Ruhe vor dem Sturm: DRK organisiert Betreuung beim Strandfest

Lange geplant: Schon vor Wochen begann Lasse Ellenberger (vorn im Bild), Bereitschaftsleiter in der DRK-Ortsgruppe Rotenburg, mit der Vorbereitung des DRK-Einsatzes beim Strandfest. Foto: Meyer

Rotenburg. Strandfest bedeutet Ausnahmezustand in Rotenburg. Das weiß keiner so gut wie Lasse Ellenberger.

„Ich meine das positiv“, sagt er und ergänzt: „Das Strandfest hat etwas Magisches.“ Dabei ist es so, dass das große Stadtfest für ihn nicht Feiern bedeutet, sondern Arbeit. Seit vielen Jahren organisiert Ellenberger die Betreuung der Veranstaltung durch das Rote Kreuz - und kümmert sich so um all jene, die beim Feiern Schaden genommen haben.

Wochen im Vorhinein beginnt für den 41-Jährigen, der ehrenamtlicher Bereitschaftsleiter in der Ortsgruppe Rotenburg des DRK ist, die Organisation: 40 bis 60 Helfer werden gebraucht, Absprachen mit Polizei und Behörden wollen getroffen und ein riesengroßer Dienstplan will gefüllt werden.

In der Summe rund 2000 Einsatzstunden werden die Helfer des DRK auch über dieses Strandfest hinweg ableisten.

Wie in jedem Jahr wird es Betrunkene geben, die sich weit überschätzt haben und dann auf einer Liege im DRK-Zelt landen, wo sie gut betreut werden. Vielleicht wird es wieder einen Verletzten mit Schnittwunden an der Hand geben, der zuvor mit Freunden im Festzelt gewettet hat, ein Glas mit der bloßen Hand zerdrücken zu können.

Über so viel Leichtsinn und Dummheit kann auch Lasse Ellenberger nur den Kopf schütteln. Er verdreht lächelnd die Augen, wenn er von seinen Erfahrungen als Strandfest-Ersthelfer erzählt. Doch zugleich zeigt er viel Verständnis für all jene, die es wärend des Strandfests mit dem Feiern übertreiben, selbst noch für die, die mit dem Anspruch auf beste Versorgung ins DRK-Zelt wanken und die ehrenamtlichen Helfer anblaffen: „Wofür werdet ihr denn bezahlt?“

Gefragt, warum ihn das Rote Kreuz als Kind angezogen und nicht wieder losgelassen hat, murmelt Lasse Ellenberger mit Ironie im Unterton: „Jaja, das Helfersyndrom“, so, als wäre es ihm etwas unangenehm zu sagen, dass er gerne für andere da ist.

Bei allem Arbeitseinsatz sind die Strandfesttage auch für die DRK-Helfer etwas Schönes. Lasse Ellenberger schätzt die Gemeinschaft mit den anderen Helfern, und es gibt ihm ein gutes Gefühl, wenn es wieder mal gelungen ist, die verantwortungsvolle und komplexe Aufgabe der Organisation gemeistert „und alles richtig gemacht zu haben“.

Das einzige, was wir noch nicht hatten, ist eine Notentbindung“, sagt Lasse Ellenberger gerne auf die Frage, was er in drei Jahrzehnten als Ersthelfer beim Strandfest schon alles erlebt hat.

Die Klassiker seien Besucher, die zu viel Alkohol genossen hätten, sowie Verletzungen durch Scherben. Opfer von Schlägereien wurden oft im DRK-Zelt verarztet, Menschen, die auf dem Biertisch tanzten und stüzten.

Auch die Fahrgeschäfte gefährdeten immer wieder Menschen, die wegen Quetschungen oder heftiger Übelkeit behandelt werden mussten. Es gab auch Fälle, wo die flackernden Lichter epileptische Krampfanfälle auslösten. Sowohl der Autoscooter als auch die kleine Ponyreitanlage brachten dem DRK schon Patienten mit gebrochenen Beinen. Wenn es über das Strandfest hinweg heiß sei, so Ellenberger, gebe es zudem immer wieder Patienten mit Kreislaufproblemen. Selbst Stammgäste haben die Helfer in den in den Behandlungszelten des DRK. Ellenberger erinnert sich an einen Mann, der sich über 15 Jahre hinweg an jedem Strandfest bis zur Bewusstlosigkeit betrunken hat.

Was den Alkohol angeht, hat Ellenberger festgestellt, dass die Konsumenten immer jünger werden. Außerdem seien die Alkoholika härter geworden.

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