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Kelly Panier und Inga Krischke aus dem „Goethe!“-Ensemble sind Schwestern im Geiste

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Von: Eden Sophie Rimbach

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Hündin Lia begleitet Inga Krischke auch zur Arbeit. Kelly Panier freut sich über den Besuch.
Hündin Lia begleitet Inga Krischke (rechts) auch zur Arbeit. Nicht nur Kelly Panier freut sich über den Besuch: Die dreieinhalb Jahre alte Lia sei überall sehr beliebt. © Eden-Sophie Rimbach

Sie haben dieselbe Universität besucht, frühstücken wenn nur Porridge, brauchen Kaffee nur ganz selten und stehen gerade zusammen auf der Bühne: Kelly Panier und Inga Krischke.

Bad Hersfeld - Die beiden sind Teil des „Goethe!“-Ensembles und spielen unter anderem zwei Schwestern Lottes. Mitte Juli erhielt das „Goethe!“-Tanzensemble den Großen Hersfeldpreis. Panier erinnert sich noch genau an die Reaktion ihrer Schauspielkollegin beim Probenbeginn mehrere Wochen zuvor. Die habe sie in Bad Hersfeld mit den Worten begrüßt: „Ja, Kelly, wer hätte das denn gedacht, dass wir so schnell zusammen auf der Bühne stehen – und dann auch noch als Geschwister!“

Denn für die beiden Schauspielerinnen ist die gemeinsame Arbeit in „Goethe!“ nicht die Erste. Krischke hatte einen Lehrer der Folkwang Universität der Künste in Essen vertreten. Gemeinsam mit der Studentin Panier erarbeitete sie eine Duo-Szene. Das ist zwei Jahre her.

„Ich fand das so herrlich, in dem Cast anzukommen“, schwärmt Panier, die erst in diesem Jahr zum Ensemble dazukam. Für sie und die anderen neuen Ensemble-Mitglieder dauerte die Probenzeit nur vier Wochen, von denen die letzten drei gemeinsam mit den Akteuren stattfanden, die bereits zum zweiten Mal mit „Goethe!“ in der Stiftsruine spielen. Vor einem Jahr hatten sie sich acht Wochen lang vorbereitet.

Panier weiß: „Keiner hat uns anders behandelt, weil wir neu waren.“ Das habe sich auch auf der Bühne reflektiert. Krischke lobt in dem Zusammenhang, wie die Aufgaben des Ensembles aufgebaut sind. Denn jeder ist sowohl tanzend und singend als auch beim Umbauen oder mit Requisiten zu sehen. Dadurch sei jeder wichtig und unentbehrlich.

Deswegen freue es sie, dass das Ensemble mit dem Hersfeldpreis belohnt wurde. Panier lobt zudem die Energie auf der Bühne: „Jeder gibt alles.“

Krischke stand kürzlich als weibliche Hauptrolle Scaramouche im Queen-Musical „We Will Rock You“ auf verschiedenen Bühnen. Sie erklärt, dass man im Ensemble oft mehr zu tun habe als in der Hauptrolle, wenngleich dort der stimmliche Anspruch höher sei. In dem Zusammenhang spricht sie den Ankleidern hinter der Bühne ein besonders großes Lob aus. Diese müssen für die schnellen Kostümwechsel des Ensembles immer genau am richtigen Ort bereit sein. „Die größte Choreo findet hinter der Bühne statt“, verrät die 29-Jährige.

Von der Größe der Rolle her ist Kirschkes Einsatz in „Goethe!“ für sie recht entspannt. Anstrengend sei es zwar, aber an das für Gil Mehmerts Shows typische Tempo sei sie bereits gewöhnt. Denn seit ihrem Uni-Abschluss vor sieben Jahren hat Krischke bereits mehrfach mit ihm zusammengearbeitet. Sie sagt: „In der Show muss man umschalten in zwei Sekunden.“

Die kürzlich 26 Jahre alt gewordene Panier erklärt, dass „Goethe!“ für sie eine der größten – wenn nicht sogar die größte – Herausforderung bisher sei.

Wie wichtig ein Ausgleich bei diesem Job, der Arbeit auf der Bühne und dem Jubel am Ende der Vorstellung ist, weiß Krischke. Das Gefühl auf der Bühne und vor allem beim Jubel am Ende könne einem Rausch ähneln.

„Einer liegt hier unter dem Tisch“, verrät sie mit einem Lächeln. Denn Hündin Lia ist für sie ein Ausgleich. „Sie ist der absolute Theaterhund“, weiß die 29-Jährige, die Lia auch mit zur Arbeit nimmt.

Panier befasst sich zurzeit mit Meditation, was ihr sehr guttue: „Für mich ist es dieses Kurz-zur-Ruhe-Kommen.“ Die 26-Jährige muss lächeln. Ihr Freund sehe das anders und sage, sie sei „immer auf 100“. Auch darin liegt eine Gemeinsamkeit der beiden Schauspielerinnen.

Ruhig auf der Couch liegen müssen sie nicht, um abschalten zu können. Surfen und Snowboarden sind nur zwei der sportlichen Hobbys, die für Krischke einen Ausgleich bilden. Panier erzählt, dass sie erst kürzlich beim Lernen eines Songs ein Gefühl von Entspannung hatte. Ansonsten gehört das Tanzen auch privat für sie dazu und das schon seit frühster Kindheit.

Im Alter von drei Jahren begann sie mit Ballett, vier Jahre später kam das Steppen dazu. Denn Paniers Eltern leiten die Tanzschule „Tap Show Company“ in Brüssel. Der 26-Jährigen war schon immer klar, dass sie ihren jetzigen Beruf ergreifen wollte. „Es war einfach klar, dass das mein Traum war“, erinnert sie sich. Als sie vom Lycée Martin V hörte, zog sie als 14-Jährige in die etwa eine Stunde von ihrer Heimat und den Eltern entfernte Stadt, machte dort ihr Tanz-Abitur. Es sei schwer gewesen, die Eltern dadurch nur an den Wochenenden zu sehen, aber es habe sich für sie gelohnt. Diese Schule habe sie gut vorbereitet und sie wurde in der Palucca-Hochschule für Tanz in Dresden aufgenommen.

Wenn sie heute den Kopf freibekommen möchte oder einmal Langeweile hat, steppt sie. Für das Steppen benötige man keine besondere Kleidung. Man müsse lediglich die Schuhe wechseln und schon gehe es los.

Zudem ist das Steppen für sie etwas, das sie zurück zu ihren Wurzeln bringe. Gelernt hat sie es einst von ihrer Mutter. Bis heute gilt: „Immer wenn ich in Brüssel bin, dann mache ich da Unterricht und lerne weiter bei meiner Mom.“

An ihre Familie musste Panier auch beim Applaus der „Goethe!“-Premiere denken. Erinnert wurde sie an ihre Großeltern, die einst als Clowns gearbeitet haben, unter anderem für Menschen mit Behinderung aufgetreten sind. Sie habe sich am Ende der Premiere daran erinnert, das machen zu dürfen. Hinzukam für sie der Spielort. Panier sagt, dass es schön wäre, wenn ihre Großmutter, die selbst halbe Deutsche war, wüsste, dass sie selbst hier nun so glücklich ist.

„Das bringt mich hoch“, sagt Panier dagegen über Musik, deren Lieblingslied aus dem Musical schon beim Proben für sich allein „Carpe Diem“ wurde. Beim Entspannen hilft Musikhören weder ihr noch Krischke, die dann eher direkt mitsingen müsse.

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