Sommerinterview

Nentershausens Bürgermeister Ralf Hilmes (SPD) spricht über Hoffnung, Homeoffice und Hilfstransporte

Ralf Hilmes auf dem Soisberg bei Hohenroda-Soislieden mit Blick auf die Kuppenrhön.
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Gut entspannen kann Bürgermeister Ralf Hilmes auch bei Ausflügen durch den schönen Landkreis Hersfeld-Rotenburg: Das Foto zeigt ihn auf dem Soisberg bei Hohenroda-Soislieden mit Blick auf die Kuppenrhön.

In der Sommerpause interviewen wir alle Bürgermeister im Landkreis Hersfeld-Rotenburg. Heute: Ralf Hilmes aus Nentershausen.

Nentershausen - Er ist dafür bekannt, selten um eine Antwort verlegen zu sein: Nentershausens Bürgermeister Ralf Hilmes (SPD) lenkt nun bereits seit dem Jahr 2007 die Geschicke seiner Gemeinde. Im Sommerinterview mit HNA-Redakteur René Dupont spricht der 56-Jährige, der Zeit seines Lebens in Nentershausen wohnt, über die Herausforderungen, vor die die Corona-Pandemie seine Kommune stellt. Zudem berichtet er, welche wichtigen Projekte in Nentershausen mit dem neu gewählten Parlament nun in Angriff genommen werden sollen und was ihn ganz persönlich in jüngster Zeit am meisten beeindruckt hat.

Herr Hilmes, wir haben viele schlechte Nachrichten verdauen müssen in letzter Zeit, deshalb zum Einstieg erstmal die Frage: Gibt es in diesen schwierigen Zeiten auch positive Nachrichten aus der Gemeinde Nentershausen?

Natürlich war auch für uns die Corona-Pandemie die größte Herausforderung. Aber wir sind unterm Strich gut durch die Krise gekommen – auf jeden Fall, was unsere Bauprojekte angeht. Eines der wichtigen Projekte, die für dieses Jahr geplant sind, ist vor wenigen Tagen abgeschlossen worden. Die Löschwasserversorgung im Industriegebiet Reichenberg bei Dens mussten wir neu organisieren. Die Gemeinde hat dafür früher auf einen Hochbehälter zurückgegriffen. Das erlaubt die Trinkwasserverordnung nicht mehr. Die Gemeinde muss jetzt im Industriegebiet 200 Kubikmeter Wasser vorhalten. Das sind 200 000 Liter. Dafür wurden zwei Löschwasser-Erdtanks aus Stahl frostsicher in die Erde eingebaut. Im Haushalt der Gemeinde sind für dieses Projekt 120 000 Euro eingeplant.

Um die Löschwasser-Versorgung sicherzustellen, wurden im Industriegebiet Reichenberg zwei große Tanks in die Erde eingebaut. Die Arbeiten wurden vor wenigen Tagen abgeschlossen.

Läuft es mit den anderen Projekten auch so gut?

Ja. Die Arbeiten für das neue Feuerwehrgerätehaus in Süß haben wir frühzeitig ausgeschrieben. Es steht kurz vor der Fertigstellung. Wir hatten dort keine Probleme mit fehlenden Baustoffen, wie es andere zurzeit haben. Auch bei der Sanierung der Kanäle und Wasserleitungen in Süß läuft alles ohne Probleme nach Plan. Im Bergarbeiterpark konnten wir ein neues Spielgerät aufstellen. Ein Projekt allerdings wollen wir vorsichtshalber auf nächstes Jahr verschieben: die Sanierung des Lindenauer Wegs in Weißenhasel. Die Ausschreibung der Arbeiten bereiten wir vor. Wir müssen aber mit einem drohenden Materialmangel und einer hohen Auslastung der Betriebe in diesem Jahr rechnen. Deshalb schieben wir das Projekt, in der Hoffnung im nächsten Jahr ein gutes Ergebnis zu erzielen, was die Kosten angeht.

Warum ist es Ihnen so wichtig, gerade jetzt zu investieren?

Betriebe sind in Schieflage gekommen, Arbeitsplätze bedroht. Die Kommunen müssen investieren, auch wenn die Finanzlage schlecht ist, damit die Bürger in Brot und Arbeit bleiben.

Gab es Probleme im Freibad?

