Steine vom Weg räumen: Gerhard Ruch ist neuer Behindertenbeauftragter

Erste Handlung: Der Seiteneingang zum Rotenburger Schlosspark ist nun wirklich nicht behindertengerecht. Gerhard Ruch will sich um eine Erneuerung bemühen. Foto: Schäfer-Marg

Rotenburg. Die Stadt Rotenburg hat erstmals einen Behinderten-Beauftragten. Gerhard Ruch hat seine ehrenamtliche Arbeit aufgenommen und beginnt in dieser Woche mit regelmäßigen Sprechstunden.

Solche Neubürger hat man gern: Kaum nach Rotenburg gezogen, will er sich ehrenamtlich engagieren: Gerhard Ruch ist nun der erste Behinderten-Beauftragte der Stadt und damit Ansprechpartner für alle Menschen, die aufgrund ihrer Handicaps in der Stadt auf Widrigkeiten stoßen.

Damit hat die Stadt einen Mann gewonnen, der schon von Berufs wegen mit Problemen von behinderten Menschen vertraut ist: 15 Jahre lang betreute er sie im Zuge seiner insgesamt 43-jährigen Tätigkeit bei der Agentur für Arbeit in Bad Hersfeld und Fulda.

Im Sommer ist der Neu-Ruheständler mit seiner Frau von Breitenbach nach Rotenburg gezogen. Das eigene Haus haben sie zugunsten einer barrierefreien Wohnung in der Stadt aufgegeben.

„Ich möchte dazu beitragen, Stolpersteine für die Menschen wegzuräumen und auch neue Wege aufzuzeigen“, sagt Ruch. Bürgermeister Christian Grunwald und die politischen Gremien hätten ihm alle Unterstützung zugesagt. „Die Bereitschaft der Stadt zu handeln ist da. Darauf kann man aufbauen“, ergänzt er.

Seine Aufgabe sieht Ruch vor allem darin, Probleme anzusprechen, Anregungen zu geben und nachzuhaken. Dazu braucht er natürlich die Anregungen von Betroffenen.

Schon im Frühsommer hatte sich der 63-Jährige für die neu eingerichtete Position beworben. Seither, so sagt er, geht er mit einem anderen Blick durch die Stadt. Wege, die Menschen mit Rollstühlen oder Rollatoren das Fortkommen erschweren, entdeckt er nun leichter. Schon der Seiteneingang des Schlossparks in Höhe des Minigolfplatzes ist für Ruch nicht akzeptabel. Drehkreuz und steile Rampe sind für Gehbehinderte nicht passierbar. Auch, dass der Aufzug zum Einkaufscenter im Zwickel über Monate defekt war, wäre für ihn Anlass gewesen, beim Center-Betreiber vorstellig zu werden.

Gerhard Ruch hat schon einige Selbstversuche hinter sich, die ihm den anderen Blick auf Belange von behinderten Menschen öffnet: Er hat versucht, sich mit dem Rollstuhl fortzubewegen, und er hat in einem speziell abgedunkelten Raum versucht, Alltägliches zu tun - zum Beispiel Kaffee einzuschenken. Durch seine berufliche Arbeit konnte er Kontakte zu vielen Behinderteneinrichtungen knüpfen - auch das kann ihm gebenenfalls bei seiner ehrenamtlichen Tätigkeit helfen.

Jeden 1. und jeden 3. Donnerstag ist Gerhard Ruch in seinem Büro im Rathaus von 10 bis 12 Uhr erreichbar. Das Büro ist ausgeschildert. Die erste Sprechstunde ist am Donnerstag, 2. Oktober. Zu erreichen ist Ruch auch per E-Mail: behindertenbeauftragter@rotenburg.de. Man kann aber auch einfach Schreiben an ihn in den Briefkasten der Stadt werfen.

Von Silke Schäfer-Marg

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