Fotokünstler bettet große Dinge in kleine ein – neuer Bildband über Bebra

Er spielt mit dem Maßstab

Faszinierende Collagen: Der Fotograf und Grafikdesigner Axel Beyer gestaltet aus Bebraer Motiven Foto-Collagen, die den Betrachter erst einmal irritieren. Diese Collage zeigt die Straße Am Flößchen, die in ein leer stehendes Büro montiert wurde. Repro:  Meyer

Bebra. Kurios: Über den großen Bahnhof spannt sich das Dach eines verfallenden Bebraer Gewächshauses, ganze Straßenzüge drängen sich in leerstehenden Geschäftsräumen und Gebäude stehen puppenhausartig auf dem Tisch eines verlassenen Wohnzimmers. Der Hamburger Fotograf Axel Beyer hat einen Bilband gemacht, dessen Collagen Bebraer Motive den Betrachter verwirren und verwundern.

Beyers Schwiegermutter wohnt in Bebra. Seit Jahren besucht Beyer mit seiner Frau immer wieder deren Geburtsort. Hier machte er zahllose Streifzüge mit der Fotokamera und schielte dabei nach den Aspekten der Stadt, die nicht die Schokoladenseite zeigen: Leerstehende Geschäftsräume, verlassene Häuser mit heruntergelassenen Jalousien, verfallende Gebäude. „Morbide Welten ziehen mich an“, erklärt er.

Im Stadtarchiv entdeckte er dann das Miniaturrathaus in der Glasvitrine. Da entstand die Idee: Spielen mit den Maßstäben, das Große ins Kleine einbetten. Die faszinierenden Collagen funktionieren meist nach diesem Prinzip: In einer Unterführung, einer Halle, einem Zelt oder einer Garage ordnen sich Häuser an.

Beyer kletterte dafür auch mal herzklopfend in ein leerstehendes Gebäude. Sein Lieblingsmotiv ist der Innenbereich der überwucherten Gewächshäuser gegenüber des Aldi-Marktes. „Das sieht aus wie aus einer anderen Zeit“, schwärmt Beyer. Am Computer flickte der Graphikdesigner die Motive zusammen. Die Gebäude sind perspektivisch und farblich so perfekt in ihren Hintergrund eingebettet, dass es dauert, bis der Betrachter die Täuschung verstanden hat und erklären kann, welches Element zu welchem Motiv gehört.

Bei allem schelmischen Vergnügen, das dem Fotografen das Spiel mit Bebras unschönen Ecken bereitet hat – er will Bebra nicht verunglimpfen. „Ich fühle mich so wohl, wenn ich morgens beim Bäcker meinen Kaffee trinke“, sagt er. Und seine Frau bekennt: „Wir lieben Bebra.“ Wenn Hamburger Freunde fragen: „Sieht das bei euch wirklich so aus?“, dann sagt sie: „Nein, das ist eine Inszenierung.“

Mit Preis ausgezeichnet

Die Inszenierung brachte Axel Beyer den dritten Preis bei einem internationalen Wettbewerb ein, die Bilder wurden beim Kasseler Fotobook-Festival ausgestellt. Das Buch ist erschienen im Verlag Seltmann+Söhne und kostet 39,90 Euro. Es heißt „Bebra curiosa“.

Von Achim Meyer

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