Unser Freibad ist groß. Auch deshalb gab es keine Probleme. Die mit Betreiber Thimet erarbeiteten Hygieneregeln haben gegriffen. Die Bürger waren vernünftig und haben sich an alle Spielregeln gehalten.

Was hat die Gemeinde in der Corona-Pandemie besonders belastet?

Für uns war die Entscheidung schwierig, ob wir die Mitarbeiter der Verwaltung vor Ort arbeiten lassen oder ins Homeoffice schicken. Um den direkten Draht zu den Bürgern aufrecht zu erhalten, haben wir uns dafür entschieden, sie mit Schutz-Regelungen vor Ort zu belassen. Das war für die Bürger wichtig und Stand heute auch die richtige Entscheidung. Auch der Bauhof hat in Zweier-Trupps sehr gute Arbeit geleistet. Schwierig war auch, immer wieder neue gesetzliche Corona-Vorgaben umsetzen zu müssen. Finanziell hat uns die Pandemie hart getroffen. Die Gemeinde hatte mit Einnahmen aus der Gewerbesteuer für 2020 von 924 000 Euro gerechnet, am Ende des Jahres waren es dann tatsächlich nur 196 000 Euro. Aus diesem Grund war der Spardruck riesig. Den Haushalt 2021 konnten wir deshalb zunächst nicht aufstellen und waren so die ersten vier Monate nur eingeschränkt handlungsfähig. Wir hätten uns vom Land Hessen schon eine bessere Finanzausstattung gewünscht. Zuvor hatten wir fünf ausgeglichene Haushalte vorgelegt.

Was will die Gemeinde in naher Zukunft für Projekte anpacken?

Mit dem neuen Parlament haben wir so Einiges auf der Agenda: die Verbesserung der ärztlichen Versorgung, die Erschließung eines Neubaugebiets, den Ausbau der digitalen Angebote, die Erweiterung des Gewerbegebiets Husarenpark in der Gemarkung Weißenhasel, die Aufnahme in das Dorfentwicklungsprogramm und die Erweiterung des Radwegenetzes von Süß nach Richelsdorf. Vor allem müssen wir aber auch so schnell wie möglich das Vereinsleben wieder auf die Beine stellen. Wir müssen die Menschen sensibilisieren, damit sie die Regeln einhalten und zum Beispiel der Kindergarten nicht wieder neue Einschränkungen hinnehmen muss. Wir müssen so schnell wie möglich zur Normalität zurückkehren können. Und das geht nur mit eiserner Disziplin. Wir müssen die Spielregeln einhalten.

Was war für Sie persönlich das eindrücklichste Erlebnis in letzter Zeit?

Ich konnte vor kurzem einen Hilfstransport in das Krisengebiet begleiten, das von den Fluten überrollt worden ist. Organisiert hatten ihn Nentershäuser. Wir waren in Bad Neuenahr. Die Flutwellen haben in dem Landkreis die komplette Infrastruktur zerstört. Bahnschienen weg, Straßen weg, Häuser weg. Da lagen 150 Autos aufgetürmt übereinander. Unvorstellbar. Das hat mich sehr bewegt. Es wird Jahre dauern, das wieder aufzubauen. Die Hoffnungslosigkeit und das Leid, das Menschen in mehreren Krisengebieten in Europa zurzeit ertragen müssen, ist nicht in Worte zu fassen.

Haben Sie Urlaub geplant, um mal zu entspannen?

Ich nehme meinen Urlaub nur tageweise. Wegen der Pandemie halten wir es zurzeit nicht für angemessen, Urlaub zu machen. Ich kann aber trotzdem alle gut verstehen, die jetzt in Urlaub fahren. Nach den sehr anstrengenden Monaten fehlt auch mir diese Auszeit sehr.

Zur Person

Ralf Hilmes (56) ist am 19. Mai 1965 geboren und lebt seither in Nentershausen. Hilmes ließ sich zunächst bei Kali und Salz zum Bergmechaniker ausbilden. Später folgten Studiengänge zum Bergtechniker und Umweltschutztechniker. Von 1993 an arbeitete er als Umweltschutztechniker in der Abfallwirtschaft in Bad Hersfeld. Seit 1. Januar 2007 ist er Bürgermeister der Gemeinde Nentershausen. Hilmes ist auch Mitglied der SPD-Fraktion im Kreistag. Seit 2014 ist er mit Ute Griesche verheiratet.

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