Alle Hände voll zu tun

Schenklengsfelds Bürgermeister im Sommerinterview

Viel zu tun: Wegen zahlreicher offener Baustellen in der Gemeinde verzichtet Schenklengsfelds Bürgermeister Carl Christoph Möller auf Sommerurlaub. Die Markierungen auf dem Pflaster vor der historischen Linde zeugen von einem Ortstermin, bei dem die Neuordnung der Parkplätze getestet wurde.
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Viel zu tun: Wegen zahlreicher offener Baustellen in der Gemeinde verzichtet Schenklengsfelds Bürgermeister Carl Christoph Möller auf Sommerurlaub. Die Markierungen auf dem Pflaster vor der historischen Linde zeugen von einem Ortstermin, bei dem die Neuordnung der Parkplätze getestet wurde.

Schenklengsfelds Bürgermeister Carl Christoph Möller spricht im Interview über Finanzen, Gewerbegebiet und Arbeitsbelastung

Die 1000-jährige Linde ist das Wahrzeichen von Schenklengsfeld und hat gerade ein neues Stützgerüst erhalten. Die gebeutelte Gemeinde selbst müsse hingegen ohne fremde Hilfe auf die Beine kommen, betont Bürgermeister Carl Christoph Möller im Sommerinterview mit unserer Zeitung.

Können Sie bei den vielen offenen Baustellen in Schenklengsfeld überhaupt eine Sommerpause einlegen?

Nein. Ich arbeite hier jeden Tag bis zur totalen Erschöpfung, bis ich wirklich nicht mehr kann.

Die Bürgerliste hat Ihnen Anfang des Jahres mangelndes Zeitmanagement vorgeworfen. Ist womöglich Ihre Arbeitsweise das Problem?

Das Problem ist nicht die Arbeitsweise, sondern die Aufgaben, die hier noch anstehen. Wir müssen die Vergangenheit aufarbeiten, aber auch stark in die Zukunft ziehen. Das ist eine klare Doppelbelastung. Von einzelnen Akteuren, die den Ausgang der Bürgermeisterwahl nicht verwunden haben, Steine in den Weg gelegt zu bekommen, macht es nicht einfacher.

Dennoch hakt es offenbar: Die Aufhebung des Interessensbekundungsverfahrens fürs Rathaus nicht fristgerecht veröffentlicht und der Ortstermin für die Lindenplatz-Umgestaltung hat lange auf sich warten lassen. Haben Sie Ihre Verwaltung nicht im Griff?

Ich habe die Verwaltung sehr gut im Griff. Wir müssen allerdings Prioritäten setzen, damit kein Fördergeld verbrennt. Entsprechend beansprucht ist unsere Bauabteilung. Die Zeit fehlt uns für andere Dinge.

Ihrem Vorgänger haben Sie Untreue vorgeworfen, zudem soll ein für den Kanalbau bestimmter Kredit von 600 000 Euro zweckentfremdet worden sein. Haben sich die Vorwürfe bestätigt?

Um die Strafe zu umgehen, konnten wir zum Glück die Förderung auf eine Ersatzmaßnahme umlegen. Das war aber nicht die einzige Zweckentfremdung. Das Land Hessen hat Fördergeld für Kanalbauprojekte zur Verfügung gestellt, die die Gemeinde bis 2012 hätte abschließen müssen. Die Kanäle wurden aber nur zu einem geringen Teil gebaut. Wir werden diese Bauprojekte jetzt 2021 abschließen. In den nächsten vier Jahren müssen wir 16 Millionen Euro im Abwasserbereich investieren. Nicht alles davon ist landesfinanziert, weil teilweise vergessen wurde, Maßnahmen für eine Förderung anzumelden.

Die Kritik an Ihrem Vorgänger wird Sie nicht über die gesamte Amtszeit tragen. Wäre es nicht Zeit für eigene Erfolge?

Viele Projekte sind in Arbeit, aber es geht nun mal nicht alles von heute auf morgen. Es wurde ein neuer Betreiber für die Tagespflege gefunden. Wir arbeiten gerade an der Abwasser-Druckleitung von Wippershain nach Hauneck. Die Entscheidung über die Kläranlage in Malkomes steht ebenfalls bevor. Wir haben einen Leitfaden für die landesfinanzierten Baumaßnahmen erstellt und auch bei der Gewerbeansiedlung sind wir auf einem guten Weg. Beim Radweg nach Eiterfeld sparen wir rund 295 000 Euro, weil wir festgestellt haben, dass hier das Land in der Pflicht ist.

