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K+S stellt Werk Werra neu auf: Innovative Produktion soll CO2-Ausstoß halbieren

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Von: Daniel Göbel

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DGB-Bundesvorsitzende Yasmin Fahimi  besucht K+S-Werk Werra
DGB-Bundesvorsitzende Yasmin Fahimi  besucht K+S-Werk Werra © Jan-Christoph Eisenberg

Das Bergbauunternehmen K+S aus Kassel will die Wettbewerbsfähigkeit und die Reduzierung des CO2-Ausstoßes in der heimischen Kaliproduktion vorantreiben.

Philippsthal – „Wir eröffnen unserem Verbundwerk Werra eine langfristige Zukunftsperspektive bis zum Jahr 2060 und stärken die Wettbewerbsfähigkeit des Werks. Zudem setzen wir künftig verstärkt innovative, trockene Aufbereitungsverfahren ein, reduzieren unsere Emissionen deutlich und gehen einen wichtigen Schritt zur langfristigen Dekarbonisierung der heimischen Kaliproduktion“, erläutert Vorstandsvorsitzender Dr. Burkhard Lohr.

Die Standorte Unterbreizbach in Thüringen und Wintershall in Hessen des Verbundwerks Werra werden im Zuge der Transformation bis 2026/27 auf trockene Aufbereitungsverfahren umgestellt. Das erspart dem Unternehmen die anschließenden energie- und abwasserintensiven Heißlöseverfahren, erläutert Werksleiter Martin Ebeling.

Der CO2-Ausstoß soll an den Standorten Unterbreizbach und Wintershall um rund 50 Prozent gesenkt werden. Denn durch den Einsatz des Trocken- statt Nassverfahrens, werde auch der Dampfbedarf gesenkt. Somit könnten die Kraftwerke mit deutlich reduzierter Leistung und minimierten Erdgasbedarf betrieben werden. Insgesamt nehmen die Energiekosten rund 15 Prozent der Werkskosten ein, erläutert Ebeling. Angesichts der Energiekrise könnte sich der Anteil aktuell verdoppeln.

K+S aus Kassel: Laufzeit des Standortes verlängert sich bis 2024

Mit der Realisierung des Umbauprozesses kann das Bergbauunternehmen die Kali-Vorräte der Lagerstätte an der Werra bis zum Jahr 2060 wertschöpfend nutzen. Die Laufzeit des Standorts Unterbreizbach verlängert sich bis zum Jahr 2040. „Zugleich setzen wir neue Maßstäbe hinsichtlich Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit“, sagt Burkhard Lohr.

Über und unter Tage laufen bereits die vorbereitenden Tätigkeiten für die Projektrealisierung. In Unterbreizbach beginnen die Bauarbeiten im kommenden Jahr und sollen bis Ende 2026 abgeschlossen sein. Der Umbau der Fabrik Wintershall soll 2024 starten und bis Mitte 2027 dauern. Die Umsetzung wird bei laufender Produktion stattfinden. Für das Projekt Werra 2060 investiert das Unternehmen laut Ebeling in den kommenden Jahren einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag.

Kassel: Bergbauunternehmen will stabilere Produktion sichern

Bei dem trockenen Aufbereitungsverfahren setzt K+S auf die sogenannte elektrostatische Trennung (ESTA-Verfahren), um Salzminerale ohne den Einsatz von Wasser trocken zu sortieren. Diese bereits in den 1970er-Jahren im Unternehmen etablierte Technologie sei jetzt nochmals entscheidend weiterentwickelt worden, erläutert Werksleiter Martin Ebeling. Die Fabrik am Standort Hattorf soll aber vorerst mit heutiger Technik weiterbetrieben werden. dag

Mit dem weitreichenden Projekt „Werra 2060“ will das Bergbauunternehmen K+S zum einen die Wettbewerbsfähigkeit des Werkes Werra stärken und zum anderen langfristig eine höhere und stabilere Produktion sichern. Was mit dem Tranformationsprozess neben der Umstellung auf trockene Aufbereitungsverfahren einhergeht im Überblick:

Durch die Umstellung der Produktion in den Fabriken Unterbreizbach und Wintershall werde sich die Menge an Prozesswässern für das Werk Werra insgesamt auf eine Million Kubikmeter pro Jahr mehr als halbieren. Die verbleibenden Wässer würden standortfern entsorgt oder eigneten sich für die sogeannte Einstapelung, bei der bestimmte Salzlösungen aus der Kaliproduktion dauerhaft unter Tage gespeichert werden.

K+S: CO2-Ausstoß in Kassel soll halbiert werden

Der Einsatz der neuen Technologien ermöglicht zugleich ein neues Gewinnungsverfahren. Dabei werden feste Produktionsrückstände in die Abbauhohlräume gebracht und wirken stabilisierend. Dadurch sei es möglich, einen Teil des in den Pfeilern vorhandenen Salzes für die Aufbereitung zu nutzen, erklärt Werksleiter Martin Ebeling. Dadurch werde die Wertstoffausbeute am Standort deutlich gesteigert.

Auch eine Erweiterung des Produktportfolios geht mit der Produktionsumstellung einher. Die Marktposition bei Kali-Magnesium-Düngemitteln werde wesentlich gestärkt. Darüber hinaus werde sich der Anteil an Rollgranulaten, welche bisher nur einen kleinen Teil der Produktion ausmachten, erhöhen. „Wir bedienen damit den Trend zu nachhaltig hergestellten Produkten, die Vorstellungen der Landwirte und bleiben dadurch konkurrenzfähig“, erläutert Ebeling. Der Anteil von Rollgrenulaten soll auch erhöht werden, um mehr Kunden aus der Bulk-Blending-Industrie (Mehrnährstoffdünger-Industrie) zu gewinnen. Dafür seien Rollgrenulate eher erwünscht als eckige.

Durch die Umstellung auf trockene Aufbereitungsverfahren für Unterbreizbach und Wintershall sollen die CO2-Emissionen halbiert werden. Zudem sei eine verringerte Landinanspruchnahme für die Aufhaldung von festen Rückständen möglich. Die trockenen Rückstände in den Fabriken Unterbreizbach und Wintershall könnten zum größten Teil unter Tage versetzt werden. Damit ist auch die für Anfang der 2030er-Jahre geplante Erweiterung der Halde Wintershall nicht mehr im angedachten Umfang erforderlich. Nach 2027 würden auch keine Prozesswässer mehr eingeleitet werden. (Daniel Göbel)

Anfang des Jahres einigten sich die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE) und der Verband der Kali- und Salzindustrie (VKS) auf die Sicherung der Arbeitsplätze bei K+S in Kassel bis zum 31. Dezember 2026.

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