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Sanierung der arsenbelasteten Grundstücke in Richelsdorf gestartet

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Von: René Dupont

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Froh, dass es endlich losgeht: Dirk Köhler (links) – Vorsitzender der Bürgerinitiative Arsen und selbst betroffen – in seinem Garten mit Reiner Kurz, dem Geschäftsführer des Fuhr- und Baggerbetriebs Kurz GmbH.
Froh, dass es endlich losgeht: Dirk Köhler (links) – Vorsitzender der Bürgerinitiative Arsen und selbst betroffen – in seinem Garten mit Reiner Kurz, dem Geschäftsführer des Fuhr- und Baggerbetriebs Kurz GmbH. © Dupont, Rene

Karla Hoffmann strahlt über das ganze Gesicht. „Wir sind froh, dass es endlich losgeht“, sagt sie. Für so manchen Richelsdorfer Grundstückseigentümer, der von der Arsenbelastung betroffen ist, waren die vergangenen sechs Jahre die Hölle. „Eine nervenaufreibende Zeit“, sagt auch Karla Hoffmann und ihr Strahlen verschwindet für einen Augenblick. Eine große Fläche um ihr Haus herum ist bereits ausgebaggert. Sie hofft, dass ihr geliebter Walnussbaum stehen bleiben darf. Dass müssen die Fachleute noch entscheiden. Von ihren großen Buchsbäumen musste sie schon Abschied nehmen.

Richelsdorf – Wie froh und dankbar Karla Hoffmann ist, dass die Sanierung endlich startet, sieht und riecht man auch auf dem Tisch in ihrem Garten. Für die Mitarbeiter der Firma Kurz ist er für die wohlverdiente Mittagspause reichlich gedeckt mit Mett-Brötchen und Bratwurst.

Die Firma Kurz hat von den Eigentümern den Auftrag erhalten, 24 private Grundstücke und vier Grundstücke der Gemeinde in Richelsdorf zu sanieren – insgesamt eine Fläche von etwa 7500 Quadratmetern. Dafür muss die Erde auf den belasteten Flächen ein halben Meter tief ausgebaggert werden. „Dabei fallen etwa 5000 Kubikmeter gelockerte Erde an“, berichtet Reiner Kurz, der Geschäftsführer des Fuhr- und Baggerbetriebs Kurz aus Nentershausen-Süß. Dann wird ein Vlies aufgebracht und die neue Erde aufgefüllt.

„Bevor wir loslegen können, kommt noch ein Vermesser und kennzeichnet die Flächen“, berichtet Kurz. Nach dem Ausbaggern überprüfen Mitarbeiter eines Ingenieurbüros, das von der Hessischen Industriemüll GmbH beauftragt ist, die Arbeiten und geben grünes Licht für das Wiederauffüllen.

Mitte September hat das Unternehmen mit den Sanierungsarbeiten begonnen. Sechs Grundstücke sind bereits ausgebaggert. Drei Bagger, zwei Lastwagen und vier Mitarbeiter hat die Firma bei diesem Projekt im Einsatz.

Etwa 550 Lkw-Ladungen belastete Erde muss der Fuhr- und Baggerbetrieb zum Zwischenlager auf die Rückstandshalde hinter dem ehemaligen Betriebsgelände der Richelsdorfer Hütte transportieren. Dort liegt bereits die stark belastete Erde des Spielplatzes und des Minigolfplatzes. Ebenso viele Lkw-Ladungen an neuer Erde holt die Firma aus dem Gewerbegebiet Hönebach, die dort nicht mehr gebraucht wird.

Die Bagger-Führer müssen vorsichtig vorgehen. Oft liegen Versorgungsleitungen für Strom oder Wasser in der Erde und nicht alle sind den Eigentümer bekannt.

Der Bach Weihe hat die giftige Fracht in den Ort gespült. In den betroffenen Gärten wird der Boden einen halben Meter tief ausgebaggert (Foto). Manche Teilflächen in diesen Gärten sind auch gar nicht oder nur sehr gering mit Arsen belastet. Sie müssen nicht abgetragen werden.
Der Bach Weihe hat die giftige Fracht in den Ort gespült. In den betroffenen Gärten wird der Boden einen halben Meter tief ausgebaggert (Foto). Manche Teilflächen in diesen Gärten sind auch gar nicht oder nur sehr gering mit Arsen belastet. Sie müssen nicht abgetragen werden. © rené dupont

Für den Austausch des Bodens und das Verlegen des Vlieses werden die privaten Eigentümer nichts bezahlen müssen. Das wird mit Geld vom Landkreis und der Gemeinde Wildeck finanziert. Das Land Hessen hat unter anderem zugesagt, dass die Eigentümer den belasteten Boden kostenlos auf der Halde entsorgen können. Kurz rechnet bislang auch nur mit „geringen Mehrkosten“, die zum Beispiel durch unerwartete Leitungsfunde entstehen.

Das größte Problem der Baggerarbeiten aber ist das Wetter. „Wegen starker Regenfälle konnten wir bereits an vier Tagen nicht arbeiten“, berichtet Kurz. Wenn der Boden aufgeweicht ist, ist die Gefahr zu groß, dass die Bagger stecken bleiben. „Wenn wir im Sommer hätten anfangen können, wären die Bedingungen ideal gewesen. Ich wäre froh, wenn wir in diesem Jahr zehn bis zwölf Grundstücke fertig bekommen würden“, betont Kurz.

„Wir alle hätten uns gewünscht, dass die Sanierung schon im Sommer hätte starten können“, sagt auch Wildecks Bürgermeister Alexander Wirth. „Ich hoffe aber, dass das alles hier bis zum Sommer beendet ist und wir dann endlich einen Strich drunter ziehen können.“

In Karla Hoffmanns Garten wird die neue Erde schon bald aufgefüllt. Andere Richelsdorfer müssen noch warten. Jetzt vor dem Winter will Karla Hoffmann aber den neuen Rasen auf der großen Fläche nicht mehr säen. „Das mache ich dann im Frühjahr“, sagt sie.

Und Reiner Kurz ist zuversichtlich, dass die Sanierungsarbeiten bis Mitte 2023 abgeschlossen sein werden.

Es wird also noch ein paar Monate dauern, bis Richelsdorf wieder das ist, was es einmal war – einfach ein liebenswertes Dorf.

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