SOMMERINTERVIEW mit dem Niederaulaer Rathauschef

Bürgermeister Thomas Rohrbach: „Politisch ist es nicht mehr ganz so hitzig“

Das Bild zeigt Niederaulas Bürgermeister Thomas Rohrbach beim Torschuss auf dem alten Sportplatz direkt neben der Gesamtschule.
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Auf Rasen klappt es schon: Niederaulas Bürgermeister Thomas Rohrbach zieht ab und versenkt das Leder in den Maschen auf dem alten Sportplatz direkt neben der Gesamtschule. Auf dieser Fläche soll bis zum Jahr 2025 über ein Förderprogramm des Bundes das Projekt Sportpark verwirklicht werden.

Um die Stimmung seit der Kommunalwahl und anstehende Projekte geht es im Sommerinterview mit Niederaulas Bürgermeister Thomas Rohrbach.

Niederaula – In der Marktgemeinde Niederaula stehen in naher Zukunft viele Projekte an. Über den Stand der Umsetzung und die allgemeine politische Lage nach den veränderten Mehrheitsverhältnissen im Anschluss an die Kommunalwahl vom vergangenen März haben wir mit Bürgermeister Thomas Rohrbach gesprochen.

Wie haben Sie persönlich auf das Ergebnis der Kommunalwahl vom 14. März reagiert?

Zufrieden. Das Ergebnis hat ja für unsere Marktgemeinde einen Wechsel aufgezeigt, weg von den bisherigen Mehrheitsverhältnissen. Nichtsdestotrotz bin ich wie in den vergangenen Jahren darum bemüht, mit allen Fraktionen zusammenzuarbeiten. Wenn ich Themen habe, lade ich zu interfraktionellen Sitzungen ein. Gerne komme ich auch zu Fraktionssitzungen. Das wird aber nicht von allen Seiten angenommen. Es gehört zu guter Verwaltungsarbeit dazu, dass man sich im Vorfeld austauscht.

Hat sich nach der Kommunalwahl und mit Blick auf die veränderten Mehrheiten in der Gemeindevertretung bereits etwas verändert?

In den Sitzungen ist schon erkennbar, dass es nicht mehr ganz so hitzig ist. Ich gehe davon aus, dass wir schon bald wieder zur Sachpolitik werden übergehen können.

Wie ist es aus Ihrer Sicht um das politische Klima in der Marktgemeinde bestellt?

Im Gemeindevorstand funktioniert die Zusammenarbeit bislang sehr gut. In der Gemeindevertretung müssen sich die Protagonisten vor der Presse natürlich immer etwas reiben. Das ist ganz klar. Aber ich hoffe, dass alles wieder etwas ruhiger werden wird. Die Ansätze sind schon da, damit wir dann auch in der Verwaltung wieder vernünftig arbeiten können.

Fällt Ihnen die Arbeit in der Verwaltung nun leichter?

Wir haben immer einen gewissen Wandel in der Verwaltung. Da müssen wir auch schon mal den ein oder anderen Arbeitsplatz anders besetzen. Allein schon wegen Krankheit oder Ruhestand. Wir sind gerade dabei, uns neu aufzustellen. In Kürze werden wir in der Bauverwaltung noch einmal eine Stelle ausschreiben, um das bevorstehende Pensum – Kindergartenneubau, neues Feuerwehrgerätehaus, Sportpark und Ikek – bewältigen zu können. Das alles bedeutet einen immensen Arbeitsaufwand. Die Mitarbeiter im Bauamt schieben schon sehr viele Überstunden vor sich her. Das ist klar, da sämtliche Planungen für die Hochbauten von unserem Bauamt selbst übernommen werden.

Wie gestaltet sich die Wohnbebauung in Niederaula?

Wir warten aktuell auf die Genehmigung der Änderung des Flächennutzungsplans für den zweiten Bauabschnitt im Neubaugebiet „Über der Stedtemühle“. Da gibt es knapp 60 Interessenten für die vorhandenen etwa 25 Bauplätze. Ich gehe davon aus, dass wir all diese Plätze im Laufe des nächsten Jahres veräußert haben werden. Nach aktuellem Stand werden wir dann nur noch einen einzigen gemeindlichen Bauplatz vorhalten können.

Sollen weitere Flächen ausgewiesen werden?

Durch das Ikek wird eher die Innenentwicklung im Vordergrund stehen. Aber auch dort wird es Möglichkeiten geben, neuen Wohnraum zu schaffen. Wir werden natürlich weiterhin bemüht sein, in dem ein oder anderen Ortsteil kleinere Baugebiete auszuweisen. Gerade dann, wenn es im Innenbereich möglich sein sollte. Mir schwebt da Kerspenhausen vor, das ja durch eine große Grünfläche praktisch geteilt ist. Aber auch da müssen die privaten Grundstücksbesitzer mitspielen.

Und wie wird im Hinblick auf immer mehr versiegelte Flächen und zu erwartende höhere Einträge in das Kanalnetz mit Blick auf etwaige Hochwasserlagen reagiert?

