1. Startseite
  2. Lokales
  3. Rotenburg / Bebra

Stolpersteine in Heinebach sollen an das Schicksal jüdischer Familien erinnern

Kommentare

Stolpersteine Heinebach Verlegung Steve North und Künstler Gunter Demnig dabei
Künstler Gunter Demnig, rechts, hat die Stolpersteine verlegt. Links ist Steve North zu sehen, dessen jüdische Vorfahren in Heinebach lebten. © Lea Fuhrmann

Heinebach. In der Gemeinde Alheim sind zum ersten Mal Stolpersteine verlegt worden. Sie sollen an Familien erinnern, die Teil der jüdischen Gemeinde Heinebachs waren.

 „Es ist nur ein kleines Symbol, aber vielleicht hält so jeder, der darüber geht, zumindest einen Moment inne.“ Sechs neue Stolpersteine sind es, denen Steve North diese Bedeutung zuweist. Der amerikanische Journalist hat Heinebacher Vorfahren, die über Generationen hinweg Teil der örtlichen jüdischen Gemeinde waren, bevor sie vor den Nationalsozialisten fliehen mussten.

Auf seine Initiative hin gibt es die goldenen Erinnerungsstücke von Künstler Gunter Demnig jetzt auch vor ihrem ehemaligen Wohnort im Kirchweg. Hier erinnern sie an die Geschichte von Norths Vorfahren.

Seine Großmutter Jenny Bachenheimer, ehemals Katz, lebte mit ihrem Ehemann Siegfried zunächst in dessen Heimatort Kirchhain. In Jahr 1933 wechselte das Ehepaar jedoch den Wohnort und zog zu Jennys Eltern nach Heinebach. Im Haus von Baruch und Sara Katz war die Familie alltäglich mit Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit konfrontiert. Auch Bachenheimers damals vierjährige Tochter Brunhilde „Bunny“ erfuhr, was es bedeutete, als Jüdin im nationalsozialistischen Deutschland zu leben.

Puppe an Laterne erhängt

Steve North trägt die Kindheitserinnerungen seiner inzwischen verstorbenen Mutter weiter und berichtet genau dort, wo das Haus der Familie stand, anschaulich von ihren Erlebnissen. „Mein Urgroßvater Baruch war der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, dementsprechend richtete sich der Hass vor allem gegen ihn. Sie haben die Familie beschimpft und das Haus mit Steinen beworfen.“ Auch mit direkten Morddrohungen sei man konfrontiert gewesen, berichtet North und weist auf den Laternenpfahl an der Straßenecke. „Als Bunny eines Morgens aus ihrem Fenster geschaut hat, sah sie, dass man genau da eine Puppe an der Laterne erhängt hatte. Symbolisch für ihren Großvater Baruch.“

Grausames Schicksal

Die gesamte Familie sah sich im Jahr 1934 gezwungen, das Dorf zu verlassen und in die Vereinigten Staaten zu fliehen. Nur so konnte sie dem Vernichtungsmechanismus der Nationalsozialisten entkommen.

Zwei der Stolpersteine im Detail: Die Erinnerungsstücke informieren über Namen, Geburts- und Fluchtjahr der jüdischen Opfer.
Zwei der Stolpersteine im Detail: Die Erinnerungsstücke informieren über Namen, Geburts- und Fluchtjahr der jüdischen Opfer. © Lea Fuhrmann

Das Haus der Familie ist inzwischen abgerissen. Gerade deshalb sei die Aktion für die deutsche Erinnerungskultur umso wichtiger, erklärt North. „Diese sechs Steine sind jetzt der einzige physische Beweis für die jahrhundertelange Existenz einer jüdischen Gemeinde in Heinebach. Heute, wo Rassismus und Hass wieder im Aufschwung sind, ist jede Erinnerung an ihr grausames Schicksal ein Segen.“

Historiker Dr. Heinrich Nuhn stimmt ihm zu: „Es wird oft vergessen, wie sehr die jüdische Minderheit das kulturelle und wirtschaftliche Leben hier bereichert hat. Ohne sie wären zahlreiche Konsumstandards gar nicht möglich gewesen.“ Auch Bürgermeister Georg Lüdtke freut sich darüber, dass die Spuren der jüdischen Vorfahren jetzt sichtbar gemacht werden.

Die ersten Stolpersteine sollen nicht die Einzigen in Alheim bleiben. (lf)

Auch interessant

Kommentare

Teilen