Region in Wiesbaden, Berlin und Brüssel vertreten

"Mister Zonenrand" hat Geburtstag: Politik-Urgestein Wilfried Böhm wird 85 Jahre alt

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Blickt dankbar auf 85 Jahre zurück: Der CDU-Politiker Wilfried Böhm mit den Resten eines Blechbahnhofes seiner Spielzeugeisenbahn, die ein Nachbar nach der Bombardierung Kassels 1943 aus den Trümmern barg.

Der CDU-Politiker Wilfried Böhm, der die Region in Wiesbaden, Berlin und Brüssel vertreten hat, feiert Geburtstag. Er hat sich um das Zonenrandgebiet verdient gemacht. 

Wilfried Böhm blickt zufrieden zurück auf ein langes politisches Leben vom Stadtverordneten bis zum Europa-Politiker. „Die Zonenrandförderung war mein Ding, wir haben die durch die deutsche Teilung benachteiligte Regionen vollgestopft mit Geld“, sagt Böhm. Am heutigen Sonntag feiert er im Kreis seiner Familie den 85. Geburtstag.

„Ich war Mister Zonenrand“, blickt er zurück auf die Zeit, als es staatliche Hilfe für die Gebiete gab, die unter den Folgen der deutsch-deutschen Teilung zu leiden hatten. Dazu zählte auch der damalige Bundestagswahlkreis Hünfeld, Hersfeld, Rotenburg, Melsungen.

Böhm: „Unendlich viele Projekte wie beispielsweise das Herz- und Kreislaufzentrum Rotenburg wurden Dank der Zonenrandförderung entwickelt.“

Nach der Zerstörung Kassels durch britische Bomber im Oktober 1943 zog die Familie – bis 1950 – nach Mühlhausen in Thüringen, Heimat seines Vaters. „In Mühlhausen habe ich durch die Teilung Deutschlands die Politik entdeckt“, sagt Böhm. Und: „Ich bin in die Politik gegangen, weil mein Vaterland geteilt war und ich dies unerträglich fand.“

Sechs Jahre Landtag und 22 Jahre Bundestag sind nur ein kleiner Teil im Leben des CDU-Politikers. Vorher hatte der Diplom-Volkswirt in Friedland, Uelzen und Gießen bei der Eingliederung von Lehrern, Studenten und Abiturienten geholfen, die aus der DDR geflüchtet waren. Bundesnotaufnahme-Verfahren nannte sich das.

Die deutsche Teilung war bis zur Wiedervereinigung Böhms Thema Nummer eins. Und da eckte er auch mal an. „Die Mauer muss weg“, demonstrierte Böhm per Plakat, als Erich Honecker 1987 von Bundeskanzler Kohl als Staatsgast empfangen wurde.

Stolz ist der fünffache Vater und vierfache Urgroßvater mit seiner Frau Hilta auch darauf, als Gründer und Vorsitzender der „Stiftung Deutschlandlied“ dafür gesorgt zu haben, dass das Deutschlandlied als Nationalhymne bekannt wurde.

1974, als Deutschland Fußball-Weltmeister wurde, wollte Böhms Sohn Hans Martin eine Schallplatte mit dem Deutschlandlied kaufen. Mit seinem Bruder Roland kam er betrübt zurück. Im Handel gab es keine Schallplatte mit dem gesungenen Text. Böhm: „Unser Deutschlandlied gehört nicht in die Rumpelkammer, auch nicht in den vornehmen Salon, sondern mitten in den demokratischen Alltag der Deutschen.“ Mit seiner neuen Stiftung brachte Böhm 70 000 Schallplatten unters Volk. Beifall der Konservativen und Schmähungen der politischen Linken waren die Folgen. Aber Böhm ist jemand, der sich nie verbiegen und nie locker lässt.

Zur Person:

Wilfried Böhm wurde am 9. Februar 1934 in Kassel geboren. Nach dem Studium der Volkswirtschaftslehre arbeitete er in Flüchtlingslagern und als Leiter des Amtes für Wirtschaftsförderung, Presse und Statistik der Stadt Fulda. Seit 1950 gehört er der Europa-Union, seit 1959 der CDU an. Von 1960 bis 1964 war Böhm Stadtverordneter in Kassel, von 2002 bis 2006 in Melsungen. 1968 kam er in den Kreistag Melsungen, von 1974 bis 1981 war er Kreistagsabgeordneter im Schwalm-Eder-Kreis. 

Landtagsabgeordneter war Böhm von 1966 bis 1972, danach gehörte er bis 1994 dem Bundestag an und war Vorsitzender des Unterausschusses Zonenrandförderung. Von 1977 bis 2005 war Böhm Mitglied der Parlamentarischen Versammlung des Europarates in Straßburg, seit 2005 Ehrenmitglied. Böhm ist Träger des Hessischen Verdienstordens und des Bundesverdienstordens.

Von Manfred Schaake

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