Psychokardiologie - Treffen von Fachleuten am Herz- und Kreislaufzentrum

Die Seele und das kranke Herz

Susanne Boettcher

Rotenburg. Was das Herz begehrt – so war kürzlich das 4. Psychokardiologische Symposium im Herz- und Kreislaufzentrum Rotenburg überschrieben, an dem Ärzte, Psychotherapeuten und Herzgruppenleiter teilnahmen und das von der Psychologischen Abteilung des Zentrums für Kardiologische Rehabilitation und Prävention veranstaltet wurde.

Experten aus ganz Deutschland beschäftigten sich mit neuesten Forschungsergebnissen der noch jungen Fachrichtung Psychokardiologie. Das teilte Susanne Boettcher, leitende Psychologin im Zentrum für kardiologische Rehabilitation und Prävention des HKZ, mit. Psychische und soziale Faktoren spielen neben den körperlichen eine große Rolle bei Herzerkrankungen und müssen bei der Behandlung einbezogen werden, so das Fazit der Veranstaltung.

Allen Menschen sind durch Redewendungen wie „das nehme ich mir zu Herzen“, „das bricht einem das Herz“ oder „aus dem Herzen eine Mördergrube machen“ die Zusammenhänge zwischen Herz und Seele vertraut.

Boettcher erklärte, dass in den letzten 20 Jahren die Wechselwirkung von psychischem Befinden und Herzerkrankungen immer mehr durch wissenschaftliche Untersuchungen belegt wurde. Im klinischen Alltag sollten diese Erkenntnisse in einer ganzheitlichen Behandlung umgesetzt werden.

Das Wissen um die Bedeutung von Stress, Depression, Angst, Ärger, Verlusterlebnissen und anderen psychischen Faktoren für das Herz und für die Entstehung und den Verlauf von Herzerkrankungen wurde in den letzten Jahren wissenschaftlich bestätigt.

Dr. Thomas Müller-Tasch vom Universitätsklinikum Heidelberg belegte, dass bei Menschen mit einer chronischen Herzinsuffizienz das Auftreten einer Depression die Lebensqualität zusätzlich zur körperlichen Beeinträchtigung deutlich einschränkt. Wenn die Lebensqualität gemindert ist, sind das psychische Befinden, die sozialen Beziehungen, die körperliche Verfassung und die Funktionsfähigkeit im Alltag und im Beruf betroffen.

Prof. Karl-Heinz Ladwig, Psychokardiologe von der Uni München und dem Deutschen Herz-Zentrum München sprach über die Probleme, die Menschen mit einem implantierten Defibrillator, kurz Defi, haben. Obwohl die Patienten einen „Notarzt in der Brust“ haben, erleben sie häufig einen Schock, fühlen sich massiv bedroht und ausgeliefert, was psychische Erkrankungen zur Folge haben kann.

Prof. Oskar Mittag von der Uniklinik Freiburg empfahl die psychologische Mitbetreuung in Rehakliniken. So sollte möglichst bei jedem Patienten bei Antritt der Reha nach psychischen Auffälligkeiten wie Angststörung oder Depression gefahndet werden. (ank) HINTERGRUND

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