Sanierung ist abgeschlossen

Schlossruine Blumenstein im Wildecker Tal: Land Hessen rettet wichtiges Denkmal

Selbst bei ungemütlichem Wetter wandert Inken Thenert aus Obersuhl gern zur Schlossruine Blumenstein und legt dort ein Päuschen mit heißem Kaffee ein. Unser Foto entstand vor dem Wintereinbruch im Landkreis.
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Selbst bei ungemütlichem Wetter wandert Inken Thenert aus Obersuhl gern zur Schlossruine Blumenstein und legt dort ein Päuschen mit heißem Kaffee ein. Unser Foto entstand vor dem Wintereinbruch im Landkreis.

Nach fünf Jahren ist die Sanierung der Schlossruine Blumenstein am Berghang des Wildecker Tals abgeschlossen. 270 000 Euro hat das Land Hessen bezahlt - für ein wichtiges Denkmal.

Wildeck - Vor dem Verfall gerettet und für künftige Generationen erhalten wurde ein wichtiges bauliches Zeugnis und Kulturdenkmal der hessischen Geschichte. Was man sich heute kaum noch vorstellen kann: Das historische Wildecker Tal hat man früher hessisches Sanssouci getauft – eine Landschaft voller Gärten, Pavillons, einem Schloss im Tal und einer Burg und einem Schloss auf dem Berg – zum Lustwandeln für die Landgrafen von Hessen-Rotenburg und ihr Gefolge.

Das Jagdschloss Blumenstein auf dem Berg ist 1727 erbaut worden. Von der noblen Unterkunft haben sich zwar nur die Grundmauern, Kellergewölbe und der charakteristische Torbogen gegen den Untergang stemmen können. Aber die Reste des alten Gemäuers versprühen einen eigenwilligen Charme, der nicht für immer verloren gehen sollte.

Liebevoll gestalteter Rundweg

Das Wildecker Tal ist immer einen Besuch wert. Besonders schön ist es dort in der Zeit vom Frühjahr bis zum Spätherbst. Wer von Hönebach nach Bosserode fährt, muss bei Raßdorf links abbiegen. Schon am Eingang des Tals wird der Besucher von einer Infotafel mit einer abgebildeten Prinzessin empfangen. Auf einem Rundweg erzählt sie liebevoll und unterhaltsam die Geschichte des Tals auf sieben Tafeln.

Die Sanierungsarbeiten wurden Ende 2020 abgeschlossen. Zuletzt sanierte die Firma Sosa noch das Mauerwerk des Aufgangs zur Burg und erledigte Restarbeiten an den Kellergewölben. Das berichtet Volker Neumann vom Forstamt Rotenburg. Hessen Forst ist Eigentümer der Fläche.

Förderverein plant Gesamtkonzept für alle „Hotspots“ des Tals

Damit die Besucher die sanierte Schlossruine ungefährdet erkunden können, muss an mehreren Stellen noch ein Zaun aufgestellt werden. Für die Verkehrssicherheit ist Hessen Forst verantwortlich. Um einen Absturz zu verhindern, werden die Mitarbeiter von Hessen Forst im Frühjahr am Aufgang zur Burg auf der rechten Seite einen Handlauf anbringen, berichtet Volker Neumann. Eine Absturzsicherung soll es auch im Burghof auf der rechten und hinteren Seite geben. Mit einem Zaun gesichert wird auch das Kellergewölbe.

Für das historische Wildecker Tal gibt es noch weitere Pläne. „Eines unserer Ziele ist, ein Gesamtkonzept zu erstellen, das alle Hotspots des Tals mit Inselsteich, Obelisk, Lindenallee und Ruine Blumenstein umfasst“, betont Alexander Wirth, der Vorsitzende des Fördervereins Historisches Wildecker Tal.

