SOMMERINTERVIEW mit Bürgermeister Harald Preßmann

„Hauneck ist mit einem blauen Auge durch die Corona-Zeit gekommen“

Das Foto zeigt Haunecks Bürgermeister Harald Preßmann vor dem Eingang der Wohnanlage „Am Wendebach“ in Unterhaun,.
+
Ein Herzensprojekt: Haunecks Bürgermeister Harald Preßmann vor dem Eingang der Wohnanlage „Am Wendebach“ in Unterhaun, die dieses Jahr zehnjähriges Bestehen feiert. Gut 30 Senioren leben dort in 20 Wohnungen. Betrieben wird die Anlage von der Seniorenbetreuung Diakonisches Werk Hersfeld-Rotenburg.

Nach 18 Jahren als Bürgermeister von Hauneck will Harald Preßmann nicht erneut kandidieren. Im Sommerinterview spricht er darüber, was er im Amt aber noch schaffen will.

In Unterhaun wird gleich an zwei Stellen gebaut: Am neuen Verwaltungssitz und der Kita-Erweiterung. Kann sich die Gemeinde das trotz steigender Baukosten noch leisten?

Ja. Wir sind solide und gefestigt aufgestellt. Außerdem werden beide Vorhaben mit einem großen Anteil an Fördermitteln finanziert. Über eine Million Euro beträgt die Förderung für den Verwaltungsneubau, über 900 000 Euro sind es bei der Kita-Erweiterung. Die Gemeinde muss also nur einen überschaubaren Anteil selbst stemmen. Das ist mit einem sehr günstigen Zinssatz, der nahe Null liegt, aber möglich. Leichte Tendenzen nach oben gibt es zwar, aber mit etwa zehn Prozent halten sich die Mehrkosten bei den Ausschreibungen noch in Grenzen. Aktuell sind für das neue Rathaus die Dachdecker-, Fenster und Türen- und Elektroarbeiten ausgeschrieben, wir müssen nun die weiteren Ausschreibungen abwarten, dann wissen wir mehr. Die Kosten für den Rohbau haben sich noch mit den veranschlagten Kosten gedeckt. Bei der voranschreitenden Kita-Erweiterung, für die wir sehr frühzeitig ausgeschrieben hatten, sieht es ähnlich aus.

Hinter den Kulissen wird auch das Pflegeressort in Eitra weiter vorangetrieben. Einen Lebensmittelmarkt hat die Regionalplanung jedoch angelehnt. Wie geht es nun weiter?

Für das Pflegeressort Anima Care werden aktuell der Bauantrag für die Baugenehmigung und die Finanzierung vorbereitet. Wir sind seitens der Gemeinde zudem gerade dabei, einen städtebaulichen Vertrag auszuarbeiten, mit dem beide Seiten gut leben können. Der Regionalausschuss hat grünes Licht für das Pflegeprojekt und damit zusammenhängend auch für die geplanten Photovoltaikanlagen gegeben. Einzelhandel ist möglich, wenn er für das Projekt sinnvoll erscheint. Das heißt, eine Apotheke, einen Sanitätshandel oder Ähnliches wird es geben. Ein weiterer Lebensmittelmarkt wurde abgelehnt, da wir mit dem Rewe bereits versorgt sind. Es wurde allerdings auch klar gesagt, das geht, was für das Projekt notwendig ist. Da werden wir dran bleiben. Der Regionalplan wird ohnehin aktuell neu aufgestellt, eventuell ändern sich die Kriterien.

Die Gemeindegremien waren übrigens nicht gegen einen weiteren Lebensmittelmarkt, auch wenn ein Leserbriefschreiber neulich anderes behauptet hat. Wir müssen aufpassen, die Ortsteile nicht gegeneinander auszuspielen, man muss aber auch ganz klar sagen, dass in Rotensee, Unterhaun und Oberhaun zusammen rund 2500 von insgesamt 3200 Einwohnern leben. Hinzukommen dann noch die Bewohner und Beschäftigten des Ressorts. Aber hätten wir auf dem Lebensmittelmarkt beharrt, wäre eventuell das ganze Projekt abgelehnt worden.

