SOMMERINTERVIEW

Eiterfelds Bürgermeister Hermann-Josef Scheich: „Wir leben von jungen Familien“

Das Bild zeigt Bürgermeister Hermann-Josef Scheich mit einem Pflasterstein in der Hand auf der Kreisstraße 153 zwischen Eiterfeld und Reckrod, wo gerade Bauarbeiten stattfinden.
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Zupackender Bürgermeister: Die Kreisstraße 153 zwischen Eiterfeld und Reckrod wird aktuell saniert. Die Gemeinde lässt dort Kanal- und Wasserleitungen sowie Breitband verlegen. Bürgermeister Hermann-Josef Scheich hat bei den Arbeiten an der Bankette vorbeigeschaut und fürs Foto mit angepackt.

Um die Familienfreundlichkeit der Marktgemeinde, Windkraft und mehr geht es im Interview mit Eiterfelds Bürgermeister Hermann-Josef Scheich.

Eiterfeld – Bürgermeister Hermann-Josef Scheich (62) blickt positiv gestimmt in die nähere Zukunft seiner Marktgemeinde Eiterfeld. Viele Investitionen sollen in naher Zukunft dazu beitragen, die Kommune in vielen Bereichen weiter aufzuwerten.

Eiterfeld ist mit seinem Gewerbegebiet wirtschaftlich bereits sehr gut aufgestellt. Gibt es derzeit weitere Unternehmen, die sich trotz der schwierigen Corona-Zeit in der Marktgemeinde ansiedeln möchten?

Wir beabsichtigen, das Gewerbegebiet zu erweitern. Wir haben etwa vier Hektar in Verlängerung des bestehenden Gebiets ausgewiesen. Es gibt lockere Anfragen. Aber in erster Linie dient es dazu, mittelfristig den bestehenden Gewerbetreibenden Möglichkeiten zu bieten, sich zu erweitern. Und natürlich auch, um auf spontane Anfragen direkt reagieren zu können.

Oder hat es andererseits in den vergangenen anderthalb Jahren wegen Corona gar ein „Betriebesterben“ im Eiterfelder Land gegeben?

Im Gewerbebereich haben wir keine Einschränkungen gehabt. Wir werden es aber mittelfristig weiter beobachten müssen, auch hinsichtlich der Auswirkungen auf die Gewerbesteuereinnahmen. Da vermute ich für die Jahre 2022 und 2023 doch einige Einschnitte. Das bezieht sich aber nur auf Gewerbe. Im Handwerk dagegen sieht es richtig gut aus. Da sind die Auftragsbücher voll. Besonders gelitten haben natürlich der Einzelhandel und die Gastronomie. Da hat es aus meiner Sicht die schwersten Einbrüche gegeben.

Jetzt soll weiter daran gearbeitet werden, die Marktgemeinde auch für junge Familien interessant zu machen. Ist die Familienförderung über das Baukindergeld da eine gute Lösung?

Ja, sicherlich. Die Kommunen leben von jungen Familien. Und die Nachfrage nach Bau- und Kindergartenplätzen steigt weiter. Wir sind in der Planung für einen neuen Kindergarten, der irgendwo im Kernort oder in unmittelbarer Nähe – in Leibolz oder Arzell – entstehen soll. Und wir bieten jedwede – auch finanzielle – Unterstützung, damit sich junge Familien das Bauen leisten können.

Und wenn das zieht, was wird dann mit Blick auf neue Baugebiete unternommen?

Wir erschließen aktuell ein Baugebiet in Leimbach, da ist die Auftragsvergabe erfolgt. Im kommenden Jahr können dort die ersten Baugrundstücke erworben und erschlossen werden. Da geht es um 14 Plätze. In einem nächsten Schritt folgen die Erschließung und die Bauleitplanung für das Baugebiet in Eiterfeld. Hier stehen uns perspektivisch 30 Plätze zur Verfügung, die wir erschließen wollen. In Arzell und Großentaft geht es mit der Bauleitplanung ebenfalls weiter. Es wird aber immer schwieriger, Neubaugebiete auszuweisen, da es landespolitisch gewollt ist, zunächst Leerstände in den Orten zu vermeiden. Es gilt Innen- vor Außenentwicklung. Wir als Kommune müssen da vom Gesetzgeber aber auch unterstützt werden, um an solche innerörtlichen Flächen überhaupt heranzukommen.

Wie ist es hinsichtlich junger Familien um die Kinderbetreuung aktuell bestellt?

Wir haben eine hohe Nachfrage. Das hat dazu geführt, dass wir in Großentaft eine Container-Lösung vorhalten werden, die in spätestens acht Wochen greifen soll.

