Forstamt bittet um Hilfe

Indikator für einen gesunden Wald: Im Kreis Rotenburg könnten jetzt mehr Wildkatzen leben

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Auf dem Sprung: Eine Wildkatze, klar zu erkennen am buschigen, breiten Schwanz mit markant schwarzer Spitze. 

Rotenburg. Fühlt sich die Wildkatze wohl, ist der Wald gesund: Wolfgang Adam vom Forstamt Rotenburg möchte beweisen, dass es im Landkreis wieder mehr der geschützten Tiere gibt.

Der Funktionsbeauftragte des Rotenburger Forstamtes würde das gern mit Zahlen belegen und bittet deshalb um Unterstützung aus der Bevölkerung. Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema.

Was unterscheidet Wildkatzen von Hauskatzen?

Kümmert sich: Wolfgang Adam aus Alheim.

Optisch fallen Wildkatzen durch einen buschigen, breiten Schwanz mit markant schwarzer Spitze auf. Der Schwanz von Hauskatzen läuft hingegen nach hinten dünner aus. Wildkatzen haben keine scharfe Zeichnung, sondern ein verwaschenes Äußeres. Hauskatzen sind eher gräulich mit scharf abgesetzter Zeichnung. Wildkatzen sind zudem reine Fleischfresser und ernähren sich bevorzugt von kleinen Nagetieren wie Mäusen.

Bei den Spuren sieht man übrigens keine Krallen. Eine Kätzin wiegt etwa vier Kilo, das männliche Pendant - vom Jäger Kuder genannt - kommt auf fünf Kilo. Wildkatzen werden etwa sieben bis zehn Jahre alt. In Gefangenschaft können sie über 15 Jahre alt werden.

Wieso sind Wildkatzen so interessant?

„Wildkatzen sind ein wichtiger Indikator. Wenn die sich wohlfühlen, ist das Biotop intakt“, erklärt Wolfgang Adam. Seiner Wahrnehmung nach dürfte sich die Anzahl der Tiere im Kreis Hersfeld-Rotenburg in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt haben. Das macht er auch an tot aufgefundenen Tieren aus. Früher seien es maximal deren zwei im Jahr gewesen.

Zuletzt haben er und sein Bad Hersfelder Kollege Kersten Eidam bis zu sechs pro Jahr aufgefunden. Außerdem sei es wichtig, Biotope zu kennen, wenn neue Straßen gebaut werden. Brücken oder Tunnel könnten so eingeplant werden.

Wo kommen Wildkatzen her und wo leben sie?

Wildkatzen sind in Afrika, Westasien, Zentralasien, Indien und Europa bereits seit bis zu zwei Millionen Jahren heimisch. Anfangs des 20. Jahrhunderts waren die Bestände in Deutschland aufgrund jagdlicher Verfolgung stark dezimiert. Seit Einführung einer ganzjährigen Schonzeit, die bis heute gilt, zeigt die Wildkatze laut Hessen-Forst wieder mäßige Ausbreitungstendezen.

In Hessen gibt es laut Wolfgang Adam das größte Aufkommen in der Rhön. In unserer Region tummeln sich die Tiere im Seulingswald, Knüll und Riedforst.

Wie reagieren Wildkatzen auf Menschen?

Guck-Guck: Eine Wildkatze im Versteck. Foto: Uwe Zucchi/dpa

In der Regel gar nicht. Wildkatzen sind Kulturflüchter und meiden daher den Menschen. Zudem sind sie bis auf die Paarungszeit Einzelgänger. Jedes Tier sucht sich einen Korridor. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ist bestrebt, etwa 20 Meter breite Korridore mit Bäumen und Hecken abzustecken.

Was soll man tun, wenn man eine Wildkatze sieht?

Förster Wolfgang Adam bittet darum, ihn oder einen seiner Kollegen in den Hersfelder und Rotenburger Forstämtern anzurufen. Er notiert jedes Tier und nimmt Fellproben, ob es sich auch wirklich um eine Wildkatze handelt. Wichtig: „Bitte füttern Sie nicht mit Brekkies und achten Sie darauf, dass sich Haus- und Wildkatze nicht kreuzen“, gibt der Alheimer mit auf den Weg. Sonst könne es zu Krankheiten bei Wildkatzen kommen.

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