Tarifvertrag soll Einkommens- und Arbeitsverhältnisse sichern

Streik bei Amazon: Verdi gibt sich weiter kämpferisch

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Streik bei Amazon: In Bad Hersfeld versammelten sich die Amazonier erneut in der Schilde-Halle.

Bad Hersfeld. Gut 300 Mitarbeiter des Onlinehändlers Amazon haben sich am Dienstag wieder in der Bad Hersfelder Schilde-Halle versammelt, um ihre Forderung nach einem Tarifvertrag aufrecht zu halten.

Mit Beginn der Nachtschicht waren die Amazonier beider Versandzentren in Bad Hersfeld von Verdi zum Streik aufgerufen, der am Mittwochabend – zumindest vorerst – endet.

Der Streik bei Amazon im Ostergeschäft kommt nicht von Ungefähr: Denn in den Bad Hersfelder Versandzentren wird auch Bekleidung bearbeitet, und die ist offenbar zu Ostern besonders gefragt, wie die Verdi-Bezirksgeschäftsführerin für Osthessen, Angelika Kappe, am Rande der Streikversammlung berichtete. In Leipzig war bereits in der vergangenen Woche passend zur Buchmesse die Arbeit niedergelegt worden.

Von einer „flexiblen Streikstrategie“ in ganz Deutschland, mit der man den Druck auf den Onlineversandhändler erhöhen wolle, sprach Bernhard Schiederig, Leiter des Fachbereichs Handel Hessen. Auch wenn Amazon sich mit öffentlichkeitswirksamen Kampagnen bemühe, zu zeigen, was für ein guter Arbeitgeber das Unternehmen sei, könne es nicht sein, dass die Einkommens- und Arbeitsbedingungen einseitig bestimmt würden, so Schiederig. Dadurch verschaffe sich Amazon zudem einen Vorteil gegenüber Mitbewerbern, die der Tarifbindung unterliegen.

Natürlich sei bei Amazon nicht alles schlecht, erklärte Schiederig etwa mit Blick auf die überwiegenden Vollzeitstellen und die Gleichbehandlung unabhängig vom Geschlecht oder Alter. Dennoch wolle man weiter für einen Tarifvertrag kämpfen, der den Beschäftigten sichere Einkommens- und Arbeitsverhältnisse garantiere. Dabei sei es eigentlich egal, ob über diesem Einzel- oder Versandhandel stehe, wichtig seien die Inhalte, so Schiederig.

Im festgefahrenen Tarifkonflikt geht Verdi nun bereits ins dritte Jahr, seit April 2013 kommt es immer wieder zu Streiks. Bad Hersfeld und Leipzig waren die ersten Standorte, an denen die Arbeit niedergelegt wurde. Inzwischen sind vier weitere Standorte hinzugekommen.

Amazon ist bislang nicht gesprächsbereit und lehnt einen Tarifvertrag kategorisch ab. „Wir haben uns von Anfang an auf eine lange Auseinandersetzung eingestellt“, sagte Schiederig. Es sei nicht einfach, ein amerikanisches Unternehmen davon zu überzeugen, sich an deutsche Standards zu halten. (nm)

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