Training und Wettkämpfe wieder möglich

Neue Laufbahn in Obersuhl: Blaues Band für Rekorde

Gutes Ende nach einem langem Prozess: Das sportbegeisterte Obersuhl hat endlich wieder eine funktionsfähige Laufbahn.

Besondere Farbgebung: Die frisch sanierte Laufbahn im Stadion Obersuhl sticht mit ihrem ungewöhnlichen blauen Farbton heraus in der herbstlichen Landschaft. Im Hintergrund ist der Monte Kali zu sehen.

Obersuhl – Luisa Wunn lacht. „Unsere Athleten konnten es gar nicht abwarten, endlich wieder Tartan unter den Füßen zu haben“, erzählt die 31-Jährige, die die Leichtathletik-Abteilung des Turnvereins Obersuhl (TVO) leitet. Die Sanierung der Obersuhler Stadionlaufbahn ist abgeschlossen. Vor einer Woche gab Bürgermeister Alexander Wirth sie wieder frei. Kaum war der Startschuss gefallen, da drehten auch schon die ersten Läufer ihre Runden.

Die Sanierung der Laufbahn mit dem Kunststoffbelag – auch als Tartanbahn bekannt – war ein langer, kräftezehrender Hürdenlauf für die Gemeinde und auch für die betroffenen Sportler und Schulen, die über Jahre hinweg mit starken Einschränkungen ihres Trainings leben mussten. Jetzt haben sie „überglücklich“ die Ziellinie erreicht.

Damit nimmt eine fast unglaubliche Geschichte doch noch ein gutes Ende. Im Jahr 2009 war die frisch sanierte Kunststofflaufbahn wieder eingeweiht worden. Schon nach kurzer Zeit wurden erste Mängel festgestellt. Es bildeten sich immer größere Blasen unter dem Belag. Zum Teil löste sich der Belag auch. Schnell war klar, dass bei der Sanierung gepfuscht worden war. Die Bahn wurde zunächst in Teilbereichen, später ganz gesperrt.

Im April 2020 schließlich rollten die Bagger erneut an. In den Sommerferien sollte die Sanierung abgeschlossen sein. Die Arbeiten aber mussten wieder gestoppt werden. Es stellte sich heraus, dass nicht nur der Kunststoff fehlerhaft eingebaut worden war, sondern auch der Asphalt unter dem Kunststoff. Im Frühjahr 2020 wurde die Bahn wegen Verletzungsgefahr komplett gesperrt. Schon in den Vorjahren waren nur noch kleine Teilbereiche nutzbar und die Hochsprunganlage.

Die Trainingsmöglichkeiten der Sportler des Turnvereins waren damit massiv eingeschränkt. Die Corona-Pandemie engte die Möglichkeiten noch weiter ein. „Wir konnten in der Großsporthalle trainieren, aber nur in kleinen Gruppen“, berichtet Luisa Wunn. „Auch die Natur war natürlich eine Ausweichmöglichkeit.“ Techniktraining für Läufer und Springer sei seit der kompletten Sperrung der Laufbahn nicht mehr möglich gewesen. 40 Kinder und Jugendliche sind in der Leichtathletik-Abteilung des TVO aktiv.

„Ausfallen mussten in den vergangenen sechs Jahren auch die drei überregionalen Sportfeste, die wir pro Jahr ausgerichtet haben“, berichtet die 31-Jährige. Mit dabei waren auch viele Athleten aus Thüringen und Südhessen. Als kleiner Ausgleich wurden statt einem Lauf durch den Rhäden zwei Rhäden-Läufe pro Jahr organisiert.

Jetzt geht der Blick optimistisch nach vorn. Für das Frühjahr ist das nächste Sportfest geplant. Ein Termin ist angedacht, muss aber noch genehmigt werden. An diesem Tag will auch die Gemeinde Wildeck die Laufbahn offiziell neu eröffnen.

„Für uns war es nicht nur schwierig, dass der Trainingsbetrieb stark eingeschränkt war. Wir konnten auch nicht wie gewohnt die Sportfeste ausrichten. Das war auch eine enorme finanzielle Belastung für den Verein. Die Sportfeste waren eine unserer Haupteinnahmequellen“, sagt der Vorsitzende des TV Obersuhl, Markus Bachmann.

