Ein Gedenken in Messing

Aktion Stolpersteine: 14 Platten erinnern an Rotenburger Juden

Rotenburg. Ein laut ratternder Bohrhammer, eine kreischende Steinsäge: Alles andere als leise ging es bei der Verlegung der Stolpersteine zu. Sie sollen an ermordete Rotenburger Juden erinnern.

Doch als der Künstler Gunter Demnig die ersten Steine verlegt hatte, kehrte Ruhe ein. Andächtig blickten die Gäste auf die Messingplatten. In einem ersten Schritt hat der Kölner Gunter Demnig am Dienstag an fünf Stellen insgesamt 14 dieser Stolpersteine in Gehwege eingelassen. In der Breitenstraße, in der Weingasse und in der Brotgasse markieren sie nun die letzte frei gewählte Wohnung, in der die Juden vor ihrer Deportation gelebt haben.

Stolpersteine erinnern an ermordete Juden

Stolpersteine erinnern an errnordete Juden
Stolpersteine erinnern an errnordete Juden © HNA/Pries
Stolpersteine erinnern an errnordete Juden
Stolpersteine erinnern an errnordete Juden © HNA/Pries
Stolpersteine erinnern an errnordete Juden
Stolpersteine erinnern an errnordete Juden © HNA/Pries
Stolpersteine erinnern an errnordete Juden
Stolpersteine erinnern an errnordete Juden © HNA/Pries
Stolpersteine erinnern an errnordete Juden
Stolpersteine erinnern an errnordete Juden © HNA/Pries

Direkt vor der Sparkasse an der Breitenstraße erinnern nun beispielsweise zwei Messingplatten an die Familie Gans. Jettchen Gans und ihre Adoptivtochter Betty Gans, geborene Speier, lebten insgesamt sechs Jahre in Rotenburg. Bis sie 1938 ihre Schneiderei aufgeben mussten.

Sie flohen nach Frankfurt - danach ist von Jettchen Gans nur bekannt, dass sie in das Konzentrationslager Theresienhöhe verschleppt wurde. Ihre Adoptivtochter ist vermutlich in das polnische Ghetto Piaski deportiert worden. Die Steine wurden durch Spenden finanziert.

Dr. Heinrich Nuhn hat sich lange Zeit in Rotenburg dafür engagiert, der Magistrat hat dem einmütig zugestimmt. Im ersten Schritt wurden durch Sponsoren mehr als 1300 Euro aufgebracht.

Er plant, noch mehrere Dutzend Steine zu verlegen, um an möglichst viele Juden erinnern zu können. "Früher gab es überall jüdisches Leben", sagte Dr. Nuhn. Der Jahrgang 11 der Jakob-Grimm-Schule Rotenburg hatte sich in den vergangenen Monaten mit dem Thema beschäftigt. Unter anderem recherchierte er einzelne Schicksale und erstellte Informationstafeln.

Diese haben die Schüler während der Steinverlegung präsentiert. Die Zusammenarbeit mit der Schule soll fortgesetzt werden, sagte Dr. Nuhn auf HNA-Anfrage.

Sie sei eine gute Gelegenheit für die Schüler, sich des Themas zu nähern und wissenschaftliche Quellenarbeit zu lernen.

Von Philipp David Pries

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