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Schandfleck: Alte Kreisferienstätte in Meeschendorf verwahrlost

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Von: Clemens Herwig

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Leinwand für „Graffiti-Kunst“: Die besprühten Gebäude der ehemaligen Kreisferienstätte auf Fehmarn sind auch von der Strandpromenade aus gut zu sehen.
Leinwand für „Graffiti-Kunst“: Die besprühten Gebäude der ehemaligen Kreisferienstätte auf Fehmarn sind auch von der Strandpromenade aus gut zu sehen. © Reinhard Gamon/Fehmarnsches Tageblatt

Die ehemalige Ferienanlage des Landkreises in Meeschendorf auf Fehmarn entwickelt sich immer mehr zu einem Schandfleck am Strand der Ostseeinsel.

Hersfeld-Rotenburg/Fehmarn – Das Gelände, einst im Kreistag als Cremeschnittchen gepriesen, ist zugewachsen. Die Decke im Speisesaal ist seit Jahren beschädigt und nie repariert worden. Nun haben auch Graffiti-Sprayer die Hauswände der leer stehenden Gebäude als Leinwand für ihre „Kunst“ entdeckt.

Das Unternehmen Jufa Hotels wollte in Meeschendorf ursprünglich ein Familienhotel bauen und hat dafür im Juni 2019 einen Erbpachtvertrag über 75 Jahre mit dem Landkreis geschlossen. Die bestehende Anlage liegt seit Anfang 2020 brach, an einem Weiterbetrieb hatte die Hotelgruppe aus Österreich kein Interesse.

Meeschendorf: Für mehrere Jahre droht eine Bauruine

Hersfeld-Rotenburg streicht für seine ehemalige Ferienstätte, die vor der Verpachtung an Jufa in zehn Jahren ein Defizit von 650 000 Euro sowie einen Investitionsbedarf von mindestens drei Millionen Euro angehäuft hatte, jährlich rund 70 000 Euro Erbbauzins ein – unabhängig davon, ob das Gelände entwickelt wird.

Denn das könnte noch dauern: Die Pläne von Jufa scheiterten im April des vergangenen Jahres an einem Bürgerentscheid auf Fehmarn, seitdem sind die Österreicher auf der Suche nach Alternativen. Weil mittlerweile in einem 150 Meter breiten Streifen an der Küste ein uneingeschränktes Bauverbot für neue Hotels gilt, ist auch der verfügbare Platz auf dem Kreisgrundstück geschrumpft.

Jufa-Chef Gerhard Wendl hatte im Interview mit unserer Zeitung schon vor dem Bürgerentscheid davor gewarnt, dass Meeschendorf für mehrere Jahre eine Bauruine drohe, sollten die Fehmaraner das Familienhotel ablehnen.

Unmut nicht nur auf Fehmarn: Auch viele Hersfeld-Rotenburger beschweren sich

Das ist nun eingetreten, was nicht nur auf Fehmarn für Unmut sorgt. Auch mehrere Kreisbewohner hatten sich jüngst nach Besuchen in Meeschendorf gegenüber unserer Zeitung über den Zustand der Anlage beklagt.

Viele Hersfeld-Rotenburger verbinden mit der als Zeltlager gestarteten Ferienstätte schöne Erinnerungen – die Diskussion über den zunächst geplanten Verkauf (Gebot: 2,18 Millionen Euro) und dann die Verpachtung der letzten verbliebenen Kreisanlage war daher durchaus emotional geführt worden.

Persönliche Bedeutung: Mann aus Friedewald war erschrocken

Auch Carsten Mawick aus Friedewald war jetzt beim Anblick der Anlage „erschrocken“. Für Mawick hat Meeschendorf eine ganz persönliche Bedeutung: Vor zwölf Jahren erlitt er auf der Strandpromenade an der Ferienstätte einen Schlaganfall, überlebte nur, weil ihm schnell geholfen wurde. Seitdem besucht er die Ostseeinsel einmal im Jahr.

Am Sonntag standen er und seine Frau am Ort des Unfalls. „Strand toll, Wetter toll – und dann dreht man sich um und sieht eine Fläche in wunderschöner Lage, die vergammelt“, sagt er. Die Erholungsstätte sei auch ein Schandfleck für den Landkreis.

Am Bestand hat Jufa Hotels kein Interesse: Das Gelände und die Gebäude in Meeschendorf liegen seit Anfang 2020 mehr oder weniger brach.
Am Bestand hat Jufa Hotels kein Interesse: Das Gelände und die Gebäude in Meeschendorf liegen seit Anfang 2020 mehr oder weniger brach. © Privat

Pläne für Meeschendorf: Jufa Hotels bekommt mehr Zeit

Der setzt weiterhin auf eine Partnerschaft mit Jufa. Der Kreisausschuss hat im Januar die Rücktrittsfrist vom Erbpachtvertrag für das Unternehmen um gut eineinhalb Jahre bis zum Herbst 2023 verlängert. Jufa Hotels soll so mehr Zeit für neue Pläne verschafft werden. Es gebe bei den Österreichern weiterhin ein großes Interesse an der Standortentwicklung, so der Eindruck von Landrat Torsten Warnecke (SPD) aus regelmäßigen Gesprächen.

Jufa sei auch im Austausch mit den Entscheidern auf der Ostseeinsel und den Ministerien in Schleswig-Holstein. Fehmarns Bürgermeister Jörg Weber hatte bereits Anfang des Jahres betont, die Politik der Ostseeinsel stehe Hotelbetten offen gegenüber.

Übrigens: Sollte Jufa einen Rückzieher vom Erbpachtvertrag machen, ohne ein neues Hotel zu bauen, haften die Österreicher im Falle einer „mangelhaften Unterhaltung“ für die Schäden an der Anlage, heißt es auf Anfrage aus dem Landratsamt. (Clemens Herwig)

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