Seit 60 Jahren sein Hobby

Schmetterlinge zählen für die Forschung: Bernd Kandziora beobachtet heimische Tagfalter-Arten

Das sitzt ja ein Admiral: Bernd Kandziora zählt in seiner Freizeit Tagfalter. Nahe seines Wohnorts läuft er während des Monitorings einmal pro Woche ein sogenanntes Linientransekt ab.
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Das sitzt ja ein Admiral: Bernd Kandziora zählt in seiner Freizeit Tagfalter. Nahe seines Wohnorts läuft er während des Monitorings einmal pro Woche ein sogenanntes Linientransekt ab.

Bernd Kandziora aus Ronshausen ist ein großer Schmetterlingfan. Vor allem Tagfalter haben es dem 70-Jährigen angetan. Angefangen hat alles 1962 bei einem Ausflug im Wald. Seitdem lässt ihn das Hobby nicht mehr los.

Fangen, präparieren, aufspießen: Auch er hat so einmal angefangen wie viele andere Falter-Freunde. Konserviert hält sich Kandziora die Schmetterlinge heute aber nicht mehr. Dafür schwirren jetzt ungezählte Admirale, schwarz-rote Falter, zwischen den Weintrauben in seinem Garten hin und her. „Die gären gerade und das lockt die Falter an“, sagt Kandziora zufrieden.

Sie fliegen auf Trauben: Die Admirale finden in Bernd Kandzioras Garten reichlich Nahrung.

Fürs Fangen benötigte er einst eine Genehmigung vom Forstamt – für sein heutiges Hobby dagegen vor allem Durchhaltevermögen. Kandziora ist in Waldhessen der einzige Beteiligte beim Tagfalter-Monitoring-Projekt des Helmholtz-Instituts. In ganz Deutschland beteiligen sich etwa 500 Freiwillige daran. In Hessen ungefähr 30.

Beim Monitoring läuft Kandziora eine Strecke am Hornbach nahe seines Wohnorts ab und zählt die Tagfalter, die sich dort in einem sogenannten Linientransekt aufhalten (siehe Hintergrund). Das Transekt gleicht einem fünf mal fünf Meter großen Tunnel, der 50 Meter lang ist. Ausgedacht haben sich dieses Zählverfahren britische Forscher in den 1970er-Jahren.

Der Ronshäuser ist seit 2013 als Zähler beim Helmholtz-Institut registriert. Davor hat er die Tagfalter gezüchtet und gefangen. Die Entnahme von einzelnen Faltern sei unbedenklich, da sich die Falter ausreichend fortpflanzen und ihren Bestand bei Entnahme ohnehin regulieren würden. Viel gravierender sei der Einfluss der industriellen Landwirtschaft aufs gesamte Ökosystem.

Auf seiner Strecke hat er in den vergangenen acht Jahren bereits 49 unterschiedliche Arten gefunden. 184 Tagfalterarten gibt es insgesamt. Bei 177 Begehungen ist er nach eigener Berechnung rund 160 Kilometer gelaufen.

„Das Tagfalter-Monitoring findet von April bis Ende September statt“, sagt er. Die Teilnehmer gehen ihr Linientransekt in dieser Zeit einmal pro Woche ab. Die Helmholtz-Forscher können anhand der erhobenen Daten dann ergründen, welche Arten sich wie verbreiten und welche wo einwandern.

Dass er in seiner Region bislang keine Mitstreiter gefunden hat, bedauert Bernd Kandziora. „Die Verteilung der Freiwilligen in Hessen ist erschreckend. Die meisten Transekte gibt es im südhessischen Raum“, sagt er. „Dass es hier so wenig Interesse gibt, hängt wohl damit zusammen, dass die Leute glauben, die Natur sei hier noch intakt.“ Das Projekt lebe jedoch von jedem Einzelnen, der sich beteiligt. „Je mehr Daten zur Verfügung stehen, desto besser.“

Der Schmetterlingszähler kann sich vorstellen, dass auch Gruppen – etwa Lehrer mit ihren Schulklassen oder Vereine – Spaß am Tagfalter-Monitoring finden. Als Ansprechpartner steht er zur Verfügung. Vom Helmholtz-Institut gibt es dazu reichlich Informationsmaterial. Kontakt: Bernd Kandziora, Tel. 0 66 22/4 15 72, oder per E-Mail kandzioras@t-online.de

Kurz erklärt: Linientransekt

Tierbestände lassen sich unterschiedlich ermitteln. Während man bei großen, scheuen Tieren wie Wildkatzen oft Kamerafallen aufhängt, greifen Schmetterlingszähler auf sogenannte Linientransekte zurück. Dabei laufen die Forscher an vorher bestimmten Linien entlang und notieren sich dabei, welche und wie viele Schmetterlinge sie gesehen haben. Aus diesen Daten lässt sich dann abschätzen, wie viele dieser Tiere es innerhalb eines Gebietes gibt.

Von Paul Bröker

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