Stadtflucht in die alte Heimat

Corona-Pandemie bremst auch Schauspielerin Uta Krüger aus

Stand zwischen den beiden Lockdowns im Hamburger Ohnsorg-Theater auf der Bühne: Uta Krüger (links) in der Komödie „Blots en lütten Boort – das Bärtchen“. Die Plätze im Publikum waren begrenzt, Kussszenen wurden verändert und desinfizieren gehörte hinter den Kulissen dazu.
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Stand zwischen den beiden Lockdowns im Hamburger Ohnsorg-Theater auf der Bühne: Uta Krüger (links) in der Komödie „Blots en lütten Boort – das Bärtchen“. Die Plätze im Publikum waren begrenzt, Kussszenen wurden verändert und desinfizieren gehörte hinter den Kulissen dazu.

Stadtflucht in die alte Heimat: Die Corona-Pandemie bremst auch Schauspielerin Uta Krüger, die in Ludwigsau-Rorhbach aufgewachsen ist, aus.

Dass es sichere und bequemere Jobs als die Schauspielerei gibt, war Uta Krüger bewusst, als sie ihr Hobby zum Beruf machte. Die Corona-Pandemie ist für sie und viele Kollegen nun trotzdem noch mal eine ganz besondere Herausforderung und Ausnahmesituation.

Denn gerade Kunst- und Kulturschaffende fielen oft durchs Raster, nicht nur wenn es um finanzielle Unterstützung geht. „Kultur am Abstellgleis“ heißt es in einem Gastbeitrag Krügers für die Buddelpost Sylt mit Blick auf die fehlende Perspektive für die geschlossenen Theater. „Wir gehören nirgendwo so richtig dazu“, findet Krüger. Zumal viele „dreigeteilt“ arbeiten würden – bei freien Produktionen selbstständig, bei mehrmonatigen Engagements angestellt und dann noch tageweise beschäftigt.

Allerdings herrsche in der Branche mittlerweile auch große Solidarität und Hilfsbereitschaft, weitere Ansprechpartner findet Krüger beim Bundesverband Schauspiel oder der Künstlersozialkasse. Für sie ist die Schauspielerei trotz Krise nach wie vor ein Traumberuf, und ihren Mut und Optimismus hat sie noch nicht verloren.

Arbeitet als Schauspielerin und Sprecherin: Uta Krüger aus Rohrbach.

Die Zwangspausen nutzt sie, um kurze Videos zu drehen und sich dem Schreiben zu widmen. Auch Bewerbungen verschicke sie wie üblich, wenngleich die Zahl der Jobangebote natürlich merklich gesunken sei. Während des ersten Lockdowns entstand außerdem ihre Masterarbeit an der Uni Hamburg zum Thema „Mehrsprachigkeit im Gegenwartstheater“. „Ich versuche, kreativ und in Erinnerung zu bleiben“, erzählt Krüger, die in Hamburg lebt, jetzt aber gern in die alte ländliche Heimat „flüchtet“, wo sich leichter Abstand halten ließe und man wunderbar spazieren gehen könne.

Der erste Lockdown im März 2020 erwischte sie auf Tour mit dem Stück „Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“ des Altonaer Theaters Hamburg. „Wir wurden quasi auf halber Strecke nach Hause geschickt“, erinnert sich Krüger an die damals noch unwirklich scheinende Situation.

Völlig untätig sein musste sie in den vergangenen Monaten aber nicht. Im Sommer ergab sich ganz kurzfristig die Option, im Hamburger Ohnsorg-Theater eine Hauptrolle in der Komödie „Blots en lütten Boort – das Bärtchen“ zu spielen. Es gab ein Hygienekonzept für die Besucher ebenso wie für die Darsteller. Und auch das Stück wurde in Teilen verändert. „Reduziert zu spielen ist besser als gar nicht“, sagt Krüger. „Es funktioniert, aber die Stimmung ist anders“, hat sie festgestellt. „Gleichzeitig spürt man, wie dankbar das Publikum ist.“

Aktuell ist sie übrigens in einem Edeka-Werbespot zu sehen – dem negativen Coronatest vorab sei Dank, wie sie lachend berichtet. Breit aufgestellt zu sein erweist sich in der Krise als Vorteil. Aber auch für andere Jobs ist sich die Profi-Mimin nicht zu schade. Um die Zeit sinnvoll zu nutzen, hat sie sich beim Hamburger Impfzentrum beworben. Über allem steht die Hoffnung, dass Kunst und Kultur bald wieder möglich sind. Denn eines ist ihr wichtig zu betonen: „Wir sind noch da!“ (Nadine Maaz)

Zur Person

Uta Krüger kommt aus Ludwigsau-Rohrbach und hat am Obersberg in Bad Hersfeld Abitur gemacht. Ihre Leidenschaft für die Schauspielerei und vor allem das Theater hat sie als 14-Jährige bei den Bad Hersfelder Festspielen entdeckt. Ihr Handwerk hat sie sich auf der Schauspielschule, in Seminaren und mit Privatunterricht angeeignet. Seit 2003 lebt Krüger in Hamburg. Sie war bereits in diversen Theaterproduktionen zu sehen, arbeitet aber auch vor der Film- und Fernsehkamera, als Synchron- und Werbesprecherin. nm utakrueger.de

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