10 Kilometer entfernt von Drehort des Wolfs-Videos

Zwei Schafe bei Rotenburg gerissen: Zaun war "wolfssicher" - komplette Herde in Panik

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Ob es ein Wolf war, steht noch nicht fest: Eine komplette Schafherde ist wegen eines Angriffs von der Weide ausgerissen - zwei Tiere starben. (Symbolbild)

Auf einer Weide bei Seifertshausen im Haselgrund sind zwei Schafe gerissen worden. Ob der Verursacher möglicherweise ein Wolf war, soll nun ein DNA-Test zeigen.

Die gesamte Herde von Schafhalter Martin Schmidt ist am gestrigen Montagmorgen aus ihrer Weide bei Seifertshausen ausgebrochen. Der Grund: Die Tiere gerieten wegen eines Angriffs in Panik und rannten den Zaun um. 

Zwei Schafe wurden getötet, ein Kadaver hat Fraßspuren. Mindestens zwei weitere Tiere wurden verletzt.

Ob es ein Wolf war ist noch nicht klar - DNA-Analyse steht aus

Ob der Verursacher ein Wolf ist, wird man erst nach der Auswertung der DNA-Proben sagen können. Klar ist aber: Seifertshausen liegt rund neun Kilometer entfernt von Schemmern, wo in der vergangenen Woche ein Video aufgenommen wurde, das einen Wolf zeigt – dass das so ist, hat die Wolfsbeauftrage Susanne Jokisch vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie unserer Zeitung gestern bestätigt.

Bereits mehrere Schafrisse in der Region

Die Entfernung zu Herlefeld, wo Anfang August nachweislich eine Hirschkuh von einem Wolf gerissen wurde, beträgt sogar nur rund fünf Kilometer. Dens, wo in der vergangenen Woche ebenfalls ein Schaf gerissen wurde, ist rund zehn Kilometer entfernt. Ebenso wie nun im Fall von Seifertshausen liegt das Ergebnis der DNA-Analyse noch nicht vor.

Einen zweiten Kadaver mit Kehlbiss entdeckte Besitzer Martin Schmidt erst am Nachmittag – dort wurde allerdings kein Fleisch gefressen.

Bislang hat es in Hersfeld-Rotenburg und in Nordhessen laut Reinhard Rust vom Regierungspräsidium Kassel keine Risse von Schafen gegeben, die von einem „nach guter fachlicher Praxis“ aufgestellten Elektrozaun umschlossen waren. 

Der Zaun war laut Schafbesitzer "wolfssicher"

Der Zaun bei Seifertshausen war hingegen, so Schafsbesitzer Martin Schmidt, an allen vier Seiten der Weide 90 Zentimeter hoch und stromführend (in einer Broschüre des Umweltministeriums wird das indirekt als „wolfssicher“ bezeichnet). Das bestätigt Rissgutachter Gerhard Becker, der im Auftrag des Ministeriums vor Ort war.

Trotz Angriff: Schafe sollen vorerst auf Weide bleiben

„Als ich vor ein paar Tagen mit meinem Sohn den Zaun neu gesteckt habe, habe ich schon gesagt: Früher oder später passiert es auch bei uns“, sagt Schmidt. Der Dankeröder will die Schafe noch mindestens sechs Wochen auf der Weide lassen – wenn allerdings noch mal etwas passiert, würde er sie in den Stall holen. Das würde zusätzliches Geld und Aufwand kosten: Das Gras steht derzeit in rauen Mengen auf der Weide, das Winterfutter muss der Nebenerwerbslandwirt, der in Vollzeit bei der Stadt Rotenburg angestellt ist, extra beschaffen.

Schäfer fühlt sich von Politik im Stich gelassen

Schmidt ist frustriert. „Die breite Masse juckt das leider nicht, was wir für Probleme haben. Was die Idioten auf den Dörfern machen, interessiert die Leute in der Stadt doch nicht.“ Er fühlt sich auch von der Politik im Stich gelassen. Fördermittel von einigen Euro pro Hektar bringen Haltern mit wenigen Tieren und kleinen Flächen kaum etwas. Die Herde des Dankeröders umfasst rund 50 Schafe, die Weidefläche ist etwa zehn Hektar groß.

Regierungspräsidium: "Schutz ist wichtig"

Unabhängig davon, ob im Fall von Seifertshausen ein Wolf als Verursacher festgestellt wird, betont Reinhard Rust vom Regierungspräsidium Kassel, wie wichtig der Schutz von Weidetieren „nach guter fachlicher Praxis“ sei. Wenn ein Wolf zu einer Weide mit ordnungsgemäßen Zäunen komme, ziehe er zum Glück meistens weiter. 

Wenn er allerdings ohne Schwierigkeiten auf eine Weide gelange, würde er lernen, dass Schafe leichte Beute seien. „Selbst wenn ein Zaun nach guter fachlicher Praxis aufgestellt ist, kann es natürlich trotzdem passieren, dass ein Ast auf den Zaun fällt und er dann an dieser Stelle nicht mehr schützt. In solchen Fällen zahlt das Land freiwillig einen Ausgleich“, sagt Rust.

Hier liegt Seifertshausen

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