Vergleichsweise geringe Einschränkungen musste der Sportverein Obersuhl (SVO) hinnehmen. Die Fußballer konnten nur in diesem Jahr während der Sanierung nicht auf dem Platz im Stadion spielen. Sie haben aber Alternativen. „Wir freuen uns, dass der Spielbetrieb im Frühjahr wieder im Stadion losgehen kann“, sagt SVO-Pressewart Norbert Bachmann. Dann sei auch ein Einweihungsspiel gegen eine höherklassige Mannschaft geplant. Wer das ist, steht noch nicht fest. Im Frühjahr will der Verein auch noch einen überdachten Grillstand an die vorhandene Pergola anbauen, berichtet Bachmann.

Das sagt Schulleiterin Doritha Rudschewski:

Auch die Blumensteinschule und die angrenzende Grundschule in Obersuhl waren von den Einschränkungen erheblich betroffen. „Wir mussten sehr kreativ sein, um den Lehrplan gerade im Bereich Leichtathletik zu erfüllen und haben auch das großzügige Schulgelände mitgenutzt“, sagt die Leiterin der Blumensteinschule, Doritha Rudschewski. „Ein Stadion in dieser Art ist eine große Bereicherung für den Schulsport.“ Durch die Sanierung sei es ein Schmuckstück geworden, nicht nur für den Schulkomplex, sondern die ganze Gemeinde. „Wir haben hier jetzt ein ideales Ensemble für sehr modernen Sportunterricht“, freut sich Doritha Rudschewski. 

Der Hintergrund

Die Schlussabrechnung liegt noch nicht vor. Die grundlegende Sanierung der Laufbahn und der Rasenfläche werden etwa 1,15 Millionen Euro kosten. Das berichtet Bürgermeister Alexander Wirth (SPD). Zunächst war die Gemeinde Wildeck von Kosten in Höhe von etwa 600 000 ausgegangen. Weil unerwartet auch die Asphaltschicht nicht fachgerecht eingebaut war, verdoppelte sich die Summe. Seit 2015 klagte die Gemeinde vor Gericht gegen die Baufirma und die Planer. Beide wurden zur Zahlung von jeweils 200 000 Euro verurteilt. Das Geld des Architekturbüros, das versichert war, ist bei der Gemeinde eingetroffen. Das Geld von der Baufirma konnte die Gemeinde nicht eintreiben, da sich die Firma aufgelöst hatte. So bleibt für die Gemeinde ein Eigenanteil von etwa 800 000 Euro übrig. Das Land Hessen half mit einem Zuschuss von 100 000 Euro. Probleme bei der Abnahme des Bauprojekts vor gut einer Woche gab es keine. „Diesmal waren bei der Sanierung wirklich Fachleute und Profis am Werk“, betont Bürgermeister Wirth. Die Firma, die in Obersuhl den Kunststoffbelag aufgebracht hat, hat auch schon die Kunststoffschicht im Berliner Olympiastadion aufgetragen. Zurückblicken will auch der Bürgermeister nicht mehr. „Eine weitere Altlast ist abgearbeitet“, sagt er nur. „Ich freue mich sehr, dass wir jetzt so ein tolles Stadion haben, einzigartig in Ost- und Nordhessen für eine Kommune unserer Größenordnung.“ Dieses Ergebnis entschädige die Betroffenen für die vielen Jahre, in denen sie Einschränkungen hinnehmen mussten. „Deshalb haben wir auch die besonders schöne Farbe blau gewählt für den Belag. Rot kann jeder“, sagt Wirth und lacht.

René Dupont

Laufbahn-Feeling bei Flutlicht: Dana Wirth, Junis Kallenbach, Fiona Schlosser, Svea Lang, Felix Viebach, Jette Thenert und Emma Krämer, die im Turnverein aktiv sind, testeten sofort den neuen Belag.

Rubriklistenbild: © Meik Diekmann/nh

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