Ist das finanzielle Risiko für die geplante Reaktivierung der Kreisbahnstrecke nicht zwei Nummern zu groß für Schenklengsfeld?

Nein. Wir konnten einen Interessenten gewinnen, der einen Betreibervertrag mit uns abschließen will. Das ist vergleichbar mit dem Schwimmbad, das ebenfalls ein Pächter für uns verwaltet. Das Unternehmen hat Erfahrung in diesem Bereich und ist der Auffassung, dass wir 90 oder sogar 100 Prozent Förderung erhalten können, weil wir auch einen Staatsbetrieb als Nutzer ansiedeln wollen. Über die beförderte Tonnage würde die Strecke sich finanziell selbst tragen. Weil wir mit dem Bahnanschluss geworben haben, konnten wir eine weitere Firma begeistern, die Arbeitsplätze im dreistelligen Bereich schaffen will.

Warum halten Sie mit den Namen dieser Unternehmen bislang hinterm Berg?

Die Namen werden wir erst veröffentlichen, wenn die Verträge unterschrieben sind, weil die Firmen das vorher nicht wollen.

Wie konnten beim Grundstückskauf durch die Hessische Landgesellschaft (HLG) zwei für das Gewerbegebiet benötigte Flächen vergessen werden?

Das verstehe ich auch nicht. Ich warte auf die Stellungnahme der HLG. Wir hatten explizit beauftragt, auch diese Grundstücke zu erwerben.

Für Erstaunen haben die Überlegungen für ein Gewerbegebiet mit Autobahnanschluss gesorgt. Wo liegt dieses Filetstück und warum wurde es bislang übersehen?

Das ist eine gute Frage. Es ist eben schlecht, wenn man die eigenen Gemarkungsgrenzen nicht kennt. Es handelt sich um offenkundig beste Gewerbeflächen an der Autobahn, 801 Meter von der Auffahrt entfernt. Sobald die Machbarkeitsstudie vorliegt, gebe ich bekannt, wo sich diese genau befinden.

Wie geht es mit der Kläranlage in Malkomes weiter?

Wir bereiten für die Mandatsträger gerade den Kostenvergleich zwischen einer Druckleitung nach Bad Hersfeld und der Sanierung der eigenen Anlage vor, um am Ende die Belastung für die Bürger so gering wie möglich zu halten.

Wie ist der aktuelle Sachstand beim Rathaus?

Das bestehende Rathaus zu sanieren, ist und war nie finanziell machbar. Mit gefällt der Vorschlag der SPD sehr gut, ein Multifunktionsgebäude für Rathaus, Bauhof, Feuerwehr und eventuell das Rote Kreuz zu schaffen. Man könnte es wahrscheinlich für den Preis errichten, den alleine die Sanierung des bestehenden Rathauses gekostet hätte. Die Sanierung von Feuerwehr und Bauhof stünden dann aber noch aus.

Der vom Gemeindeparlament mehrheitlich beschlossene Vorstoß für eine Gemeindefusion stößt bei Ihnen nicht auf Gegenliebe. Was spricht dagegen?

Alle anderen Gemeinden haben ihre Hausaufgaben gemacht. Die Bürger mussten dafür teilweise große Einschnitte hinnehmen. Wir haben dagegen einen Investitionsbedarf von rund 40 Millionen Euro unerledigter Altlasten Euro. Es wäre unfair, unsere Nachbarn für unsere Versäumnisse zur Kasse zu bitten. Wenn wir unsere Hausaufgaben gemacht haben und sauber dastehen, kann man darüber diskutieren.

Wie wollen Sie diese gewaltige Summe aufbringen?

Unsere einzige Chance ist, diese Summe über Einnahmen aus den geplanten Gewerbegebieten abzustottern. Nachdem wir uns selbst in diese Lage gebracht haben, können wir wohl nicht auf das Land Hessen hoffen. Wir müssen uns also am eigenen Schopf aus der Misere ziehen.

Wie wirkt sich die Corona-Pandemie auf Ihren Arbeitsalltag aus?

Wir bekommen ständig neue Verordnungen vom Land Hessen, die wir parallel zum Tagesgeschäft umsetzen müssen. Meine Mitarbeiter arbeiten bis zum Anschlag im tiefroten Bereich.

Und wie sieht es bei Ihnen privat aus – haben Sie Urlaubspläne oder bleiben Sie in der aktuellen Lage lieber in der Heimat?

Mein Urlaub findet im Büro statt.

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