„Wir sind am Leben und bleiben es“ 

So kommt das Umweltbildungszentrum Licherode durch die Corona-Krise

Stefan Ross, Sarah Lutz und Naomi Hein mit Schafen an UBZ
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Schafe sollen bald fest zum pädagogischen Konzept des UBZ gehören. Davon haben die Freiwilligen Sarah Lutz (Mitte) und Naomi Hain Geschäftsführer Stefan Ross überzeugt.

Während einige Jugendherbergen durch die Corona-Pandemie so gebeutelt sind, dass sie aufgeben mussten, stemmt man sich beim Umweltbildungszentrum Licherode (UBZ) bislang erfolgreich gegen die Krise.

Licherode – Das UBZ stand schon vor der Corona-Pandemie finanziell unter Druck und hatte nach dem Geschäftsführerwechsel Anfang des Jahres neue Ideen entwickelt (wir berichteten) – einige davon warten noch auf ihre Umsetzung, weil Veranstaltungen mit vielen Teilnehmern nach wie vor nicht stattfinden können. Doch einiges wird trotzdem gemacht, soweit es möglich ist, und das UBZ arbeitet sogar weiter daran, sein Angebot auszubauen.

„Wir sind am Leben und bleiben es auch“

Stefan Ross, Geschäftsführer des UBZ

Das ist auch den beiden neuen Freiwilligen zu verdanken, die im Rahmen eines Freiwilligen Ökologischen Jahres beziehungsweise des Ökologischen Bundesfreiwilligendienstes in Licherode sind. Die 18-jährige Karlsruherin Sarah Lutz und die 19-jährige Naomi Hain aus der Wetterau waren seit ihrem ersten Tag im UBZ täglich bei den drei Schafen. Die gehören zwar schon länger zur tierischen Belegschaft, sind aber bislang nicht ins pädagogische Konzept eingebunden. „Wir wollen die Zäune ausbessern, einen neuen Unterstand bauen und am liebsten vom Aussterben bedrohte Schafrassen hierherholen“, sagen die beiden jungen Frauen. Außerdem soll es Schau- und Fühlkästen geben. Mit ihrer Idee haben die beiden ihren Geschäftsführer überzeugt, der dem ganzen den Fachbegriff gibt: „Tiergestütztes Lernen“. Außerdem will Ross Bienenvölker anschaffen. Da passt es gut, dass der ehemalige UBZ-Hausmeister Imker ist.

Weiterhin keine Klassenfahrten

Klassenfahrten sind allerdings weiterhin abgesagt. Ross schaut „mit einem ängstlichen Auge“ auf den 1. Februar – ab dann hat das UBZ wieder Buchungen von Schulklassen, und zwar mit einer ganz guten Auslastung. Auch die beiden Freiwilligen hoffen darauf, denn eigentlich soll die pädagogische Arbeit neben der Beschäftigung in der Küche, beim Ausfahren der Mittagessen, im Garten und im Sekretariat und der Organisation des Klima-Cafés ihre Hauptaufgabe sein. Weiterhin ist ein Großteil der Belegschaft in Kurzarbeit, da die Arbeit mit den Kindern ja eigentlich das Hauptgeschäft des UBZ ist. Zu Beginn der Corona-Einschränkungen haben den Licherödern die Überbrückungskredite und die Soforthilfe sehr geholfen, ebenso wie die Mikrokredite von Privatleuten, die nun wieder zurückgezahlt werden. Auch die Zusammenarbeit mit der Sparkasse sei gut, so der Geschäftsführer.

Kleine Gruppen, zum Beispiel von der Kirchengemeinde Niestetal, konnte das UBZ auch während der Corona-Zeit beherbergen. Die Licheröder haben mehrere Insektenhotels gebaut. Außerdem fanden Yoga-Seminare statt und das UBZ bietet in Kooperation mit der Phyosiotherapiepraxis Biophilia-Kurse an – eine Therapie, die auf die heilende Atmosphäre des Waldes setzt. Eine weitere neue Idee: Ross möchte Internetkurse für Auszubildende zum Thema Nachhaltigkeit anbieten, die nach einem Präsenzwochenende im UBZ mit einem Zertifikat abgeschlossen werden.

„Es ist wichtig, dass junge Leute für Nachhaltigkeit sensibilisiert werden. Corona drängt gerade alles in den Hintergrund – darüber darf man die Umwelt nicht vergessen“, sagt Ross. Das UBZ bereitet sich auch weiterhin auf eine Beteiligung am Naturpark Knüll vor.

„Schöner als Großstadt“

Die beiden neuen Freiwilligen Sarah Lutz und Naomi Hain fühlen sich wohl in Licherode, erzählen sie. „Wir sind viel draußen und lernen die Leute im Dorf kennen. Wir werden mit offenen Armen aufgenommen“, sagt Sarah Lutz, die ebenso wie ihre Mitstreiterin im Sommer Abitur gemacht hat.

Das Duo führt zum Beispiel den Hund eines älteren Ehepaares aus, das selbst nicht mehr so gut zu Fuß ist, oder erkundet den Waldwunderweg. Beide mögen es ländlich, beide sind Gruppensprecherinnen bei ihren Freiwilligen-Organisationen, beide engagieren sich bei Fridays for Future, beide finden es unverantwortlich, wenn man sich nicht mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandersetzt. Kein Wunder, dass die beiden schon Freundschaft geschlossen haben. Dass es in Licherode keinen Handyempfang gibt, stört sie nicht, im Gegenteil: Sie genießen die Ruhe und sind an den Wochenenden auch schon in Licherode geblieben.

„Gerade in der Corona-Zeit ist es in einem Dorf wie Licherode schöner als in einer Großstadt“, meint Naomi Hain. Geschäftsführer Ross freut sich über das große Engagement der beiden und darüber, dass es ihnen im Dorf so gut gefällt. „Wir hatten auch schon Freiwillige, für die es ein Problem war, dass die nächste Disco so weit weg ist. Da gab es auch mal Abbrecher.“ (Von Christopher Ziermann)

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