Anwohner beklagen Fahrbahnzustand

Straße in Schenklengsfeld wird zur Stolperfalle für Sehbehinderte

Buckelpiste: Der schlechte Fahrbahnzustand der Schenklengsfelder Herrmann-Löns-Straße macht Werner Baumeister (rechts) die Orientierung mit dem Blindenstock fast unmöglich. Hinter (von links) Klaus Volkmar, Angelika Baumeister und Frank Lotz fällt ein Steilhang etwa 15 Meter tief zum Bach Solz ab.
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Buckelpiste: Der schlechte Fahrbahnzustand der Schenklengsfelder Herrmann-Löns-Straße macht Werner Baumeister (rechts) die Orientierung mit dem Blindenstock fast unmöglich. Hinter (von links) Klaus Volkmar, Angelika Baumeister und Frank Lotz fällt ein Steilhang etwa 15 Meter tief zum Bach Solz ab.

Der Weg zu seinem Haus an der Schenklengsfelder Herrmann-Löns-Straße ist für stark-sehbehinderten Werner Baumeister gespickt mit Stolperfallen. Anwohner schlagen jetzt Alarm.

Schenklengsfeld - Durch eine Augenkrankheit ist der 74-Jährige fast blind. Bei einem Sehvermögen von unter fünf Prozent nimmt der pensionierte Lehrer seine Umgebung nur noch schemenhaft wahr und ist deshalb auf einen Blindenstock angewiesen, mit dem er sich den Weg ertastet. Weil der Stock an der groben Asphaltdecke hängen bleibt, wird die Straße für Baumeister zur Barriere. Auf den ersten 200 Metern ist die Fahrbahn zudem wellig, ausgefahren, löchrig und von groben Flickstellen übersät. Auf diesem Abschnitt der Nebenstraße gibt es weder Gehwege noch Bordsteine.

Von einem unbebauten Grundstück aus rankt der Bewuchs auf die schmale Fahrbahn. Direkt neben der Bankette fällt dort ein Steilhang etwa 15 Meter tief zum Bach Solz ab – ohne Leitplanke oder sonstige Sicherung. Mehrfach sei er bereits gestürzt, beklagt der 74-Jährige. Doch auch für Senioren mit Rollator, Eltern mit Kinderwagen oder Kinder auf dem Weg zur Schule sei die Straße eine Gefahr, sind sich Baumeisters Frau Angelika und die Anwohner Klaus Volkmar, Alexander Böhm sowie Frank Lotz einig. „Jeder Feldweg ist in besser in Schuss“, sagt Lotz beim Blick auf die schmale Holperpiste.

Beim Bau ihres Hauses im Jahr 1981 sei die Hermann-Löns-Straße nur ein Schotterweg gewesen, erinnert sich Werner Baumeister. „Bei Nässe und Schnee haben die Kinder auf dem Weg zur Schule ein zweites Paar Schuhe zum Wechseln mitgenommen“, erzählt seine Frau Angelika.

1988 sei dann eine grobe Asphaltdecke aufgezogen worden. Bei diesem Provisorium ist es 33 Jahre lang geblieben. Anfang der 2000er Jahre habe die Gemeinde zwar einen Ausbau in Aussicht gestellt. „Weil eine Familie die Anliegerbeiträge nicht aufbringen konnte, wurde uns gesagt, dass wir für einen Ausbau deren Anteil mit übernehmen müssten“, blickt Werner Baumeister zurück.

Nach 2006 habe die Gemeinde erneut einen Ausbau angekündigt. Saniert worden sei aber – offenbar aus Unkenntnis – eine andere Straße, berichtet der pensionierte Pädagoge kopfschüttelnd.

Dass der amtierende Bürgermeister Carl Christoph Möller die Versäumnisse der Vergangenheit nicht verschuldet habe, sei ihnen ebenso bewusst, wie die prekäre finanzielle Lage der Gemeinde, betonen die Anwohner. Ihnen gehe es auch nicht um einen Luxusausbau – zumindest aber um eine besser asphaltierte Fahrbahn und eine Leitplanke als Schutz am Steilhang.