Großes Interesse besteht im Übrigen auch an den Plänen, vor Ort Wasserstoff für den Betrieb von Fahrzeugen des Ressorts zu produzieren. Das könnte zum Beispiel auch für die Busse des öffentlichen Personennahverkehrs interessant sein.

Eine Lösung schien nach Jahren für den Bahnübergang zwischen Unterhaun und Oberhaun gefunden. Dann gab es doch wieder neue Überlegungen – wie ist der Stand der Dinge?

Im Oktober 2020 hatte die Gemeindevertretung den Beschluss für einen weiterhin beschrankten Bahnübergang gefasst, aber dann mit zwei Fahrspuren sowie einem Rad- und Fußweg. Eine Unterführung hätte die Gemeinde mindestens drei bis vier Millionen Euro gekostet und wäre schlicht zu teuer gewesen. Dann wurden zwei Gesetzesänderungen auf den Weg gebracht und demnach müsste die Gemeinde nun doch nicht die anteiligen Kosten für die Herstellung und einen Großteil der Nebenkosten tragen. Bei der Bahn wird jetzt diskutiert, wie man damit umgeht. Wir sind dran und ich werde in absehbarer Zeit mal wieder nachfragen (lacht). Bei einer Unterführung muss man ganz klar den Eingriff in die Natur berücksichtigen, aber da es in Zukunft noch mehr Zugverbindungen geben wird, muss eine Lösung her.

In vollem Gange ist die Sanierung der Ortsdurchfahrt Eitra, die aber Unannehmlichkeiten für Anwohner und Pendler mit sich bringt. Lohnt der Aufwand und wird der Zeitplan eingehalten?

Wir sind bei dieser Gemeinschaftsmaßnahme recht gut dabei, und der erste Bauabschnitt dürfte Ende dieses Jahres soweit abgeschlossen sein, wenn das Wetter im Herbst mitspielt. Ob sich der Aufwand lohnt, ist immer schwer zu beurteilen. Nicht nur die Straße war total marode, auch die Wasser- und Kanalleitungen waren marode. Wir hatten jedes Jahr mehrere Wasserrohrbrüche. Nun gibt es außerdem Leerrohre für Glasfaserkabel. Das ist ein Thema, das in Zukunft noch wichtiger wird.

Während des Corona-Lockdowns sind der Gemeinde monatlich rund 20 000 Euro allein an Spielapparatesteuer durch die Lappen gegangen. Wie ist Hauneck insgesamt durch die Krise gekommen?

2020 konnten wir die Einnahmerückgänge bei der Gewerbe- und Spielapparatesteuer dank der Coronahilfen gut ausgleichen. Dieses Jahr fehlen uns bei der Spielapparatesteuer vier bis fünf Monate. Aber: Wir erwarten bei den Gewerbesteuern rund 150 000 Euro mehr, als im Haushaltsansatz vorgesehen. Somit kommen wir mit einem blauen Auge davon.

Viele Kollegen klagen in der Corona-Krise vermehrt über persönliche Anfeindungen. Auch Sie haben sich etwa den Unmut von Eltern zugezogen, die ihre Kinder nicht zur Eingewöhnung in die Kita begleiten durften.

Die Gangart ist generell rauer geworden, viele Menschen reagieren dünnhäutiger, alles soll sofort sein. In der Kita gilt grundlegend das Hausrecht. Wir haben die Kita-Regeln aber kreisweit abgestimmt, und wir müssen alle Eltern gleich behandeln. Unsere Kita ist bislang eine der wenigen, in denen noch kein Virusfall auftreten ist, und das soll auch so bleiben, um den Betrieb aufrecht erhalten zu können. Leider musste die Betreuungszeit etwas eingeschränkt werden, da die Übergabe der Kinder an der Tür mehr Personal bindet. Wo es geht, versuchen wir immer Kompromisse zu finden. In diesem Fall waren sogar das Jugendamt und die Fachberatung beteiligt. Bei anderen hat die Eingewöhnung reibungslos funktioniert, ein Fall ist vor dem Verwaltungsgericht gelandet, wo wir jedoch Recht bekommen haben.

