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Stolz und schnell wie Hirsche: Lispenhäuser waren wegen ihrer Athletik gefürchtet

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Von: Kerim Eskalen

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Ein springender Hirsch ziert ein Lispenhäuser Wappen: Die Hirschsymbole werden bereits seit dem Jahr 1329 mit dem Ort in Verbindung gebracht.
Ein springender Hirsch ziert ein Lispenhäuser Wappen: Die Hirschsymbole werden bereits seit dem Jahr 1329 mit dem Ort in Verbindung gebracht. © Herbert Vöckel

Fast jeder Ort hat einen Uznamen. Meist vergeben von benachbarten Dörfern sind die Spitznamen voller Spott, Neid oder gar Überheblichkeit. Aber wie sind diese Namen entstanden?

Lispenhausen – Mit Hirschen werden die Lispenhäuser von ihren Nachbardörfern seit Jahrhunderten verglichen. Um das Warum und Wieso ranken sich jedoch viele Fragen. Hat der Spitzname einen geschichtlichen Hintergrund, ist er aus einer Laune heraus entsprungen oder wurde der Hirsch gar wegen seiner Eigenschaften gewählt? Selbst die eigene Dorfchronik der Lispenhäuser kann auf die Herkunft des Uznamens keine eindeutige Antwort geben.

Die naheliegenste Theorie besagt, dass es die Schnelligkeit, Stärke und stolze Art der Paarhufer sind, denen die Einwohner des Rotenburger Stadtteils ihren Beinamen verdanken. Bei Wettkämpfen waren die temperamentvollen Lispenhäuser bei den Nachbarn als schnellste Läufer und Sportler derart gefürchtet, dass dies in der Schrift der Genehmigungsbehörde vom Innenministerium Hessen zur Wappengestaltung festgehalten wurde.

An die Wettkämpfe erinnert sich auch der ehemalige Lispenhäuser Ortsvorsteher Gerhard Pfau, der die Ortschronik mitgestaltet hat. „In den 1920er Jahren gewannen wir viele Preise. Wir waren wild, ungebändigt, stolz und kräftig. Dabei haben wir auch oft über die Stränge geschlagen. Wir waren wie die Hirsche“, sagt Pfau. So wurde in Lispenhausen einstimmig beschlossen, das majestätische Tier im Wappen zu verankern, heißt es in dieser Version der Geschichte.

Andere Aufzeichnungen nennen dagegen profanere Gründe, warum sich der Hirsch als Wappentier durchgesetzt hat: So sei das Tier wegen der geografischen Lage in den nahen Fuldawäldern schlicht reichlich vorhanden gewesen.

So oder so: Der Hirsch wurde zum Aushängeschild des Ortes. In historischen Überlieferungen taucht das Hirschsymbol bereits vor fast 700 Jahren als Bestandteil des Ortes auf. So berichtete das Rotenburger Kreisblatt im Jahr 1857, dass bei der „wüsten Kirche“ Breitingen, die mit Lispenhausen in enger Verbindung stand, alte Steine mit Hirschsymbolen gefunden wurden. Diese waren mit der Jahreszahl 1329 gekennzeichnet. Zudem zeigten in Lispenhausen gefundene Ofensteine das Wappenschild des Ortes mit einem Hirschgeweih.

Auch heutzutage taucht der Hirsch nicht nur im Wappen auf. Gruppen und Vereine tragen ihn im Namen, etwa der Verein Junge Hirsche Lispenhausen und der Schützenverein Hirsch Lispenhausen.
(Kerim Eskalen)

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