Neue Ideen, neuer Geschäftsführer 

Stefan Ross brennt  dafür, dass das Umweltbildzungszentrum Licherode weiter besteht

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Das Umweltbildungszentrums (UBZ) Licherode.

Das Umweltbildungszentrum Licherode (UBZ) hat einen neuen Geschäftsführer. Stefan Ross hat zu Jahresbeginn Ahmed al Samarraie abgelöst.

Er hat sich sein gesamtes berufliches Leben lang mit der Natur beschäftigt – und damit, ihre Schönheiten anderen zu vermitteln. Seit 2017 hat Stefan Ross das beim Umweltbildungszentrum Licherode als Pädagoge getan. Nun ist er in die Geschäftsführung aufgerückt, arbeitet also mehr administrativ und nicht mehr ganz so viel mit Kindern. Hat er seinen neuen Job auch mit einem weinenden Auge angetreten? „Nein, definitiv mit zwei lachenden. Weil ich dafür brenne, dass das Haus weiter besteht und sich weiter entwickelt“, sagt der 57-Jährige.

Bildung für nachhaltige Entwicklung, BNE, sei die Grundlage zum Verständnis der menschlichen Lebensgrundlagen. „Es ist elementar wichtig, dass Kinder ein Verhältnis zur Natur entwickeln. In Licherode können sie erleben was Wald, Klima und Ernährung, was Tiere und Pflanzen mit ihrem eigenen Leben zu tun haben.“ Neben der Umweltbildung spielten auch soziale Aspekt eine große Rolle. Kinder, die eine Woche in Licherode zusammen schlafen, essen, lernen und spielen, nehmen sich ganz anders wahr als im Schulalltag, so Ross.

Stefan Ross

„Viele Kinder, die auf Klassenfahrten zu uns kommen, gehen das erste Mal nachts in den Wald, sehen zum ersten mal den Sternenhimmel. Es kommt vor, dass sie große Angst in der Dunkelheit haben und nur fest an der Hand der Betreuer mitgehen. Einige Kinder können mediale Fiktion und reale Natur kaum auseinanderhalten. Aber fast immer sind die Kinder am Ende begeistert von den Dingen, die sie hier erleben“, sagt Ross, der in Treysa aufgewachsen ist. Nach dem Wehrdienst machte er eine Lehre als Landschaftsgärtner in Wolfsburg, studierte anschließend in Freiburg und Göttingen Forstwissenschaften. Die 90er-Jahre verbrachte er in Kanada, wo er als Förster und Wildbiologe Umweltgruppen, Indianer und die Regierung beriet. Dann kehrte er nach Nordhessen zurück und bot Forstberatung für private Waldbesitzer an, bis es ihn vor vier Jahren nach Licherode verschlug.

In seiner neuen Funktion hat er nun einen herausfordernden Start erlebt. Das UBZ hatte für dieses Jahr, in dem das 25-jährige Bestehen der Einrichtung gefeiert werden kann, viel vor (Artikel unten). Die Pläne sind nun erst mal hinfällig – doch nur aufgeschoben, nicht aufgehoben, ist Ross optimistisch. Der leidenschaftliche Jäger, der einen erwachsenen Sohn hat, ist überzeugt davon, dass nach der Corona-Pandemie nachhaltige Bildung einen noch größeren Stellenwert haben wird. „Meine Hoffnung ist, dass Menschen durch den momentanen Bruch in ihren gewohnten Lebensabläufen angeregt werden, über die Zusammenhänge nachzudenken, ermutigt werden, Verhaltensweisen zu hinterfragen und aufmerksam zu werden für Neues“, sagt er.

Nötig geworden ist der Wechsel in der Geschäftsführung, weil sich Ahmed al Samarraie laut der Trägervereinsvorsitzenden Ellen Ehring beruflich neu orientieren wollte. Die neuen Ideen habe er maßgeblich mit entwickelt und er steht auch im neuen Jahr dem UBZ als Berater zur Seite. Die Anregung, dass Ross das Ruder übernimmt, kam aus dem Vorstand des Trägervereins.

Derzeit ist der neue Geschäftsführer im Umweltbildungszentrum fast alleine. Beinahe die komplette Belegschaft ist in „Kurzarbeit Null“ – denn durch Corona fehlt dem UBZ schlicht die Grundlage für alle Geschäftsfelder. Entlassen werden musste laut Ross aber noch niemand. Die Licheröder haben staatliche Hilfe beantragt, die nicht zurückgezahlt werden muss – wie zum Beispiel auch bei Gastronomen. Licherode arbeitet unter anderen eng mit dem Umwelt- und dem Kultusministerium sowie dem Verband der Schullandheime zusammen, um Hilfen und Fördermaßnahmen zu bekommen und so das Fortbestehen der Einrichtung und den Erhalt der Arbeitsplätze zu sichern.

„Wir hoffen, dass es nach den Sommerferien wieder losgeht“, sagt Ross. Bis dahin sind alle Klassenfahrten und Seminare abgesagt. Ob die Ferienspiele stattfinden können, steht noch nicht fest. Wenn es wieder losgehen kann, ist das UBZ auch auf der Suche nach Verstärkung. Ross braucht einen pädagogischen Mitarbeiter, einen Koch und neue Kräfte in der Hauswirtschaft. 

Von Christopher Ziermann

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