Schule im Lockdown: Teil 1

Obersuhler Grundschülerin erledigt ihre Aufgaben zu Hause – und im Blumenladen

Schulaufgaben in Omas Küche: Die zehnjährige Matilda Schäfer lernt wegen der Corona-Pandemie im Distanzunterricht und braucht ab und zu auch mal einen Moment Ruhe.
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Schulaufgaben in Omas Küche: Die zehnjährige Matilda Schäfer lernt wegen der Corona-Pandemie im Distanzunterricht und braucht ab und zu auch mal einen Moment Ruhe.

Die Ferien sind vorüber und die Schule hat wieder begonnen – eigentlich. Wer geht trotz Corona in die Schule und wer bleibt zuhause?

Seit Montag gelten neue Regeln. Wir begleiten Kinder und Jugendliche in ihrem ungewöhnlichen Schulalltag.

Obersuhl – Zuhause wird es bei Matilda Schäfer aus Obersuhl niemals langweilig. Da flitzt ihr kleiner Bruder um die Ecke, zwei Katzen schmiegen sich an sie, und ein kleiner Hund springt zwischen den eiligen Füßen umher. Die Zehnjährige sitzt an einem Schreibtisch, umgeben von Stiften, Büchern und – Grünschnitt. Denn ihre Schulaufgaben macht sie in der Gärtnerei ihrer Mutter.

Die Schülerin ist in der vierten Klasse der Grundschule am Rhäden und geht derzeit nicht in die Schule, sondern erledigt ihre Aufgaben von zuhause aus. Dafür gibt es jede Woche einen detaillierten Arbeitsplan von ihrer Lehrerin. Den ersten hat Matildas Vater aus der Schule abgeholt, zukünftig werden die Pläne dann im Internet hochgeladen. Mit dieser Tagesstruktur kommt Matilda grundsätzlich gut klar. „Im ersten Lockdown gab es ein Aufgabenpaket für die gesamte Woche und die Kinder teilten sich das selbst ein. Das war für Matilda schwieriger. So wie es jetzt abläuft, behält sie besser den Überblick“, berichtet Jennifer Schäfer.

Schwer fällt Matilda noch der Umgang mit Lern-Apps. Neben Aufgaben in ihrem Arbeitsheft muss sie auch Übungen online lösen. „Das kann ich noch nicht allein, da müssen mir meine Eltern helfen“, erzählt sie. Genauso wie beim Hochladen ihrer erledigten Schulaufgaben ins Internet. Die Kinder sollen ihre Ergebnisse auf eine Online-Plattform stellen, damit die Lehrer anschließend alles überprüfen können. Matilda würde sich wünschen, alles allein zu schaffen.

In der Gärtnerei: Matilda macht ihre Schulaufgaben am liebsten bei ihrer Mutter Jennifer Schäfer.

Das klappt bei den Aufgaben für die Fächer Deutsch und Sachunterricht schon meist ganz gut. Mathe fällt der Zehnjährigen da noch etwas schwerer. „An den Übungen sitze ich manchmal ganz schön lang. Dann schaffe ich auch mal nicht alle Aufgaben für einen Tag“, erzählt Matilda. An anderen Tagen arbeite sie dann aber schneller, weil ihr das Thema leichter falle. „So ergänzt es sich ganz gut. Mal muss sie an einem Tag eine Aufgabe des Vortags nachholen, mal arbeitet sie aber auch vor“, berichtet ihre Mutter. Die Aufgaben seien eine Mischung aus bereits behandelten Themen und auch neuem Schulstoff.

Besonders mag Matilda die kleinen Sportübungen, die sich ihre Lehrerin für sie überlegt hat. „Weil wir ja keinen Sportunterricht haben zur Zeit, sollen wir zuhause zwischendurch immer Turnübungen machen. Das macht Spaß, und danach kann man sich wieder besser konzentrieren“, sagt sie.

Ab und zu lässt sich die Zehnjährige zuhause beim Lernen schon mal ablenken. „Ich bin nicht so gern allein. Deswegen mache ich meine Schulaufgaben lieber bei Mama und Oma in der Gärtnerei, da kann mir auch immer mal jemand helfen“, erzählt sie. „Ich beantworte ihr immer mal Fragen zwischendurch, unsere Mitarbeiter helfen Matilda aber genauso“, erzählt Jennifer Schäfer lachend.

Wenn es Matilda dann in dem Trubel aber doch zu laut wird, setzt sie sich für die Schulaufgaben auch mal in die Küche ihrer Oma. Dort ist es ruhiger und sie kann sich besser auf schwierige Aufgaben fokussieren. Vor allem fehlen der Viertklässlerin ihre Klassenkameraden: „Ich vermisse sie alle schon sehr. Mit anderen zusammen kann ich auch besser lernen und wir helfen uns gegenseitig.“

Die Klasse möchte gemeinsam mit ihrer Lehrerin auch mal eine Unterrichtsstunde per Video ausprobieren. „Das ist jetzt wirklich erst mal ein Test. Ob das dann regelmäßig gemacht wird, steht noch nicht fest“, sagt Matildas Mutter. Auch gebe es bald einen Online-Elternabend, um die ersten Tage im Distanzunterricht zu besprechen und Erfahrungen auszutauschen.

Die meisten der insgesamt 150 Schüler der Grundschule am Rhäden werden momentan wegen der Corona-Pandemie im Distanzunterricht von zuhause aus beschult.

Nur etwa 20 Kinder werden derzeit in der Grundschule am Rhäden betreut. „Es gibt vor Ort drei Gruppen: Eine für Kinder der ersten Klasse, dann eine für Zweitklässler und die dritte Gruppe für Kinder der dritten und vierten Klasse“, sagt Schulleiter Thomas Breitbarth.

Die Lehrer stehen mit den Schülern, die derzeit zu Hause sind, über eine Internetplattform in Verbindung. Die Kinder erhalten darüber ihre Aufgabenstellungen in Form eines Wochenplans, anschließend laden die Eltern die Ergebnisse der Kinder hoch und die Lehrer können diese korrigieren.

„Das funktioniert mal mehr, mal weniger. Wir arbeiten uns gerade noch ein, uns fehlt das technische Hintergrundwissen. Vieles ist neu“, sagt Breitbarth.

Auch der Unterricht per Video wurde schon ausprobiert, berichtet er: „Insgesamt klappt das ganz gut. Ein Problem ist aber, dass viele Lehrerinnen selbst kleine Kinder haben. Sie müssten dann gleichzeitig ihre eigenen Kinder betreuen und eine Schulklasse per Videokonferenz unterrichten.“ Es sei daher unklar, inwieweit der Video-Unterricht in den jetzigen Schulalltag integriert würde.

Von Anna Weyh

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