SOMMERINTERVIEW

Hohenrodas Bürgermeister Andre Stenda: „Sind für schwierige Zeiten gerüstet“

Das Bild zeigt Hohenrodas Bürgermeister Andre Stenda auf einer Holzliege am Himmelsschauplatz bei Soislieden.
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Kurze Verschnaufpause: Den Himmelsschauplatz bei Soislieden schätzt Hohenrodas Bürgermeister wegen des Panoramablicks in die Rhön, der beim Fototermin allerdings wolkenverhangen war.

Um die Folgen der Pandemie, den Rückzug der Kreditinstitute, den Glaserfaserausbau und den Posten des Ersten Kreisbeigeordneten geht es im Interview mit Bürgermeister Andre Stenda.

Hohenroda – Der Himmelsschauplatz bei Soislieden bietet eigentlich einen spektakulären Panoramablick auf die Berge der Rhön. Beim Fototermin mit Ande Stenda ist die Fernsicht zwar durch Regenwolken getrübt, im HZ-Sommerinterview gibt der Hohenrodaer Bürgermeister dennoch einen Überblick über die aktuelle Lage der Gemeinde.

Trotz niedriger Fallzahlen und Lockerungen wird auch dieser Sommer von der Pandemie bestimmt. Wie ist Hohenroda bislang durch die Krise gekommen?

Trotz zwischenzeitlich hoher Inzidenzzahlen sind wir bislang sehr gut durch die Krise gekommen. Mit Ausnahme von Gastronomie und Hotellerie konnten unsere Unternehmen weitgehend durcharbeiten. Nach meiner Wahrnehmung haben sich alle gut an die Beschränkungen gehalten. Das Virus kann man nicht wegdiskutieren. Wir werden zumindest auf Sicht lernen müssen, damit zu leben. Wir können auch nur hoffen, dass sich möglichst viele Menschen impfen lassen. Das mobile Impfteam des Landkreises ist da ein tolles Angebot.

Bringt die Krise die stabile Finanzlage der Gemeinde in Gefahr? Der aktuelle Haushalt weist immerhin ein Defizit von 693 500 Euro aus.

Die defizitären Haushalte 2021 und 2022 sind nicht Corona geschuldet, sondern hohen Gewerbesteuerausgleichszahlungen, die sich nun im Umlagesystem negativ auswirken. Wenn man die betreffenden Jahre allerdings in Summe betrachtet, bleibt unterm Strich noch etwas für die Gemeinde übrig. Durch Corona gab es bislang keine finanziellen Einschnitte. Was noch kommen wird, weiß man nie. Aber wir sind haushaltstechnisch erstmal gut gerüstet, auch für schwierigere Zeiten.

Die im vergangenen Jahr beschlossene Grundsteuersenkung kann sich die Gemeinde also leisten?

Ja, definitiv. Das war gerade nach den Einschnitten durch den Schutzschirm ein wichtiges Signal. Diese Entlastung ist auch für die Dauer bestimmt.

Im vergangenen Jahr wurde bekannt, dass Hohenroda offenbar schon im Jahr 1984 Hinweise auf die fehlerhafte Gewerbesteuer-Zerlegung hatte. Steht inzwischen fest, warum die Neuaufteilung nicht viel früher beantragt wurde und ob die Gemeinde Regressansprüche geltend machen kann?

Wir haben glücklicherweise im Jahr 2014 die Neuaufteilung beantragt und rückwirkend bis zum Jahr 2007 eine Nachzahlung nach der korrekten Rechtslage erhalten. Alles andere ist verjährt. Das müssen wir akzeptieren. Wir haben zwischenzeitlich auch die Rückmeldung von der Kommunalaufsicht bekommen, dass die Gemeinde keine Regressansprüche geltend machen kann. Damit können wir jetzt einen Haken an die Sache machen und uns voll und ganz auf die bevorstehenden Herausforderungen konzentrieren.

Nach der Sparkasse hat jetzt auch die Raiffeisenbank Werratal-Landeck ihren Rückzug aus dem größten Ortsteil Ransbach angekündigt. Die Proteste dagegen sind verhalten ausgefallen – gibt es womöglich gar keinen Bedarf mehr für ein solches Angebot vor Ort?

Natürlich sind wir nicht vergleichbar mit dem Einzugsgebiet größerer Städte. Dennoch hat jede Kommune das Ziel, eine gewisse Infrastruktur aufrecht zu erhalten. Ich kann auch verstehen, dass in Zeiten der Digitalisierung vieles nur noch über den PC und nicht mehr über den Bankschalter läuft. Dennoch stelle ich mir die Frage, ob die regionalen Banken hier die richtigen Wege gehen, wenn sie dem ländlichen Raum den Rücken kehren. Es wäre schöner gewesen, darüber nachzudenken, insbesondere den Älteren kürzere Wege zu bieten. Für die Gemeinde Hohenroda sind mit dem Rückzug durch den Wegfall der Arbeitsplätze sowie der Gewerbesteuer und Umsatzsteueranteile große Einbußen verbunden. Ob das dem Solidaritätsgedanken entspricht, stelle ich in den Raum.

Die TNG Stadtnetz hat flächendeckende Glasfaser-Hausanschlüsse für Hohenroda in Aussicht gestellt. Wurde die dafür notwendige Anschluss-Quote von 40 Prozent der Haushalte zum Stichtag 31. Juli erreicht?

