Sommerinterview mit Jochen Schmidt (parteilos)

Alheims Bürgermeister will das Kirchturmdenken überwinden

Der See am Alheimer Schlachtschiff gehört zu den Lieblingsorten von Bürgermeister Jochen Schmidt in seiner Gemeinde Alheim. Er würde hier gerne eine Bademöglichkeit schaffen.
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Der See am Alheimer Schlachtschiff gehört zu den Lieblingsorten von Bürgermeister Jochen Schmidt in seiner Gemeinde Alheim. Er würde hier gerne eine Bademöglichkeit schaffen.

Alheim – Im Sommerinterview spricht Alheims Rathauschef Jochen Schmidt über das Wir-Gefühl in seiner Gemeinde, Lernsituationen im neuen Beruf und darüber, wie die Alheimer ticken.

Herr Schmidt, Sie leben nun seit fast fünf Monaten in Alheim. Welcher ist ihr Lieblingsort?

Einer meiner Lieblingsorte ist auf jeden Fall das Schlachtschiff. Deswegen wäre ich auch sehr froh, wenn wir den See hier zum Baden ausbauen könnten. Der Ort ist wirklich eine Attraktion. Hier ist es ruhig, hier kann man Kraft tanken. Außerdem bin ich stolz, dass der Lindenplatz jetzt unter anderem mit der gespendeten Bank von der EAM aufgewertet wurde. Der war vorher so ein bisschen zum Hundeklo geworden, haben mir Anwohner berichtet. Auch dieser Ort wird nun als Platz zum Ruhe finden reaktiviert. Das freut mich, wenn ich so etwas bewegen kann. So lerne ich die Gemeinde immer mehr kennen und sehe, dass das Dorfleben in Heinebach und auch in allen anderen Ortsteilen sehr intakt ist.

Wie ticken die Alheimer?

Sehr freundlich. Ich werde oft erkannt und gegrüßt. Viele sprechen mir Kraft und Mut zu. Das geht denke ich auch anderen Menschen in unserer Gemeinde so und ist eine tolle Eigenschaft der Alheimer, dass man so offen und herzlich willkommen geheißen wird.

Wem drücken Sie die Daumen: den Fußballern der SG Heinebach/Osterbach, der SG Gudegrund/Konnefeld oder dem TSV Baumbach?

Ich halte es mit allen drei Vereinen. Sie sind mir alle gleich wichtig und wertvoll. Alle können sich melden, wenn sie Hilfe benötigen. Da mache ich natürlich keine Unterschiede. Die Klubs haben alle ihre Tradition.

Im Wahlkampf haben Sie für ein besseres Wir-Gefühl in der Gemeinde geworben. Wie geht es damit voran?

Der Badesee wäre zum Beispiel ein Projekt, das natürlich für ganz Alheim da sein soll. Das Gleiche gilt für den Multifunktionsplatz mit Skateranlage, der in Heinebach in der Borngasse entstehen soll. Wir müssen das Kirchturmdenken überwinden. Es spielt keine Rolle, ob jemand aus Niedergude oder Oberellenbach kommt. Wir sollten uns alle als Alheimer fühlen.

Wie kann man das erreichen?

Indem wir verständlich erklären, was wir wo machen. Es darf nicht das Denken entstehen, dass bei den anderen etwas gemacht wird und im eigenen Dorf vielleicht nicht. Alle zehn Ortsteile sind zum Beispiel im Ikek-Programm vertreten. Zur Transparenz gehört auch die Neuauflage unserer Internetseite, die im Gemeindevorstand schon beschlossen worden ist und im Herbst eingerichtet werden soll. Dann wird vieles schon aus technischen Gründen leichter einsehbar. Damit sich alle informieren können, werden auf der Internetseite zum Beispiel schon jetzt die Niederschriften der Ortsbeiratssitzungen veröffentlicht. So kann jeder sehen, was in den anderen Ortsteilen gefordert oder thematisiert wird.

Im Bundestagswahlkampf wird die Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock dafür kritisiert, dass sie keinerlei Regierungserfahrung hat – so wie auch Sie bei Ihrem Amtsantritt als Bürgermeister. Wie viel Learning by Doing gibt es in Ihrem Beruf?