Wir versuchen ja, über den Bebauungsplan schon viele Dinge zu schaffen, die dann auch eingehalten werden müssen. So müssen im Neubaugebiet Stedtemühle von den Bauwilligen Zisternen zum Regenrückhalt errichtet werden. Außerdem schließen wir dort großflächige Steingärten aus, sodass die Niederschläge auch versickern können. Beim Kindergartenneubau haben wir ein Gründach geplant. Beim Feuerwehrneubau werden wir uns ähnlich positionieren. So versuchen wir, verschiedene Themen verpflichtend für Bauherren zu verankern, um hier auch etwas für den Klimaschutz zu tun.

Wie ist es mit Blick auf die Jossa überhaupt um den Hochwasserschutz bestellt?

Wir haben an den kleinen Bächen teilweise schon Renaturierungsmaßnahmen vorgenommen und wollen das auch weiter vorantreiben. Bei der Fulda hat man ja bereits gesehen, wie positiv sich Retentionsräume bei Hochwasserlagen auswirken. Auch der Thematik Starkregenereignisse werden wir uns widmen. Wir stehen da mit einem Ingenieurbüro in Kontakt. Wir müssen und werden unser Möglichstes tun.

Das gemeinsam mit Kirchheim betriebene Gewerbegebiet Friedrichsfeld ist bereits voll. Gibt es Bestrebungen, neue Flächen auszuweisen?

Aktuell wird auf der großen Fläche gebaut. Und im kommenden Jahr geht es auf der kleinen Fläche weiter, sodass dann alles voll ist. Nutzer und Mieter sind noch nicht da, das wird aber in Kürze wohl geschehen. Gewerbeflächen werden rar. Wir haben noch im Bereich der Autobahnauffahrt Niederjossa Flächen, die wir möglicherweise umwidmen können, da stehen wir aber noch ganz am Anfang. Dort müsste man natürlich erst einmal eine Einigung mit den Eigentümern erzielen. Es muss am Ende wirtschaftlich darstellbar sein, weil wir dort auch über 45 Meter Höhenunterschied sprechen. Weitere geeignete Flächen haben wir dann nicht mehr.

Ist der Förderantrag für das neue Feuerwehrgerätehaus im Kernort beim Brandschutzamt des Landkreises bereits gestellt worden? Die Frist läuft ja zum 31. August ab ...

Das stimmt. Wir haben die Planunterlagen zusammengestellt. Wir wollen uns noch einmal abstimmen, sodass die Unterlagen rechtzeitig vorliegen werden.

Wie sehen Sie die Chancen auf zeitnahe Umsetzung dieses gemeindepolitisch höchst umstrittenen Projekts?

Wir hoffen, zunächst einmal ziemlich hoch auf der Prioritätenliste des Landkreises zu landen, zumal wir auch eine Autobahnfeuerwehr sind. Die ersten Signale aus dem Brandschutzamt beim Landkreis stimmen mich positiv. Ich weiß aber nicht, wer sonst noch bis zum 31. August Förderanträge stellen wird. Wir haben schon die Hoffnung, auf der Prioritätenliste recht weit oben zu landen, damit wir das Projekt in den kommenden Jahren auch umsetzen können.

Wird der im Bau befindliche Kindergarten für eine Entspannung bei der Kinderbetreuung sorgen oder muss dort schon bald wieder nachgebessert werden?

Der Platz sollte dann ausreichen. Wenn die Geburtenrate in unserer Marktgemeinde jedoch exorbitant nach oben geht, dann werden wir nachbessern müssen. Der Neubau wird definitiv zu einer Entspannung beitragen. Natürlich müssen wir die Entwicklung im Blick behalten. Über viele Geburten würden wir uns freuen.

Wie sieht die weitere Vorgehensweise beim Projekt Sportpark Aulatal aus? Von den förderfähigen Kosten in Höhe von 4,53 Millionen Euro müsste die Gemeinde ja 2,49 Millionen Euro selbst berappen.

Wir müssen auch dort bis zum Monatsende einen Förderantrag stellen. Die Unterlagen liegen gerade auf meinem Tisch. Wir haben die Kosten untermauert und von der Planung her alles konkretisiert. Wir gehen also davon aus, dieses Projekt bis 2025 fertigstellen zu können. Bis dahin haben wir Zeit. (Mario Reymond)

Zur Person

Der Niederaulaer Thomas Rohrbach (50) ist seit dem 1. Februar 2009 Bürgermeister in seiner Heimatgemeinde Niederaula. Am 1. November 2020 wurde er mit großer Mehrheit (68,55 Prozent) gegen seinen damaligen Gegenkandidaten, den Ersten Beigeordneten Gerhard Eckstein aus Mengshausen, in seine dritte Amtszeit gewählt. Während seines Fachabiturs im Bereich Wirtschaft und Verwaltung in Bebra hatte er 1987 bereits ein Jahrespraktikum in der Niederaulaer Gemeindeverwaltung absolviert. Der gelernte Bankkaufmann leitete die Filiale der VR-Bank an der Dudenstraße in Bad Hersfeld und war von 2001 bis 2009 Mitglied der Niederaulaer Gemeindevertretung. Thomas Rohrbach engagiert sich im SV Niederaula. Er ist verheiratet und hat drei Söhne. (rey)

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