Nein, aktuell liegt die Quote der TNG bei 22 Prozent. Das ist ernüchternd. Der Aktionszeitraum soll aber noch einmal verlängert werden, was in meinen Augen auch richtig ist. Schließlich ist der Juni für die Akquise durch die Corona-Beschränkungen ins Wasser gefallen. Für uns als Gemeinde ist es letztlich egal, welcher Anbieter den Ausbau umsetzt. Wichtig ist, dass Glasfaseranschlüsse bis ins Haus verlegt werden. Die Frage ist in meinen Augen nicht, ob das irgendwann notwendig sein wird, sondern lediglich wann. Das zeigt schon die rasante Entwicklung vom 56k-Modem zu den aktuellen Bandbreiten.

Wie erklären Sie sich die Zurückhaltung: Ist der Bedarf doch geringer als vermutet oder ist diese Technik schlicht zu teuer?

Bei den monatlichen Kosten nehmen sich die Anbieter nicht viel, daran kann es eigentlich nicht liegen. Aktuell reichen die verfügbaren Bandbreiten vielen gegebenenfalls noch aus. Es muss mehr kommuniziert werden, dass man mit dem Glasfaser-Anschluss keine Entscheidung für heute trifft, sondern um in absehbarer Zeit nicht wieder in die Bredouille zu kommen.

Der Förderverein Werra-Fulda-Bahn will das Reststück der Hersfelder Kreisbahn jetzt den Anrainerkommunen anbieten. Wie stehen Sie persönlich dazu – kaufen oder lieber die Finger davon lassen?

Ich halte es für den richtigen Schritt, zunächst einmal die Kommunen zu fragen, bevor man weitere Interessenten sucht. Ich kann mich aktuell noch nicht positionieren und gehe ergebnisoffen in die Verhandlungen. Zunächst muss ein offizielles Angebot des Vereins vorliegen und feststehen, welche Kosten damit verbunden sind und welche Entwicklungsmöglichkeiten es für die Strecke gibt. Erst dann kann man sich festlegen. Das muss in meinen Augen im Austausch mit den Nachbargemeinden passieren und dann in den Gemeindegremien diskutiert und entschieden werden.

Das Demenzdorf in Mansbach ist noch immer in der Planungsphase. Sehen Sie noch eine realistische Chance für die Umsetzung?

Definitiv ja. Wir sind inzwischen weiter denn je. Bei den Gesprächen zwischen Investoren und Betreiber haben wir kürzlich einen erheblichen Schritt nach vorne gemacht. Auch die Bauleitplanung läuft. Gegenüber der ersten Offenlegung planen wir eine kleine Veränderung: Wir streben zusätzlich an, etwas für die Nahversorgung zu tun und ein Dorflädchen zu integrieren. Das wäre ein schönes Verbindungselement zur Bevölkerung. Dazu laufen die Gespräche aber noch.

Man munkelt, dass sie gerade Ihre Kandidatur als Erster Kreisbeigeordneter vorbereiten. Haben Sie Ambitionen auf diesen Posten?

Gemunkelt wird immer viel. Sicherlich handelt es sich dabei um einen interessanten Posten. Sollte es in meinem Werdegang etwas Neues zu berichten geben, wird es die Hersfelder Zeitung als Erstes erfahren.

Ein klares Nein klingt anders!

(lacht) Ein klares Ja auch.

Zumindest eine Stimme aus der SPD-Fraktion wäre Ihnen wohl sicher?

(lacht) Sicher ist nichts, aber möglich. (Stendas Frau Olivia gehört der SPD-Fraktion im Kreistag an, Anm. d. Red.)

Jetzt hat die Kommunalpolitik ohnehin erst mal Sommerpause. Wie verbringen Sie Ihren Urlaub?

Wir haben mit der Bürgermeister-Fußballnationalmannschaft eine Fahrt zu einem Benefizturnier mit ehemaligen Weltmeistern des DFB für die Hochwassergebiete vor uns. Ich spiele zwar aus gesundheitlichen Gründen selbst nicht mit, möchte die Betroffenen im Rahmen meiner Möglichkeiten dennoch unterstützen. Ansonsten verbringe ich den Urlaub heimatnah und werde gemeinsam mit meiner Frau versuchen, unsere Gegend zu genießen. Es gibt ja auch in unserer Region zahlreiche schöne Ecken. (Jan-Christoph Eisenberg)

Zur Person

Andre Stenda (35) ist in Trendelburg (Kreis Kassel) aufgewachsen. Nach dem Abitur absolvierte er eine Ausbildung zum Industriekaufmann und zeitgleich ein Bachelorstudium der Betriebswirtschaftslehre. Nach dem anschließenden Masterstudiengang der Personalwirtschaftslehre arbeitete Stenda bei der Kasseler Verkehrs- und Versorgungs-GmbH, zuletzt als Leiter der Kreditorenbuchhaltung. Parallel engagierte er sich kommunalpolitisch bei den Freien Wählern, unter anderem als Stadtverordnetenvorsteher von Trendelburg und Kreisbeigeordneter im Landkreis Kassel. 2013 wurde Stenda mit 70,7 Prozent der Stimmen zum Bürgermeister von Hohenroda gewählt und 2019 mit 90,1 Prozent im Amt bestätigt. Er setzte sich jeweils gegen zwei Mitbewerber durch. Andre Stenda ist verheiratet und lebt im Feriendorf am Hessen Hotelpark. In seiner Freizeit kickt er für die alten Herren Hohenroda sowie die Bürgermeister-Nationalmannschaft und engagiert sich in der Feuerwehr Oberbreitzbach. Weitere Hobbys sind Joggen und Radfahren. (jce)

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