Mit Blick auf die Finanzlage der Kommune ist Werner Baumeister, der das Alter trotz seiner Beeinträchtigung gerne im eigenen Haus verbringen möchte, selbst aktiv geworden: Beim Hessischen Verkehrsministerium hat der 74-Jährige angefragt, ob finanzielle Förderung des Ausbaus über das Teilhabegesetz möglich wäre, welches Schwerbehinderten den Zugang zum Alltagsleben ermöglichen soll. Dort habe man allerdings auf die Zuständigkeit des Finanzministeriums verwiesen. Auf dessen Antwort warte er bislang vergebens.

Das sagt der Bürgermeister:

Schenklengsfelds Bürgermeister Carl Christoph Möller macht den Anwohnern der Hermann-Löns-Straße auf Nachfrage unserer Zeitung wenig Hoffnung auf eine zeitnahe Sanierung. Seit seinem Dienstbeginn im Mai 2018 hole die Gemeinde die landesfinanzierten Pflichtaufgaben von 2008 nach und habe in den ersten drei Dienstjahren rund zwölf Millionen Euro in die Kanalsanierung, Regenrückhaltebecken, Staukanäle und Wasserversorgung investiert.

„Dies war zwingend erforderlich, da ansonsten die Gemeinde Schenklengsfeld die erhaltenen, unverbauten und nicht mehr vorhandenen zweckgebundenen Landesförderungen hätte zurückzahlen müssen“, unterstreicht der Bürgermeister.

Um die Notwendigkeit einer Leitplanke an der Fahrbahn zu prüfen, sei bereits eine Ortsbegehung bei den weiteren beteiligten Behörden angefragt worden, die ebenfalls die Verkehrssicherheit prüfen und beurteilen sollen. Voraussichtlich in diesem Jahr werde die Kommune die Pflichtaufgaben aus 2008 abschließen. Um Umweltstraftatbestände zu vermeiden, und wirtschaftlichen Schaden von der Gemeinde Schenklengsfeld abzuwenden sollen danach laut Möller die zwingend erforderlichen Kanalsanierungsarbeiten aus 2009, die bisher nicht ausgeführt worden seien, folgen.

„Sollte sich im Rahmen der Eigenkontrollverordnung während der Kamera-Befahrung der Kanäle herausstellen, dass diese innerhalb der Herrmann-Löns-Straße schadhaft sind, wird entgegen der bisherigen Vorgehensweise aufgrund des schlechten Straßenzustandes geprüft, ob eine Straßenerneuerung finanziell möglich ist“, kündigt der Bürgermeister an. Für alle weiteren Maßnahmen stünden aufgrund der noch nachzuholenden Pflichtaufgaben weder Haushaltsmittel noch personelle Ressourcen zur Verfügung. „Parallel arbeiten wir bereits an den Pflichtaufgaben 2010 und 2011“, verdeutlicht Möller. Die Hermann-Löns-Straße könne daher frühestens 2024 in den Finanzplan aufgenommen werden, sofern sich keine neuen Erkenntnisse ergäben.

Ob und in welchem Umfang die Anlieger dann über Beiträge zur Finanzierung herangezogen würden, müsse geprüft werden und sei abhängig davon, ob der Straßenzustand eine Sanierung oder aber einen Totalausbau erfordere. Die finanzielle Beteiligung der Grundstückseigentümer hänge auch davon ab, „ob die Landesregierung bis dahin die Strassenausbaubeiträge hessenweit, auch für finanzschwache Kommunen, abgeschafft hat“, verdeutlicht der Verwaltungschef. „Eine mögliche Förderung würde im Rahmen der Planungsphase geprüft“, so der Rathauschef abschließend. (Jan-Christoph Eisenberg)

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