Nentershausen

Spritztour immer wieder sonntags: Viele Menschen aus der Region nutzten Impftermin in Nentershausen

Kerstin Schwarze aus Melsungen ist mit ihrer in Rotenburg wohnenden Mutter Irma Schwarze (rechts) und ihrer in Obersuhl lebenden Schwiegermutter Waldraut Schneider (links) nach Nentershausen gekommen.
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Kerstin Schwarze aus Melsungen ist mit ihrer in Rotenburg wohnenden Mutter Irma Schwarze (rechts) und ihrer in Obersuhl lebenden Schwiegermutter Waldraut Schneider (links) nach Nentershausen gekommen.

Bürgermeister Ralf Hilmes hat den richtigen Riecher gehabt, als er sich dafür stark gemacht hat, dass in der Tannenberghalle sonntags gegen das Coronavirus geimpft wird.

Nentershausen – Die lange Schlange der Wartenden am zweiten Tag des neuen Jahres beweist es. Obwohl das Spritztour-Team des Kreisstadt-Klinikums schon seit 11 Uhr in Aktion ist, stauen sich Menschen fast aller Altersgruppen vom Eingangsbereich der Sport- und Veranstaltungshalle bis auf den Bürgersteig an der nach Ulfen führenden Eisenacher Straße.

Mal mehr, mal weniger viele, und obwohl alle eine halbe Stunde oder länger warten müssen, bis sie eingelassen werden, herrscht freundliche Sonntagsstimmung. Man ist geduldig, hält das ein oder andere Schwätzchen und ist froh, dass man drankommen kann.

Torsten Göbel und Andreas Weber sind aus Solz über den Berg gefahren. Sie sind durch die Zeitung auf den Termin aufmerksam geworden und haben die Gelegenheit beim Schopfe gepackt. Beide erklären übereinstimmend, dass sie etwas für die eigene Gesundheit tun wollen, dass sie sich aber auch der Allgemeinheit verpflichtet fühlen.

Ähnlich sieht es ihr deutlich jüngerer und zweimal mit Moderna geimpfter „Landsmann“ Maurice Hartig, der sich wie Göbel und Weber boostern lassen will: „Mein Arm hat mir jedes Mal ein bisschen wehgetan, ansonsten hatte ich aber keinerlei Probleme.“

Das dürfte die 13-jährige Celine Ackermann aus Richelsdorf, die sich mit ihrer Mutter Isabell in die Warteschlange eingereiht hat, in dem Gedanken bestärken, dass die Entscheidung, sich jetzt auch impfen zu lassen, richtig ist. Die Schülerin hat zugegebenermaßen ein bisschen Angst vor dem Piks.

Für Kerstin Schwarze aus Melsungen, die mit ihrer in Rotenburg wohnenden Mutter Irma Schwarze und ihrer in Obersuhl lebenden Schwiegermutter Waldraut Schneider nach Nentershausen gekommen ist, ist das kein Thema. Mutter und Tochter freuen sich, dass das Anstehen nicht so lange dauert wie vergangene Woche in Rotenburg, wo sie irgendwann „geflüchtet“ sind.

Auch für sie kam der Sonntagstermin wie gerufen: Natascha und Stefan Gerlach aus Nentershausen und Stefans aus Rumänien stammender Arbeitskollege Florin Margarit (links).

Für Natascha und Stefan Gerlach aus Nentershausen und Stefans aus Rumänien stammenden Arbeitskollegen Florin Margarit kommt der Sonntagstermin ebenfalls wie gerufen. Genauso wie für Metzgermeister Thomas Riebold aus Bebra und Ehefrau Heike, die die Woche über nur wenig Zeit haben.

Im Geschäft haben sie viele Kunden sagen hören, dass die Zeit reif sei für die Einführung einer Impfpflicht. Impfgegner haben sich ihnen gegenüber jedoch zu keinem Zeitpunkt „geoutet“.

Ein Mann aus Cornberg, der mit seiner Lebensgefährtin ansteht, gibt zu, dass er noch immer vor Nebenwirkungen der Impfung Angst hat. Trotzdem – und weil beide es für unverhältnismäßig halten, dass sie als Ungeimpfte an jedem neuen Arbeitstag einen Negativ-Testnachweis vorlegen müssen – wollen sie es wagen.

Das freut Michael Gottbehüt, den organisatorischen Leiter der Spritztour, der alle Impflinge in Empfang nimmt und erstaufklärt, besonders. Er schätzt die Menge der Erstimpflinge auf unter zehn Prozent: „Die meisten lassen sich boostern.“

Das bestätigen Teamleiter Johannes Schmies, die für Check-in und Check-out zuständigen fünf Kollegen an den PCs, die vier Ärzte und die vier medizinischen Fachkräfte. Eine Fachkraft ist Ute Griesche, die Ehefrau des Bürgermeisters. Frohgemut boostert die Krankenschwester in Anwesenheit von Dr. Marlene Dahlen und Dr. Bardo Kürten ihre „Blumenfrau“ Ulrike Hahn. Die Nentershäuserin nimmt es gelassen hin.

Am Ende des Spritztour-Tages ist mit 336 Spritzen ein Rekord für die Tannenburg-Gemeinde aufgestellt worden, und der nach wie vor auf Entscheidungsfreiheit für den Einzelnen setzende Impfskeptiker aus Cornberg berichtet: „Ich habe nur Schmerzen im Arm. Ansonsten geht es mir ziemlich gut.“ (Wilfried Apel)

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