„Wir wollen einbezogen werden“

Steinbruch-Erweiterung am Schenkkopf in Sterkelshausen: Kritik an dürftiger Informationslage

Im Steinbruch am Schenkkopf bei Sterkelshausen baut die Firma Beisheim Grauwacke ab.
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Im Steinbruch am Schenkkopf bei Sterkelshausen baut die Firma Beisheim Grauwacke ab.

Auch unsere Redaktion erhält zu dem Thema kaum aussagekräftige Antworten.

Sterkelshausen/Baumbach – Der Steinbruch am Schenkkopf zwischen Baumbach und Sterkelshausen soll erweitert werden. Dafür hat die Firma Beisheim der Gemeinde Alheim im Dezember weitere Flächen abgekauft – wir berichteten. Nun herrscht in Teilen der Bevölkerung Unmut über die dürftige Informationslage dazu, was genau Steinbruch-Eigentümer Beisheim vorhat.

Auch unsere Redaktion erhält kaum aussagekräftige Antworten.

Parlament

Bereits nach dem Beschluss in der Alheimer Gemeindevertretung im Dezember, die Flächen für die Erweiterung sowie Ausgleichsmaßnahmen direkt neben dem Steinbruch an Beisheim zu verkaufen, sagten einige Abgeordnete hinter vorgehaltener Hand, sie seien überrumpelt worden. Trotzdem gab es nur eine Nein-Stimme (Astrid Storch, FDP). Der Verkauf wurde bei fünf Enthaltungen mit 16 Ja-Stimmen beschlossen. Die Sitzung der Ausschüsse, in der Vertreter aller Fraktionen die Parlamentsbeschlüsse vorbereiten und auch über Änderungen debattieren, hatte unmittelbar vor der Gemeindevertretersitzung stattgefunden. Das wird in einigen Gemeinden im Landkreis gelegentlich so gehandhabt, ist aber nicht die Regel. Bürgermeister war damals noch Georg Lüdtke (SPD).

Bedenken der Bürger

Der Baumbacher Harald Brandau hat sich an unsere Zeitung gewandt und mahnt an: „Wir Bürger wollen mit einbezogen werden. Der Steinbruch sollte nicht so ein Politikum werden wie der Niederellenbacher See.“ Er möchte, dass Naturdenkmäler wie der Schenkkopf der Bevölkerung erhalten blieben. Früher habe man mit den Kindern auf dem Feld neben dem Steinbruch Kartoffeln lesen können – nun ist dort, hinter einer Obstbaumreihe, eine Steilwand. „Wir wollen auf keinen Fall, dass dort irgendwann ein Schild steht: Lebensgefahr, betreten verboten.“ Neben Brandau beklagen sich auch andere Alheimer Bürger. Sie wollen aber nicht namentlich in der Zeitung genannt werden.

Erweiterung 2009

Erläuterungen über den nun geplanten Abbau gab es bei der Sitzung im Dezember vergangenen Jahres von Heinrich Wacker, der im Verwaltungszweckverband Alheimer bei den Kommunen Rotenburg und Alheim beschäftigt ist und auch ein Büro für Landschaftsplanung und Gewässerrenaturierung hat. Er war auch bei der letzten Erweiterung 2009 im Boot. An ein Schreiben Wackers von damals erinnert nun Harald Brandau, der zu dem Zeitpunkt im Ortsbeirat von Baumbach saß. Dieser wurde von Wacker über die Erweiterungspläne informiert. „Damals hieß es, eine weitere Erweiterung wäre dann nicht mehr möglich und der Steinbruch zwischen 2022 und 2025 ausgebeutet. Dem Konzept konnten wir damals im Ortsbeirat zustimmen.“ Schon rund drei Jahre später sei ein Wanderweg wegen der Erweiterung aber nicht mehr nutzbar gewesen, was anders angekündigt worden sei. Deswegen wünscht sich Brandau nun klare Aussagen darüber, was geplant ist, und dass man sich darauf dann auch verlassen könne.

Wacker und Beisheim

Wacker sagt auf Nachfrage, die Fragen unserer Zeitung zu dem Thema könne er leider nicht beantworten und verweist auf Beisheim und den Alheimer Bürgermeister. Die Firma Beisheim verweist ebenfalls auf den Bürgermeister und darauf, dass man zuletzt gemeinsam mit Wacker in einer „Abstimmungsrunde“ im Juni mit Gemeinde, Ortsbeirat Baumbach und „ortskundigen Bürgern“ über die Planungen informiert habe. Die Veranstaltung hatte es auf Initiative von Brandau gegeben – er fühlt sich aber trotzdem nicht ausreichend informiert. Teilnehmen konnten nur geladene Gäste. Andere Interessenten wurden mit Verweis auf die Corona-Auflagen nach Hause geschickt.

Bürgermeister Schmidt

Bürgermeister Jochen Schmidt (parteilos) verweist bezüglich inhaltlicher Fragen zum Abbau im Steinbruch und zu Ausgleichsmaßnahmen auf die Obere Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium Kassel (RP). Bei dem Treffen sei darauf hingewiesen worden, dass über die Gesprächsinhalte in der nächsten Ortsbeiratssitzung informiert werde. Zu dieser sei aber keine der Personen gekommen, die an der „eher als interne Veranstaltung gedachten“ Gesprächsrunde nicht hatten teilnehmen dürfen.

Naturschutzbehörde

Aus der Pressestelle des RP, bei dem die Obere Naturschutzbehörde angesiedelt ist, heißt es auf Nachfrage, ein Genehmigungsantrag für die Erweiterung sei bislang nicht eingegangen. Zum Bedenken von Harald Brandau bezüglich der Steilwand mit der Obstbaumreihe antwortet Pressesprecher Hendrik Kalvelage, im Rekultivierungsplan von 2009 sei Grünlandnutzung mit Wiederherstellung der ursprünglichen Geländetopografie vorgesehen. Aussagen zur Genehmigungsfähigkeit von neuen Plänen könne die Naturschutzbehörde erst treffen, wenn auch ein Antrag gestellt sei.

Kommentar von Redakteur Christopher Ziermann

Was ist da los? Die Suche nach Antworten zur Steinbruch-Erweiterung gleicht einem Pingpong-Spiel. Dabei müssten eigentlich alle Akteure ein Interesse daran haben, die Fragen der Bürger zu beantworten: Beisheim als tief in der Region verwurzeltes Unternehmen, der bei der Gemeinde angestellte Heinrich Wacker, Bürgermeister Jochen Schmidt (der allerdings eine von seinem Vorgänger eingefädelte Entscheidung verwalten muss) und die Gemeindevertreter, die im Wortsinn die Interessen der Bürger vertreten.

Die Sache schreit nach einer Informationsveranstaltung. Öffentlich. Zur Not digital. Mit der Möglichkeit, Fragen zu stellen. (Christopher Ziermann)

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