Kritik an Wolfspolitik

Wölfe in Hessen: FDP und SPD werfen Umweltministerium „Geheimniskrämerei“ vor

Die hessischen Landtagsabgeordneten Wiebke Knell (FDP) und Heinz Lotz (SPD).
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Die hessischen Landtagsabgeordneten Wiebke Knell (FDP) und Heinz Lotz (SPD).

FDP und SPD haben erneut die Wolfspolitik des Hessischen Umweltministeriums scharf kritisiert. Anlass ist eine Sitzung des Umweltausschusses.

Aktualisiert um 18.05 Uhr - Die Opposition kritisieren erneut die Wolfspolitik des Hessischen Umweltministeriums scharf. Anlass ist eine Sitzung des Umweltausschusses am Mittwoch.

Sowohl SPD als auch FDP hatten dem Ministerium einen ausführlichen Fragenkatalog vorgelegt. „Umweltministerin Priska Hinz hat ihre Linie der Geheimniskrämerei auch heute fortgesetzt und nichts substanziell Neues, insbesondere im Hinblick auf die Einwände der angehörten Verbände und deren Kritik am zu erarbeitenden Wolfsmanagementplan, beigetragen“, sagt der forst- und jagdpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Heinz Lotz. Man warte nun seit mehr als einem Jahr auf diesen Plan.

Von Fördermitteln profitieren in Hessen bislang nur Schaf- und Ziegenhalter, nicht aber die Halter von Rindern und Pferden. Vom Umweltministerium hieß es dazu bislang stets, dass diese Tiere in der Regel nicht zur Beute von Wölfen gehören. „Ich habe die Ministerin gefragt, ob sich das Jagdverhalten vermutlich ändert, wenn Rudel entstehen. Das hat sie verneint“, sagt Wiebke Knell aus Neukirchen, jagd- und landwirtschaftspolitische Sprecherin der FDP, unserer Zeitung. Dabei gebe es längst entsprechende Erfahrungen in anderen Bundesländern. Grundsätzlich ignoriere die Landesregierung, „dass der Wolf zu einer Gefahr für den Menschen werden kann und hat dementsprechend kein Konzept zur Gefahrenabwehr“, so Knell. Auch von einer bevorstehenden Reproduktion wolle Hinz nichts wissen.

Umweltministerium: In diesem Jahr noch keine nachgewiesenen Nutztier-Risse

Aus dem Umweltministerium heißt es auf Nachfrage unserer Zeitung, Hinz habe im Ausschuss erklärt, dass der neue Wolfsmanagementplan den Verbänden vorgestellt worden sei und derzeit anhand der Stellungnahmen überarbeitet und finalisiert werde. Sie verweist auf Fördermittel für Weidetierhalter, die in diesem Jahr erhöht werden und „weitere Schutzmaßnahmen“ dort, wo Wölfe ansässig sind. Dafür stehe Geld im Haushalt 2021 zur Verfügung. „Die Untersuchung von Rissverdachtsproben und Spuren wurde weiter beschleunigt. In diesem Jahr gab es noch keine nachgewiesenen Nutztier-Risse oder Verdachtsfälle. Alle Untersuchungen von potenziellen Rissen in diesem Jahr fanden an Wildtieren statt“, so Umweltministerin Hinz.

Auch der landwirtschafts- und jagdpolitische Sprecher der Grünen, Hans-Jürgen Müller aus Witzenhausen, äußert sich in einer Pressemitteilung. Die Landesregierung habe mit der Überarbeitung des Wolfsmanagementplans „einen sehr wichtigen und notwendigen Schritt eingeleitet. Als jemand, der 35 Jahre lang Weidetierhaltung in Witzenhausen betrieben hat, weiß ich, was Weidezaunbau für einen Aufwand bedeutet. Deshalb wollen wir die Weidetierhalter finanziell unterstützen – bei Bedarf in Zukunft auch personell, damit Weidezäune als wichtiger Grundschutz gestellt werden können.“ Auch das weiterhin „intensiv durchzuführende“ Monitoring, also das Auswerten von Hinweisen auf und Nachweisen von Wölfen, solle wichtiger Bestandteil des neuen Wolfsmanagementplans sein. So wolle man die Unterstützung der Weidetierhalter der aktuellen Situation anpassen, „für ein möglichst konfliktfreies Nebeneinander“.

Grüne fordern weniger Emotionen bei Abschussfrage

In der Diskussion um Abschüsse von übergriffigen Wölfen rät Hans-Jürgen Müller (Grüne) „zu weniger Emotionen“. Bund und Länder müssten sich auf Basis des europäischen Artenschutzrechtes auf ein gemeinsames Vorgehen verständigen. Beschlussanträge, die diese gesetzliche Grundlage nicht anerkennen, tragen laut Müller zur Emotionalisierung bei und seien nicht zielführend. Die Weidetierhalter müssten beim Schutz ihrer Tiere unterstützt werden – überall und vollständig. „Damit wir zu praxisnahen Lösungen kommen, muss der gesellschaftliche Dialog geführt werden. Der neue Wolfsmanagementplan muss hierfür eine Grundlage sein.“

Wiebke Knell kritisiert, dass Ministerin Hinz bei vielen Antworten vage geblieben sei – etwa rechtliche Fragen beim Einsatz von Herdenschutzhunden und die bisherige Rolle von Hessen Forst beim Wolfsmonitoring. Auch unserer Zeitung hatten unterschiedliche Mitarbeiter von Landesbehörden in der Vergangenheit davon berichtet, dass einige Mitarbeiter von Hessen Forst ihr Wissen um Wolfsaktivitäten nicht mit dem Wolfsmonitoring teilten. Seinen Namen nennen wollte aber niemand. Hinz habe alle Fragen dazu knapp verneint. Auch aus der Pressestelle des Ministeriums heißt es auf Nachfrage unserer Zeitung, dazu lägen keine Erkenntnisse vor. (Christopher Ziermann)

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