RS-Components erweitert am Eichhof - HGU-Hochschule baut an

Start für zwei Großprojekte in Bad Hersfeld

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Genug Hände zum Schippen: Geschäftsführung und Mitarbeiter, Landrat Michael Koch, Bürgermeister Thomas Fehling, Architekt Frank Dorbritz und Vertreter der bauausführenden Firma Glöckle-Bau – alle packten mit an beim ersten Spatenstich für das 65-Millionen-Euro umfassende Erweiterungsprojekt von RS-Components.

Mit symbolischen Spatenstichen ist  in Bad Hersfeld der Startschuss für zwei millionenschwere Projekte gefallen, die die Region als Logistik- und  Bildungsstandort stärken.

Die Konzeption für beide Bauvorhaben stammt von dem Bad Hersfelder Architekturbüro Dorbritz. 

Am Eichhof hat die englische Firma RS-Components mit der Erweiterung ihres Verteilzentrums für hochwertige Elektronikprodukte begonnen. 65 Millionen Euro investiert die Firma in eine neue Halle, in Automation und Lagermanagementsoftware. Die Grundfläche des bereits seit 2002 bestehenden Verteilzentrums wird durch den Neubau um 9000 Quadratmeter auf dann 15 000 Quadratmeter erhöht. „Bad Hersfeld wird zentraler Standort unserer Konzernstrategie sein“, sagte Debbie Lentz, die im Vorstand von RS-Components für die globale Versorgungskette des Konzerns zuständig ist. „Wir errichten hier das weltweit größte Versandlager des Unternehmens“, sagte ihr Vorstandskollege Mike England. Beide betonten, dies sei angesichts der zentralen Lage von Bad Hersfeld in Europa die richtige Investition in einem Markt mit großem Wachstumspotenzial. Am Standort Bad Hersfeld soll das Personal von jetzt 220 auf dann 350 Mitarbeiter steigen. 

Am Seilerweg, oberhalb des Klinikums haben zeitgleich die Arbeiten für die langgeplante Erweiterung der Hochschule der Deutschen Unfallversicherungen (HGU) begonnen. Nach Entwürfen des Architekturbüros Dorbritz entstehen dort ein neues Hörsaalgebäude sowie ein neues Appartmenthaus mit 55 Wohneinheiten für die Studenten, die bis zu drei Monate in Bad Hersfeld ausgebildet werden. „Der Weiterbildungsbedarf im Bereich der Unfallversicherungen überschreitet angesichts des demografischen Wandels unsere Kapazitäten“, erklärte Hochschul-Rektor Prof. Harald Becker. Die Erweiterung sei ein klares Bekenntnis zum Standort Bad Hersfeld.

Schwitzen für Wachstum

Wer erfolgreich ist, muss ordentlich schwitzen. Das galt gestern vor allem für Architekt Frank Dorbritz, sein Team und die politisch Verantwortlichen in Stadt und Landkreis, die bei gleich zwei Spatenstichen in der heißen Sonne aktiv Hand anlegen mussten.

Der Neubau für RS-Components, ähnelt dem Nachbarbau, soll aber eigenständig sein. Visualisierung: Büro Dorbritz

Am Eichhof hatten sich schon die Mitarbeiter von RS-Components und ihre eigens aus England angereiste Führungsmannschaft versammelt, als dann auch die Offizellen vom zuvor stattgefundenen Spatenstich am Seilerweg herübergedüst kamen. Ein besonderer Tag war es auch für den Standort-Chef von RS-Components Jürgen Hebebrand, der vor 18 Jahren bereits das Entstehen des ersten Verteilzentrums des Konzerns am Eichhof begleitet hatte. „Das Kind von damals ist jetzt ein Teenager, aber nun haben wir ein neues Baby“, sagte er. Debbie Lentz und Mike England, beide Präsidenten des englischen Mutterkonzerns EMEA, betonten, die strategische Bedeutung des Standorts Bad Hersfeld für den boomenden Markt in Deutschland, aber auch zentral Europa. Nicht der Brexit sei Grund dafür, nun in Bad Hersfeld das weltweit größte Verteilzentrum des Konzerns zu errichten. „Wir wollen nicht dasitzen und abwarten, was nach dem Brexit passiert, sondern handeln“, sagte Mike England, der sich selbst im Gespräch mit unserer Zeitung als überzeugten Europäer bezeichnete.

Landrat Dr. Michael Koch betonte – auch in seiner Eigenschaft als oberster Wirtschaftsförderer des Kreises – die Bedeutung der Logistik mit ihren 8000 Arbeitsplätzen in unserem Kreis und freute sich, dass das englische Unternehmen nicht „wegen, sondern trotz des Brexits“ in Bad Hersfeld investiere.

Bürgermeister Thomas Fehling bezeichnete das schnelle Genehmigungsverfahren für das Bauprojekt als „Kraftakt“ und betonte, dass die „hochinnovative Technologie“ von RS-Components gut nach Bad Hersfeld passe.

Architekt Frank Dorbritz, dessen Büro bereits das erste Bauvorhaben am Eichhof betreut hatte, kündigte an, dass sich der Neubau am Baubestand orientieren werde. Jedoch werde das Material der Außenwand in einem eigenen, silbrig schimmernden Grundton „Eigenständigkeit und etwas Neues“ symbolisieren. Die Fertigstellung des Neubaus ist im Sommer 2021 geplant.

Hintergrund: Partner für die Region

RS-Components ist ein weltweit tätiger Vertrieb für Elektronik, Elektromechanik und Automation mit Sitz im britischen Corby. Es ist Teil der an der Londoner Börse notierenden Electrocomponents-Gruppe, mit einem Umsatz von 1,7 Milliarden Pfund im Geschäftsjahr 2017/18 und etwa 6000 Mitarbeitern. 

Die Hochschule der Gesetzlichen Unfallversicherung (HGU) ist die zentrale Bildungseinrichtung der Berufsgenossenschaften und Unfallkassen und bietet diverse Studiengänge

Von Kai A. Struthoff

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