Zunächst mal möchte ich sagen, dass wir mit unseren politischen Kandidaten sehr kritisch umgehen und ziemlich hohe Anforderungen und Maßstäbe haben. Man muss sehen, dass es da um Menschen geht, die auch auf Unterstützung von Mitmenschen und Mitbürgern angewiesen sind. Man sollte nicht in jeder Äußerung Inkompetenz oder Schwächen suchen. Auch die Bundespolitiker sollte man bei ihrer Arbeit unterstützen, die Politiker wiederum müssen lernfähig und kritikfähig sein.

Und wie ist es bei Ihnen?

Für mich ist vieles neu. Vieles ist Learning by Doing. Jeden Tag lerne ich ein Stück weit mehr dazu. Ich war durch meine frühere Mitarbeit im Ortsbeirat schon vorgeprägt, aber es gibt ständig neue Situationen. Ich habe den Eindruck, dass man mir sehr offen gegenüber tritt. Es werden natürlich auch mal die ein oder anderen kritischen Stimmen kommen. Es gibt immer Menschen, die sich etwas anders vorgestellt haben. Da ist es wichtig, mit sich selbst Gelassenheit zu üben, wenn andere nicht gelassen mit einem umgehen können.

Sie haben vor Amtsantritt versprochen, für mehr Transparenz zu sorgen und die Ortsbeiräte mehr einzubeziehen. Auch ihre Ortsrundgänge, die Sie im Wahlkampf gemacht haben, wollten Sie fortführen. Hat es seit ihrem Amtsantritt schon welche gegeben?

Ja, zum Beispiel eine Friedhofsbegehung in Baumbach und eine Ortsbesichtigung am Steinbruch Schenkkopf. Solche Rundgänge können gerne jederzeit von den Ortsbeiräten angeregt werden. Bei Bedarf schlage ich das auch selber vor. Es ist wichtig, dass ich vor Ort bin. Deswegen war ich bislang bei jeder Ortsbeiratssitzung, und das soll auch künftig die Regel sein.

Wie gut wird die Bürgermeister-Sprechstunde angenommen?

Sehr gut. Es gibt oft so viel Interesse, dass Gespräche auf den nächsten Tag oder die nächste Woche verschoben werden müssen.

Kritik an zu wenig Transparenz gab es von einigen Seiten rund um die Pläne zum Steinbruch am Schenkkopf. Können Sie die Kritik nachvollziehen?

Das kann ich noch gar nicht so richtig beurteilen. Ich weiß nicht, wie die Geschichte letztes Jahr (vor Schmidts Amtsantritt, Anmerkung der Redaktion) abgelaufen ist, als die Entscheidung zum Verkauf des Geländes in der Gemeindevertretung gefallen ist.

Wann sind die neuen Feuerwehrhäuser in Baumbach und Sterkelshausen einsatzbereit?

Da ist alles auf dem Weg. In Sterkelshausen wird jetzt noch gepflastert. Spätestens Ende des Jahres sind beide Feuerwehrhäuser einsatzbereit.

Wie viele Urlaubstage haben Sie bisher genommen?

Noch gar keine.

Und wenn Sie mal durchatmen wollen?

Dann fahre ich an einem freien Wochenende mal weg, zum Beispiel zu meiner Familie nach Hannover. Meine Mutter ist 86 Jahre alt, sie lebt in einem Altenpflegeheim in der Nähe meiner Schwester. Da kehre ich dann gestärkt nach Alheim zurück. Oder es gibt mal einen Ausflug auf die Wasserkuppe.

Was ist mit echtem Urlaub?

Der war für die erste Septemberwoche geplant, aber da ist nun Gemeindevertretersitzung. Also bleibt es auch da bei Kurzausflügen. Ich fahre mit meiner Partnerin zum Schwimmen und Radfahren in den Harz.

Zur Person

Jochen Schmidt (53) stammt aus Frielendorf im Schwalm-Eder-Kreis. Nach Fachabitur und Wehrdienst studierte er in Kassel Sozialpädagogik, Politik- und Sozialwissenschaften. In der Jugendberufshilfe war er unter anderem in Schwalmstadt und Berlin tätig. Im Bereich Rechtsextremismus hat er Opfer und Aussteiger betreut. Jugendpfleger in Alheim war Schmidt 2014 und 2015, danach Familienberater und Therapeut beim Diakonischen Werk Hersfeld-Rotenburg. Seit 1. März ist er Bürgermeister. Seine Hobbys sind Schwimmen, Radfahren und er schaut sich gern Eishockey- und Fußballspiele an. Schmidt lebt mit seiner Partnerin in Heinebach. dup/czi

Von Christopher Ziermann

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