Schule im Lockdown: Teil 2

„Machen das Beste aus der Situation“: Besuch in der Kreuzbergschule Philippsthal

In der Grundschule in Philippsthal werden die Kinder vormittags von Lehrkräften bei den Aufgaben unterstützt. Nachmittags sind Betreuerinnen für sie da und sie haben Zeit zum Spielen. Eine Maskenpflicht gibt es im Unterricht nicht.
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In der Grundschule in Philippsthal werden die Kinder vormittags von Lehrkräften bei den Aufgaben unterstützt. Nachmittags sind Betreuerinnen für sie da und sie haben Zeit zum Spielen. Eine Maskenpflicht gibt es im Unterricht nicht.

Die Schule hat wieder begonnen – eigentlich. Wer geht trotz Corona in die Schule und wer bleibt zuhause? Wir begleiten den ungewöhnlichen Schulalltag.

Philippsthal – Überaus still ist es auf den Fluren der Kreuzbergschule in Philippsthal. Kein Wunder, denn wo sich sonst 132 Grundschüler tummeln, sind im Moment täglich nur 15 bis 20 Kinder vor Ort. „Wir sind eine Ganztagsschule. 50 bis 60 Kinder besuchen eigentlich auch nachmittags verschiedene Arbeitsgemeinschaften“, sagt Schulleiterin Andrea Linhos. „Das geht wegen Corona leider nicht.“

Die Kinder können derzeit von 7.30 Uhr bis 15.30 Uhr in der Schule betreut werden. Alle Kinder, egal ob zuhause oder in der Schule, arbeiten nach einem Wochenplan. „Vormittags werden die Schulaufgaben erledigt.“ In dieser Zeit sind Lehrer in der Schule anwesend, die den Kindern bei ihren Aufgaben helfen. „Nachmittags ist dann Zeit zum Spielen. Auch machen wir zusammen Frühstücks- und Bewegungspausen“, sagt Linhos. Auf regelmäßiges Durchlüften legt die Schule wert. In dieser Zeit werden die Masken kurz abgenommen. Eine generelle Maskenpflicht gibt es zwar nicht. „Die meisten unserer Schüler lassen die Masken aber von sich aus auf.“

So auch die beiden Schüler Luca und Ben. Das Lernen mit Maske macht ihnen nichts mehr aus. „Ich gehe auf jeden Fall lieber zur Schule. Hier kann ich die Lehrer fragen, wenn ich etwas nicht verstehe. Meine Freunde sind auch hier, und wir können zusammen spielen“, sagt Ben aus der dritten Klasse. Mit ihm im Raum sitzen Grundschüler der ersten bis vierten Jahrgangsstufe. Viertklässler Luca sagt: „Ich mache meine Aufgaben und dann habe ich zuhause freie Zeit. Und in der Pause spiele ich Fußball mit den anderen.“

Schulleiterin Andrea Linhos vor dem Plan der ersten Klasse, erstellt von Kirsten Zulauf und Heike Macheledt.

Die Eltern haben die Möglichkeit, die Aufgaben der Kinder entweder im Internet herunterzuladen oder in Papierform in der Schule abzuholen. „Wir verzichten dabei auf feste Abholzeiten. Die Eltern begegnen sich so kaum“, sagt Linhos. Ebenso können erledigte Aufgaben wieder im Internet hochgeladen oder aber von den Eltern in die Schule gebracht werden. Die Lehrer melden sich bei den Schülern entweder per Telefon oder über die Online-Plattform. Manchmal laden sie hier die Lösungsblätter hoch oder korrigieren die Übungen der Kinder. „Die Klassenlehrer stehen auch per Video mit den Schülern und Eltern in Kontakt. Ich bin stolz auf mein ganzes Team. Wir machen das Beste aus der Situation“, sagt die Schulleiterin.

Dass sich die Lehrer wirklich bemühen, sieht auch Christine Steffen so, die gerade die Aufgaben für ihre Kinder abholt. Sie ist Mutter von gleich drei Grundschülern. „Es stellt dennoch eine deutliche Mehrarbeit dar. Meine Kinder sind vier Tage pro Woche in der Schule. Montags habe ich frei, da lernen sie zuhause“, erzählt sie. „Die Menge der Aufgaben ist schaffbar. Mit drei Kindern ist der Distanz-unterricht allerdings sehr schwierig.“ Ihre Kinder lernen in getrennten Räumen, um sich nicht gegenseitig abzulenken – anders als in der Schule, wo Kinder aller Klassenstufen in einem Raum sitzen. Die Betreuung zuhause ist also eine Herausforderung.

Das Begleiten der Kinder beim Lernen ist laut Linhos in den ersten Klassenstufen besonders wichtig: „Das Lesen- und Schreibenlernen darf durch die Situation nicht vernachlässigt werden.“ Damit die Kinder bei Laune bleiben, haben die Schüler online Zugriff auf Lernplattformen. Besonders freut sich Linhos über den Austausch, der dadurch zwischen Kindern, Eltern und Lehrern entsteht. „Zum Beispiel hier im Portal der ersten Klasse haben Schüler Bilder von ihren Schneemännern hochgeladen.“ Eine bunte Abwechslung in der trüben Corona-Zeit.

Im ersten Teil unserer Schulserie haben wir eine Grundschülerin aus Obersuhl besucht, die in der Corona-Zeit zu Hause ihre Schulaufgaben erledigt. Oder auch mal im Blumenladen.

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