In Sachen touristischer Infrastruktur sollen ja auch die vorhandenen Lücken im Radwegenetz geschlossen werden. Wie sieht es da derzeit aus?

Absolut positiv. Wir haben Anträge gestellt für drei Verbindungen. Von Großentaft nach Rasdorf, von Leimbach über Malges nach Hünfeld und von Oberweisenborn über Unterweisenborn nach Schenklengsfeld. Für alle drei Projekte sind uns Förderungen in Aussicht gestellt worden, sodass wir in die konkrete Planung einsteigen können.

Von welchen Summen sprechen wir da?

Für die Verbindung in Richtung Schenklengsfeld sind es 650 000 Euro. Von Großentaft nach Rasdorf werden 1,4 Millionen Euro benötigt. Und in Richtung des Hünfelder Stadtteils Malges sind es 400 000 Euro. Wir können davon ausgehen, dass diese Maßnahmen mit 80 Prozent gefördert werden. Vom Landkreis Fulda bekommen wir zusätzlich noch 20 Prozent auf die nicht förderfähigen Kosten. Derartige Unterstützungen sind auch absolut notwendig, da solche Projekte sonst überhaupt nicht umsetzbar wären.

Steht einer Entwicklung als familienfreundliche Kommune nicht die Entwicklung in Sachen Windkraft entgegen? Denn rund um Eiterfeld drehen sich bereits 17 Windräder und weitere acht sollen hinzukommen ...

In den Stellungnahmen zur Windkraftentwicklung wird immer auf eine negative touristische Entwicklung und die Beeinträchtigung des Landschaftsbildes hingewiesen. Dies wird dagegen vom Regierungspräsidium als Genehmigungsbehörde in Abrede gestellt. Derartige Einwände werden regelmäßig abgewiesen. Darüber lässt sich natürlich streiten. Ich persönlich bin nicht gegen Windkraft. Ich bin aber darüber enttäuscht, dass bei diesem Thema keinerlei Diskussion möglich ist. Wir haben jetzt bei Buchenau 15 Anlagen stehen. Ich hätte neun bis zehn für ausreichend erachtet. Ich finde es nicht gut, dass nun mit dieser Nachverdichtung versucht wird, den Mindestabstand zur Wohnbebauung von 1000 Metern fast auszuschöpfen, und die erste Anlage 1021 Meter vom ersten Wohnhaus entfernt aufgestellt wird. Wir werden aber mit guten Argumenten versuchen, die ein oder andere Anlage zu verhindern.

In der Marktgemeinde läuft noch ein Jahr lang mit Ikek ein gesamtkommunales Planungsverfahren, um geeignete Projekte zu suchen und umzusetzen. Was ist bereits geschehen und was ist noch angedacht?

Wir haben in den vergangenen Jahren viel umgesetzt. In diesem Jahr haben wir den Karl-Carstens-Platz und den Backofen in Ufhausen sowie den Gänseplatz in Körnbach eingeweiht. Also jeweils eine innerörtliche Verbesserung und Aufwertung. Jetzt steht aktuell noch die Sanierung des Dorfgemeinschaftshauses in Wölf mit einem Volumen von 1,1 Millionen Euro an. Weiterhin wird im kommenden Jahr das Dorfgemeinschaftshaus in Dittlofrod umgebaut.

Was sind denn innerhalb der Verwaltung für Veränderungen in der näheren Zukunft geplant?

Wir möchten da in erster Linie die Digitalisierung vorantreiben und den Weg hin zum papierlosen Rathaus einschlagen. Dabei soll auch das Ratsinformationssystem umgesetzt werden. Mit Petersberg, Hofbieber und Dipperz arbeiten wir zudem an der Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes. Nach diesem Gesetz hat die öffentliche Verwaltung ihre Dienstleistungen bis zum 31. Dezember 2022 den Bürgern online anzubieten. (Mario Reymond)

Zur Person

Hermann-Josef Scheich ist 62 Jahre alt und in Eiterfeld-Leimbach aufgewachsen. Nach der Mittleren Reife absolvierte er eine Ausbildung zum Energieanlagenelektroniker. Ende der 70er-Jahre machte er in Bad Hersfeld sein Fachabitur im Bereich Technik. Danach studierte er an der Fachhochschule in Gießen Elektrotechnik. Von 1986 bis 1994 arbeitete Scheich bei der Telekom im Bereich Satellitenfunk. Von 1994 bis 2000 war er beim Gewerbeaufsichtsamt des Regierungspräsidiums in Fulda tätig. Seit dem 1. August 2000 ist Scheich Bürgermeister der Marktgemeinde Eiterfeld. Er ist seit 1986 verheiratet, hat drei Töchter und drei Enkelkinder. Seine Hobbys sind das Segeln, das Rad- und Skifahren sowie das Wandern. (rey)

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