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Winterdienst-Mitarbeiter in der Region kämpfen Jahr für Jahr mit den gleichen Problemen

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Von: Thomas Klemm

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Auch an dieser Engstelle in Ronshausen hat es das Räumfahrzeug schwer, vorbeizukommen. Die Winterdienst-Mitarbeiter appellieren an die Fahrzeugführer, ihre Autos so zu parken, dass das Räumen gut möglich ist.
Auch an dieser Engstelle in Ronshausen hat es das Räumfahrzeug schwer, vorbeizukommen. Die Winterdienst-Mitarbeiter appellieren an die Fahrzeugführer, ihre Autos so zu parken, dass das Räumen gut möglich ist. © Thomas Klemm

„Wir appellieren an die Vernunft der Autofahrer, lasst im Winter genügend Platz für die Räumfahrzeuge und stellt die Einmündungsbereiche der Kreuzungen nicht zu.“

Ronshausen – Darum bittet dringend der Vorarbeiter des Bauhofes in Ronshausen, Ralf Möller. Er tut das im Namen aller Winterdienst-Mitarbeiter in der Region, die bei nachtschlafender Zeit ausrücken, um die Straßen von der weißen Pracht freizuräumen und von der Eisglätte zu befreien.

Alle Jahre wieder, wenn Väterchen Frost, so wie gestern, für eisglatte Straßen sorgt oder es heftig schneit, bekommen es die Winterdienstler mit den gleichen Problemen zu tun. Die da heißen: zugestellte Straßen, Millimeterarbeit beim Räumen des Schnees und Streuen des Auftausalzes vor allem in engen Gassen, keine Wendemöglichkeiten wegen parkender Fahrzeuge. Und wie in jedem Jahr appellieren sie an die Autofahrer, Rücksicht zu nehmen. Mit schwindendem Erfolg.

Von den winterlichen Schwierigkeiten kann der Vorarbeiter des Bauhofes in Ronshausen, Ralf Möller, ein facettenreiches Lied singen. „Manche Autofahrer stellen ihre Fahrzeuge so ab, dass man mit dem Schiebeschild kaum noch durchkommt. Aber wehe, wir kommen den Autos zu nahe!“ klagt er. „Die Einmündungsbereiche müssen auf fünf Metern freigehalten werden, auch das vergessen viele gern. Und es wird in engen Straßen beidseitig geparkt, sodass wir Mühe haben, da durchzukommen“, beschreibt er die tägliche Mühsal der Winterdienst-Kollegen. „Die Lage wird von Jahr zu Jahr schwieriger.“

Der Paragraf 12, Absatz 3 der Straßenverkehrsordnung (StVO) schreibt diesbezüglich vor, dass Fahrzeugführer in einem Abstand von fünf Metern vor und hinter Kreuzungen nicht parken dürfen. Dieser wird sogar auf acht Meter ausgeweitet, wenn rechts neben der Fahrbahn ein baulich angelegter Fahrradweg verläuft. Nicht alle Autofahrer halten sich daran.

Dabei haben es die Jungs auf dem schweren Räumgerät von Haus aus nicht einfach. Wenn ihr Dienst beginnt, ist es noch stockdunkel. Und wenn sie damit anfangen, den Schnee zu räumen, ist es ja auch für sie auch noch sehr glatt auf den Straßen. Gerade auf abschüssigem Terrain ist da höchste Vorsicht geboten. Umso mehr sind sie auf die gegenseitige Rücksichtnahme der Autofahrer angewiesen.

Ralf Möller hat ein Beispiel parat, wo das nicht klappt. Auf dem Wendehammer am Ibaer Weg in Ronshausen parkt notorisch ein Fahrzeug. Möller muss mit seinem schiebeschild-bestückten Winterdienst-Traktor rückwärts die schmale Straße hochfahren, weil es oben zum Wenden zu eng ist. „Dafür bräuchte ich eigentlich einen Einweiser. Das dürfte ich streng genommen gar nicht machen. Aber da ich allein unterwegs bin, geht das nicht anders“, sagt er. „Früher war auch das anders. Da waren wir immer zu zweit unterwegs“, erklärte der mit über dreißig Jahren Berufserfahrung ausgestattete Bauhof-Vorarbeiter.

Mittlerweile stellt sich ein weiteres Problem in den Weg. Die Borsteinhilfen aus Holz oder Metall, welche die Grundstückseigentümer zunehmend an ihren Einfahrten platzieren, können zu kreuzgefährlichen Geschossen werden. „Wenn das Schiebeschild unter dem Schnee so ein Ding erwischt, kann das sonstwohin fliegen“, warnt Möller.

Ein anderes Problem ist das der zeitnahen Räumung. „Meine Bauhof-Leute können in den frühen Morgenstunden natürlich nicht überall gleichzeitig sein“, erklärt etwa der Bürgermeister der Gemeinde Philippsthal, Timo Heußner. Sein Bauhof räume den Schnee mittels dreier Fahrzeuge, aber das funktioniere trotzdem nur nach und nach. „Ich appelliere an die Geduld der Anwohner, wenn es früh mal etwas länger dauern sollte, ehe der Schneepflug kommt“, so Heußner.

Ralf Möller
Ralf Möller © Thomas Klemm

Stichwort frühe Morgenstunde: Spätestens ab 5.30 Uhr sind die Bauhofleute auf der Straße, um den Winterdienst zu erledigen. In Ronshausen kommen dann zwei Fahrzeuge inklusive Besatzung zum Einsatz. Eine ist im Ortsteil Machtlos unterwegs, während die andere den Kernort beräumt. „Zunächst werden alle Gefäll- und Steigungsstrecken abgefahren, dann die neuralgischen Punkte wie Kindergarten, Schule und so weiter. Später kommt meist das Fahrzeug aus Machtlos dazu, um zu helfen. Nach und nach werden alle Straßen und Gassen von Schnee und Eis befreit, außer der Ortsdurchgangsstraße. Die ist Sache von Hessen Mobil.

Die Rufbereitschaft für den Winterdienst besteht in Ronshausen bis 22 Uhr in der Nacht. „Später fahren wir nicht mehr raus“, so der Vorarbeiter. Allerdings beginne der Arbeitstag sehr früh. „Wir verfolgen selbstverständlich schon am Vortag den Wetterbericht mit. Wenn winterliche Bedingungen vorausgesagt sind, stehen wir um fünf morgens auf und schauen aus dem Fenster, wie die Lage tatsächlich ist. Danach wird mit den Kollegen telefoniert und los gehts.“

Die gestrige Wetterlage war allerdings eine besondere, auch für die Winterdienst-Mitarbeiter. „Weil wir wussten, was da auf uns zukommen kann, haben wir am Vorabend schon mal vorgestreut“, erklärte Möller. „Schwierig war es vor allem dadurch, weil es, nachdem wir gestreut hatten, regnete. Deshalb mussten wir am Vormittag nochmals raus, um nachzustreuen. Und auch für uns war es Montagfrüh sehr glatt auf der Straße. Das waren extreme Bedingungen.“ (Thomas Klemm)

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