Ihre Amtszeit endet am 30. April 2022 nach immerhin 18 Jahren. Am 16. Januar soll neu gewählt werden. Haben Sie schon Pläne für den Ruhestand?

(lacht) Nein, konkrete Pläne habe ich noch nicht. Es gab aus den Reihen der Kommunalpolitik auch den Wunsch nach einer Verlängerung. Aber ich werde in Kürze 65 und irgendwann muss Schluss sein. Den idealen Zeitpunkt gibt es nie. 18 Jahre als Bürgermeister sind eine lange Zeit. Ich habe immer versucht, mein Bestes zu geben. Jetzt ist es Zeit für neue Visionen und Sichtweisen. Wenn es gewünscht wird, stehe ich aber gerne noch beratend zur Seite.

Welchen Nachfolger oder welche Nachfolgerin wünschen Sie sich für „Ihre“ Gemeinde?

Ich wünsche mir jemanden, der weiterführt, was wir begonnen haben. Der das Wohl der Bürger im Blick hat und gut über Parteigrenzen hinweg mit den verschiedenen Gremien zusammenarbeitet. Wichtig ist es jedoch auch, kreisweit zu denken. Natürlich möchte jeder Bürgermeister für seine Kommune das Beste herausholen. Aber nur, wenn es dem Kreis gut geht, geht es auch den Kommunen gut.

Apropos: Kritik aus der Haunecker Gemeindevertretung gab es zuletzt an den Plänen aus Schenklengsfeld, im Wald an der A4 ein neues Gewerbegebiet auszuweisen. Wie stehen Sie dazu?

Es ist verständlich, nach neuen oder weiteren Einnahmequellen zu suchen, wenn die finanzielle Situation es nötig macht. Man muss dabei aber die Umwelt und den Naturschutz im Auge behalten. Der Landkreis hat als Logistikstandort nun mal einen besonderen Vorteil, aber man darf es nicht übertreiben. Wir würden auch gerne ein weiteres Gewerbegebiet ausweisen, aber mich persönlich würde es zu sehr schmerzen, dafür Wald abzuholzen.

Was wollen Sie bis zum Stabwechsel noch erledigt haben oder wissen?

Es wäre schön, wenn das neue Rathaus fast fertig wäre, mein Nachfolger oder meine Nachfolgerin aber noch etwas mitgestalten kann, wenn der Kita-Neubau stünde, die Digitalisierung der Verwaltungsangebote vorangeschritten wäre und der Grundstein für das Anima-Care-Ressort gelegt ist. Gerne würde ich auch noch helfen, dass das Bioenergiedorf Oberhaun eine Chance bekommt.

Wo haben Sie Ihren Urlaub verbracht?

Wir waren zum Radfahren und Relaxen in Bayern und fahren noch eine Woche an die Nordsee. Urlaub zu Hause birgt immer die Gefahr, dass man doch jeden Tag einmal ins Büro geht. So kommt man nicht in Versuchung ... (Nadine Meier-Maaz)

Zur Person: Harald Preßmann

Harald Preßmann (64) kommt aus Erdmannrode, lebt aber seit 2005 mit seiner Familie in Eitra. Seit Mai 2004 ist der Betriebswirt, der eine Ausbildung zum Bankkaufmann absolviert hat, Bürgermeister der Gemeinde Hauneck. Vor seiner Wahl zum Bürgermeister war er Geschäftsstellenleiter in Unterhaun bei der Raiffeisenbank Haunetal. 2015 wurde er als parteiloser Kandidat mit 84,6 Prozent der Stimmen und ohne Konkurrenz erneut wiedergewählt. Seine Freizeit verbringt Preßmann gerne mit der Familie, er geht außerdem gerne spazieren, fährt Rad und besucht Sportveranstaltungen. Der frühere Fußballer ist Fan von Borussia Dortmund, Eintracht Frankfurt und Borussia Mönchengladbach. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.