Wochenendporträt: Seit 14 Jahren auf der Bühne

Leonie Wagner ist als Funkenmariechen derzeit „arbeitslos“

Stolz sammelt Leonie Wagner die Karnevalsorden ihres Vereins. Jetzt in der Coronakrise übt sie weiterhin zu Hause, um fit zu bleiben.
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Stolz sammelt Leonie Wagner die Karnevalsorden ihres Vereins. Jetzt in der Coronakrise übt sie weiterhin zu Hause, um fit zu bleiben.

Funkenmariechen Leonie Wagner aus Obersuhl ist wegen Corona derzeit karnevalistisch betrachtet arbeitslos.

Obersuhl – Ob als Biene Maya, als Pirat oder als Einhorn verkleidet – die Mitglieder des Obersuhler Carneval Vereins (OCV) lassen sich immer etwas Neues einfallen. Nur in diesem Jahr musste coronabedingt auch der Fasching der Obersuhler Narren entfallen.

Ihr Funkenmariechen Leonie Wagner ist daher karnevalistisch betrachtet arbeitslos. Ein ungewohnter Zustand für die 19-jährige Obersuhlerin, da sie doch eigentlich seit ihrem fünften Lebensjahr für den OCV auf der Bühne steht.

„Angefangen habe ich im Jahr 2007 in der Kinderballett-Gruppe. Danach war ich in der Jugendgruppe, und daraus ist dann vor einigen Jahren die Präsidentengarde entstanden“, erzählt sie. Noch bis heute ist die Schülerin in der Gardetanz-Gruppe aktiv.

Als Funkenmariechen tritt sie zusätzlich seit 2009 auf. „Als ich sieben Jahre alt war, hat sich das so ergeben, meine Trainerin damals hatte mich angesprochen“, sagt sie. Seitdem war sie Funkenmariechen – und ist es bis heute geblieben, sagt die Tänzerin. Der Karneval gehört fest zu ihrem Leben. Seitdem stand sie in elf Jahren als Funkenmariechen auf der Bühne und trug dabei sechs verschiedene Uniformen. „Mein erstes Kostüm besaß ich in der Kindergröße 116, das ist sehr lang her“, sagt Leonie lachend. Neben der jetzigen Coronapause musste Leonie noch in einem weiteren Karnevalsjahr aussetzen. „2019 war ich zum Auslandsjahr in den USA.“ Aber auch dort waren ihre Gedanken während der fünften Jahreszeit in Obersuhl. Von ihren Freunden und ihrer Familie hat sie viele Karneval-Videos zugeschickt bekommen. „So konnte ich wenigstens ein bisschen dabei sein.“

Auch jetzt fehle ihr das Gemeinschaftsgefühl, das sie sonst aus ihrem Vereinsleben so gut kennt und liebt. „Ich sehe viele Leute gerade sehr lang nicht, die sonst einfach dazugehören. Gerade jetzt zu dieser Jahreszeit würde ich sie eigentlich jeden Tag sehen. Ich habe dort so viele Freunde gefunden. Es ist wie eine zweite Familie“, schwärmt sie. Im Vorjahr hatten die Obersuhler Narren noch alle gemeinsam das 50-jährige Vereinsbestehen gefeiert.

Auch im Lockdown Light trainierte Leonies Gardetanz-Gruppe unter der Leitung von Nadine Sauer zunächst noch weiter. „Wir haben Video-Tanzstunden zu Hause gemacht, um uns auf den Karneval vorzubereiten. Unsere Choreografie war schon fertig. Irgendwann Anfang Dezember stand dann aber wirklich fest, dass es leider nicht stattfinden kann“, erzählt Leonie.

Wirklich pausieren will die 19-Jährige in der Coronakrise aber nicht. „Ich mache regelmäßig Übungen zu Hause und dehne mich. Ich versuche, für den nächsten Karneval fit zu bleiben, damit ich nächstes Jahr noch in Form bin“, sagt sie lachend. Trotzdem sei es allein natürlich nicht dasselbe. „Vor allem die Gruppendynamik fehlt einfach.“

Auch wenn derzeit noch unsicher ist, wie oder ob im kommenden Jahr Großveranstaltungen möglich sind, macht der OCV wieder neue Pläne für die nächste Saison. „Wir werden uns auf jeden Fall etwas Neues überlegen und dafür auch trainieren“, sagt Leonie.

Ganz ohne Karneval ging es in diesem Jahr dann aber doch nicht für Leonie Wagner und ihre zweite Familie. „Unser Karneval findet immer schon Ende Januar statt. Wir haben das dieses Jahr als Video-Konferenz gefeiert. Es gab ein bisschen Programm, zum Beispiel eine Büttenrede. Wir haben unsere Wohnungen dekoriert, waren alle verkleidet und haben geschunkelt“, erzählt Leonie. „Es war natürlich nicht dasselbe, aber besser als gar nichts.“

Von Anna Weyh

In voller Montur: So sieht das Funkenmariechen Leonie Wagner normalerweise bei den Auftritten aus.

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