Keine Proben, keine Konzerte

Sänger in Corona-Sorgen: Pandemie trifft Chöre hart

Während die Geschäfte wieder offen haben und der Sportbetrieb unter Auflagen läuft, gilt für fast 2500 Sänger im Kreis Hersfeld-Rotenburg noch ein umfassender Corona-Shutdown.

„Wir sind in Schockstarre“ sagt Ulli Meiß, Kreischorleiter des Sängerkreises Hersfeld. Die Befürchtung: Auf die Zwangspause folgt ein schwerer Neustart.

Der Altersschnitt in den Chören und Gesangvereinen ist hoch, viele Sänger fallen in die Risikogruppe (siehe Hintergrund). Die Sorge ist, dass die Rückkehr zum gemeinsamen Singen nach der Corona-Zwangspause zögerlich oder gar nicht stattfindet. „Je länger der Shutdown dauert, desto schwieriger wird es“, sagt Meiß. Besonders betroffen seien die bereits angeschlagenen Chöre.

„Wir müssen aufpassen, dass wir die Sänger nicht ganz verlieren“, sagt Marco Gerke, Vorsitzender des Sängerkreises Alheimer. Realistisch sei leider, dass nicht alle Chöre die Folgen der Pandemie überstehen werden. Der Sängerkreis will nun ausloten, wie die Sängergruppen unterstützt werden können. Der für April geplante Bundessängertag in Bebra wurde auf kommendes Jahr verschoben – es ist eine von vielen Großveranstaltungen, die aufgrund der Corona-Krise ausfallen. „Momentan sind alle frustriert“, sagt Gerke.

Auch junge Sänger würden völlig ausgebremst, betont Ulli Meiß. „Auf welches Konzert sollen sie hinarbeiten?“, fragt der Chorleiter, der mit den Sängern der Bad Hersfelder Obersbergschule im Kreis und im Ausland große Auftritte hat – und derzeit vor allem über soziale Medien und das Internet Kontakt hält. Die Sänger fürchten auch um ihr Image. So hatte ein Baptisten-Gottesdienst in Frankfurt für zahlreiche Corona-Infektionen und viel Aufregung gesorgt. Es wurde auch gemeinsam gesungen. „Bei vielen bleibt hängen: Singen ist derzeit das gefährlichste Hobby“, befürchtet Ulli Meiß. Bisher gibt es noch keinen Chor oder Verein in den Sängerkreisen, der aufgrund von Corona aufgegeben hat. „Wichtig ist, dass man jetzt in Kontakt bleibt und klar macht: Wir werden wieder singen“, sagt Meiß. 

Gesundheitsamt rät von Proben ab

Gemeinsames Proben ist unter strengen Auflagen und mit Hygienekonzept theoretisch möglich. Aber: „Ich rate jedem Chorleiter, im Moment auf Proben in geschlossenen Räumen zu verzichten“, sagt Amtsärztin Adelheid Merle. Das Risiko einer Tröpfcheninfektion sei besonders hoch. Ohne Mund-Nasen-Schutz gelte: ein Sänger pro zehn Quadratmeter. Im Sängerkreis Alheimer gibt es 1028 Aktive in 34 Chören – rund die Hälfte ist älter als 60 Jahre. Der Sängerkreis Hersfeld hat 1454 Aktive in 54 Chören. Das Durchschnittsalter: 61,4 Jahre. cig

Rubriklistenbild: © Ute Janßen

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