Sanierer suchten die Herausforderung - und wurden fündig

„Probleme gab es keine, Herausforderungen schon. Ehrlich gesagt suchen wir die aber auch.“ Steffen Hummitzsch, der Geschäftsführer der Sanierungsfirma Sosa Service aus dem thüringischen Werther (Kreis Nordhausen) ist immer auch ein bisschen stolz, wenn ein Projekt abgeschlossen ist. Das ist bei der Schlossruine Blumenstein oberhalb des Wildecker Tals nach fünf Jahren Arbeit jetzt der Fall.

Bei der Sanierung der Ruine ging es richtig zur Sache: An vielen Stellen war die Mauer brüchig. Lose Steine mussten zunächst entfernt werden. Im Hintergrund der charakteristische Torbogen der Schlossruine Blumenstein zu sehen.

Die Firma hat sich spezialisiert auf das Wiederherstellen alter Gemäuer nach historischem Vorbild. Ihr Job ist eine Mischung aus komplexer Fachkenntnis, schweißtreibender Handarbeit mit mächtigen Steinblöcken und auch mal spannender Entdeckungsreise. Hummitzsch nennt es ein „anspruchsvolles Spiel mit der Natur“ – möglichst viel zu erhalten und wieder standsicher zu machen.

„Spannend wurde es zum Beispiel, als wir an einigen Stellen völlig unerwartet die historischen Mauern der Burg wiederfanden, auf denen dann später das Jagdschloss Blumenstein gebaut wurde“, berichtet Hummitzsch. Von den insgesamt fünf Mitarbeitern der Firma waren bei der Schlossruine vier vor Ort – der Chef eingeschlossen.

Links verwitter, rechts verwurzelt: Viel Arbeit in der Auffahrt

Im Jahr 2020 erneuerten die Fachkräfte die linke und rechte Seite der ehemaligen Auffahrt. Die Steine der linken Auffahrt waren teilweise völlig verwittert. Diese Seite musste komplett zurückgebaut und wieder aufgemauert werden. Auf der rechten Seite bestand das Problem, dass eine etwa 100 Jahre alte Buche ihre starken Wurzeln mitten durch die gesamte Mauer trieb. „Diese Buche galt es zu erhalten und die Mauer so zu rekonstruieren, dass beides, Auffahrt und Buche, erhalten werden können“, berichtet Hummitzsch.

Problem gelöst: An einer Stelle konnten die Profis die Mauer und eine Buche retten, die ihre Wurzeln mitten durch das Mauerwerk getrieben hatte. Während der Arbeiten mussten immer wieder auch mächtige Steine von Hand bewegt werden.

Der Zeitraum von 2016 bis 2020 war für die Arbeiten so geplant. „Wir haben von Anfang an gewusst, dass das Arbeiten nach der chinesischen Methode – also viele Arbeitskräfte oder mit einem gewaltigen Arsenal von Technik – hier nicht zielführend sein würde“, betont Hummitzsch.

Wichtig sei auch die gute Zusammenarbeit mit dem Auftraggeber Hessen Forst, dem Förderverein des Wildecker Tals, dem beteiligten Ingenieurbüro und dem Landesamt für Denkmalpflege gewesen.

Corona-Krise machte sich auch bei Sanierung der Burgruine bemerkbar

Die Corona-Krise „erwischte“ die Sanierungsfirma ebenso wie alle Unternehmen. „Teilweise waren nur noch zwei Arbeiter in einem Auto erlaubt. Deshalb mussten wir einen Transporter zusätzlich anmieten. Die Kosten dafür hatte ich als Unternehmer zu tragen“, betont Hummitzsch. „Außerdem waren die Vermieter in der Region angehalten, nur noch zwei Arbeiter in ihren Unterkünften wohnen zu lassen, was ebenfalls zu Mehrkosten für mich führte. Mieten wurden erhöht und ich brauchte mehr Unterkünfte.“

Auch das Kellergewölbe der Schlossruine konnte für die Nachwelt erhalten werden.

Sosa Service versucht auch immer, Firmen oder Baustoffe der jeweiligen Region einzubinden. „So wurden für die Ruine Blumenstein nur Steine aus dem Steinbruch Friedewald verbaut, für landschaftstechnische Fragen der Familienbetrieb Renner aus Hönebach hinzugezogen“, betont der Geschäftsführer.

