunkt des Labornachweises angenommen. In Quarantäne müssen auch Reiserückkehrer aus Risikogebieten.

Nach Einschätzung des Gesundheitsamtes wie auch entsprechend der Vorgaben des RKI sei eine Ansteckung Laura Bachmanns von vornherein eher unwahrscheinlich gewesen – zwischen dem Treffen mit der Infizierten und der eigenen Erkrankung liege eine zu große Zeitspanne. Dennoch werde in solch einem Fall empfohlen, weitestgehend auf soziale Kontakte zu verzichten.

Kreissprecher Faust appelliert an den gesunden Menschenverstand: Alle Bürger sollten mitdenken – so wie Laura Bachmann es auch getan habe. Das Risiko einer möglichen Ansteckung dürfe nicht unterschätzt werden.

Bei der Kassenärztlichen Vereinigung, die das Testzentrum in Homberg betreibt, hieß es: Die Mitarbeiterin des Testzentrums, die Laura Bachmann darauf hingewiesen hatte, dass auch ein negativer Test nicht von einer 14-tätigen Quarantäne entbinde, hätte recht: „Wer Kontakt zu einer infizierten Person hatte, muss 14 Tage in Quarantäne bleiben“, sagte ein KV-Sprecher. Das entspreche den aktuellen Empfehlungen.

Für Kreissprecher Pelle Faust ist das kein Widerspruch: Bei einer Entscheidung über Quarantäne müsse aber immer das infektiöse Zeitintervall berücksichtigt werden.

Von Silke Schäfer-Marg

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