"Chance für Neuanfang"

Das sagen CDU-Politiker aus Hersfeld-Rotenburg zur Abwahl von Volker Kauder

Bad Hersfeld. Christdemokraten im Landkreis Hersfeld-Rotenburg empfinden die Abwahl von Volker Kauder als Vorsitzender der CDU-Bundestagsfraktion nicht als Angriff auf die Kanzlerin.

„Aufstand gegen Merkel“ (Handelsblatt), „Merkel-Klatsche“ (Bild), „die CDU bebt“ (taz), „Misstrauensvotum gegen Merkel“ (Spiegel-Online): Dass die CDU-Bundestagsfraktion ihren Vorsitzenden Volker Kauder nach 13 Jahren gegen den Willen von Bundeskanzlerin Angela Merkel gestürzt und stattdessen Ralph Brinkhaus an die Spitze der Unionsfraktion gewählt haben, werten viele Beobachter als Anfang vom Ende der Kanzlerschaft Merkels. Doch was sagen die Christdemokraten im Landkreis Hersfeld-Rotenburg? Wir haben nachgefragt.

„Ich bin mit dem Ergebnis zufrieden“, sagt Lena Arnoldt, CDU-Landtagsabgeordnete des Wahlkreises 10 (Rotenburg). Sie betont zwar, dass sie in der Abwahl Kauders „keinen Zusammenhang zu einer aktiven Schwächung der Kanzlerin“ sehe, wohl aber „ein Bestreben nach Veränderung.“ Kauder habe gute Arbeit geleistet, Brinkhaus werde das aber auch gut machen.

Der CDU-Kreisvorsitzende Timo Lübeck sagt: „Wenn man ehrlich ist, gab es innerhalb der Unionsfraktion schon länger den Wunsch nach einer Verjüngung“. Lübeck beschreibt Brinkhaus als Finanzexperten „vom Schlage eines Friedrich Merz“. Einen Machtverlust von Merkel will er in der Abwahl Kauders nicht erkennen, da Brinkhaus zuvor erklärt habe, dass sich seine Kandidatur nicht gegen die Kanzlerin richte.

„Über das wenn auch knappe Ergebnis bei der Wahl des neuen Fraktionsvorsitzenden habe ich mich gefreut“, kommentiert Herbert Höttl, Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion, die Neuigkeiten aus Berlin. „Ich verbinde mit der Wahl von Ralph Brinkhaus die Chance für einen Neuanfang in der politischen Diskussion.“ Er habe die Hoffnung, dass sich mit seiner Wahl auch inhaltlich einiges verändere. „Das Signal wird auch die Bundeskanzlerin zur Kenntnis nehmen müssen.“

Landrat Dr. Michael Koch sagt zur Veränderung an der Unionsspitze: „Abgeordnete sind die Seismographen für jede Regierung. Die Abwahl Volker Kauders zeigt die Unzufriedenheit an der Parteibasis.“

Andreas Rey, Vorsitzender der Bad Hersfelder CDU-Stadtverordnetenfraktion und Landtagskandidat für den Wahlkreis 11 (Hersfeld), zeigt sich überrascht über das Wahlergebnis: „Aber wenn jemand 13 Jahre Fraktionsvorsitzender ist, ist es normal, dass der Wunsch nach einer Veränderung wächst.“ Eine Schwächung der Kanzlerin sei Brinkhaus’ Wahl jedoch nicht. „Man sollte da jetzt nicht allzu viel hineininterpretieren“.

Ähnlich äußert sich Lukas Manske, Kreisvorsitzender der Jungen Union: „Die Wahl von Brinkhaus war ein demokratischer Vorgang, aber kein Richtungswechsel und auch keine Schwächung der Kanzlerin.“ Brinkhaus bringe einen neuen Stil und frischen Wind. „Das ist auch gut, um in den wichtigen Sachthemen voranzukommen.“

Rotenburgs BürgermeisterChristian Grunwald: „Ich finde es gut, wenn es bei Wahlen Alternativen gibt“. Eine Revolution gegen Merkel sieht er nicht. „Wir sollten jetzt nicht in Panik verfallen und alles über Bord werfen“. 

Rubriklistenbild: © Bernd Weissbrod/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.