Die Firma Sosa Service ist in der Region und den Nachbarkreisen seit vielen Jahren aktiv. Zu den zahlreichen Projekten gehören die Tannenburg bei Nentershausen (2006 bis 2018) und Teilstücke der Stadtmauer in Bad Hersfeld (2018 und 2020).

Am Projekt Wildecker Tal sind viele helfende Hände beteiligt

Das Geld für die Sanierung der Schlossruine Blumenstein kommt vom Land Hessen. Dass das faszinierende Projekt Wildecker Tal – zu dem auch die Sanierung der Ruine gehört – funktioniert, dazu aber tragen Viele bei.

„Sehr glücklich und auch stolz“ zeigt sich Bürgermeister Alexander Wirth über die Wildecker-Tal-Symbiose zwischen Hessen Forst, Förderverein Wildecker Tal (WiTa) und Gemeinde Wildeck. Wirth ist auch Vorsitzender des Fördervereins. „Gemeinsam haben wir dort in den vergangenen Jahren viel erreicht. Während das Land Hessen mit einer beträchtlichen Summe die Sanierung der vorhandenen Schlossmauer gestemmt hat, konnten wir mit dem Verein die Arbeiten durch Grünschnitt und Anlagenpflege vorbereiten.“

Die Gemeinde habe auch Sitzgelegenheiten auf der Ruine und im gesamten Wildecker Tal geschaffen und damit sehr schöne Rastplätze für Wanderer.

Zweischneidiges „Schwert der Attraktivität“: Zahl der Gäste im Tal steigt enorm

In Zukunft wird es auch wieder eine prachtvolle Allee im Wildecker Tal geben. 90 Säuleneichen wurden vor etwa einem Jahr gepflanzt – eine Aktion von K+S und Gilbert Schindler, der im Wildecker Tal wohnt. „Auch die Idee und Umsetzung der Feen-Häuser von Lissy Linss aus Hönebach sind ein Magnet für die vielen Besucher des Wildecker Tals“, berichtet Wirth. Die Möglichkeit, sich auf der Liebesinsel am Inselsteich trauen zu lassen, erfreue sich enormer kreisweiter Beliebtheit.

Ein Bild aus vergangenen Tagen: Das Jagdschloss Blumenstein ist 1727 erbaut worden.

„Aber auch dieses Schwert der Attraktivität ist zweischneidig. Inzwischen hat sich die Zahl der Gäste im Wildecker Tal enorm vergrößert“, betont Wirth. Er bittet Besucher darum, sich als Naturfreunde zu zeigen und die besuchten Plätze so zu verlassen, wie man sie vorgefunden hat. „Der Förderverein WiTa wird auch weiterhin, sofern es personell und mit der aktuellen Situation vereinbar ist, für die Pflege des Tals und der Ruine einstehen“, verspricht der Vorsitzende.

Der Verein strebt außerdem an, ein Gesamtkonzept für das Wildecker Tal zu erstellen und die Attraktivität weiter zu steigern. Dazu gehört auch die Ausweisung von Wander- und Radwegen. Über jegliche Unterstützung ist der Verein dankbar.

Es gibt auch noch weitere Pläne für das Tal. So soll der Zaun am Waldfriedhof erneuert werden, berichtet Volker Neumann vom Forstamt Rotenburg. Geplant sei auch die Sanierung des Inselteiches. Dort soll ein Umlaufgerinne dafür sorgen, dass der Teich nicht weiter verlandet. Im Gespräch bleibt die Lindenallee. Dabei gibt es aber noch unterschiedliche Meinungen, wie mit den überalterten Linden umgegangen werden soll. Die meisten Bäume gehören Privateigentümern. „Aus naturschutzfachlicher Sicht versuchen wir zusammen mit der Nabu-Gruppe aus Wildeck den Suhlbach naturnah zu gestalten und die Durchgängigkeit des Gewässers wieder herzustellen“, berichtet Volker Neumann. (René Dupont)

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