Verfahren eingestellt

Staubsauger-Prozess: Angeklagte selbst Opfer?

Bad Hersfeld. Überraschende Wende im Staubsauger-Prozess vor dem Schöffengericht in Bad Hersfeld: Das Verfahren gegen eine 26-jährige Handelsvertreterin, die laut Anklage in betrügerischer Absicht Kaufverträge mit Asylbewerbern abgeschlossen und dafür die Provisionen kassiert haben soll, wurde wegen geringer Schuld der jungen Frau eingestellt.

Ihr Fehlverhalten bewege sich Grenzbereich zwischen Leichtfertigkeit und bedingtem Vorsatz, begründete Richter Michael Krusche die Entscheidung. Lediglich eine Geldauflage von 1200 Euro verhängte das Gericht.

 Tatsächlich war in der Neuauflage des im August dieses Jahres abgebrochenen Prozesses (unsere Zeitung berichtete) nicht mehr auszuschließen, dass die Hersfelderin selbst ein Opfer systematischen Betrugs geworden ist, als im Zeitraum von Oktober 2014 bis Februar des nächsten Jahres 37 Ratenkaufverträge mit ausländischen Kunden platzten, weil die Kredite für Staubsauger und Zubehör nicht bedient wurden.

Immer neue Kaufinteressenten

Beim Abschluss der Verträge hatte sich die Teamleiterin der Dienste eines jungen Mannes aus Kroatien bedient, der immer neue Kaufinteressenten aus seinem Verwandten- und Bekanntenkreis empfahl und beim Ausfüllen der Formulare als Übersetzer für die des Deutschen kaum mächtigen Kunden fungierte.

 Das Volumen der faulen Geschäfte belief sich am Ende auf mehr als 65 000 Euro, die ausgezahlten Provisionen auf 6900 Euro. Die 26-Jährige verneinte vor Gericht jede böse Absicht. Sie hatte auch keinen Verdacht geschöpft, weil die Hausbank des Unternehmens die Verträge erst nach Bonitätsprüfung freigegeben hatte.

 Wurde zunächst vermutet, dass ein Tatmotiv im privaten Bereich liegen könnte, so stellte sich bei der Vernehmung des Regionalmanagers des geschädigten Unternehmens heraus, dass Bad Hersfeld kein Einzelfall war, sondern Teil einer Betrugsserie mit dieser Masche

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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