447 Stunden wurden nicht gehalten, jedoch teils vertreten

Streik statt Unterricht - Verfahren gegen 105 Lehrer

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Hersfeld-Rotenburg. Ärger bekommen die Lehrkräfte, die im Juni 2015 einem Streikaufruf gefolgt waren.

Sie hatten zusammen mit der Gewerkschaft der Polizei und anderen in Wiesbaden gegen die von der Landesregierung verordnete Nullrunde für Beamte demonstriert.

Gerhard Finke vom Staatlichen Schulamt für Hersfeld-Rotenburg und Werra-Meißner bestätigte, dass gegen 105 Lehrer Disziplinarverfahren eingeleitet worden sind. 447 Stunden wurden nicht gehalten, jedoch teils vertreten. Die Beamten müssen mit einem Eintrag in die Personalakte rechnen, der nach zwei Jahren wieder gelöscht wird. Für die Zeit des Unterrichtsausfalls gibt es kein Gehalt.

Gegen die verbeamteten streikenden Polizisten läuft kein Verfahren. Sie haben laut Andreas Grün (Gewerkschaft der Polizei) am fraglichen Tag frei- oder Urlaub genommen.

Die betroffenen Lehrer reagieren mit Unverständnis, erklärt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), die zu dem Streik aufgerufen hatte. Sie verweist auf die Sonderrolle von Hessen, das als einziges Bundesland seine Beamten von der allgemeinen Lohn- und Gehaltsentwicklung abkoppele. Gleichzeitig seien Arbeitszeit und -belastung im Bundesvergleich die höchsten.

„Schon jetzt ist zu beobachten, dass junge Lehrer sich lieber eine Stelle in einem anderen Bundesland suchen“, sagt Werner Herbert, Vorsitzender der GEW Hersfeld-Rotenburg. Aktuell ist den hessischen Beamten zusätzlich noch die Beihilfe (Arbeitgeberanteil an der Krankenversicherung der Beamten) beschnitten worden.

Die Lehrer berufen sich mit dem Streik auf zwei Urteile des europäischen Gerichtshofs, wonach Beamte streiken dürfen. „Anstatt sich mit den berechtigten Forderungen auseinanderzusetzen, wird versucht, mit der disziplinarrechtlichen Keule eine Politik der Einschüchterung zu betreiben“, erklärt Gerda Körzell, ebenfalls GEW-Vorsitzende.

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