Gewerkschafter verärgert über Notfall-Fahrplan der Bahn

GDL streikt am Bebraer Wasserturm

Streikposten vor Bebras Bahn-Wahrzeichen: Unser Bild zeigt – von links – Patrick Rehn, Markus Rathke, Peter Havasi, Dirk Richter, Thomas Mühlhausen und Steven Kunz vor dem Bebraer Wasserturm, wo die Gewerkschaft ihr Streiklokal bezogen hat. Foto: Gottbehüt

Mit einem Streikposten beteiligten sich auch die Mitglieder der Ortsgruppe Bebra der GDL an der bundesweiten Arbeitsniederlegung, die am Mittwoch um 14 Uhr begann. Für Bahnfahrer gab es allerdings schon sehr viel früher keine Zugverbindungen mehr. Die DB AG hatte mit einem Notfall-Fahrplan reagiert.

Bebra. Für fast alle Bahn-Pendler und -Reisende war der Mittwoch ein rabenschwarzer Tag. Der Großteil der Verbindungen in der Region war wegen der Streikandrohung der Lokführer-Gewerkschaft GDL von der Deutschen Bahn AG gestrichen worden. Und das bereits lange vor Streikbeginn, der bundesweit um 14 Uhr stattgefunden hatte und am Donnerstagmorgen um 4 Uhr beendet wird. Sowohl der Fern- wie der Nah- als auch der Güterverkehr waren davon betroffen. Nur Cantus-Züge fuhren.

„Den Mittwoch gab es für die Bahn als Verkehrstag quasi nicht“, sagt Patrick Rehn von der GDL-Ortsgruppe Bebra. Er war ab 14 Uhr mit seinen Kollegen als Streikposten an den Bebraer Wasserturm gekommen. Ein Streiklokal, fernab von allen verärgerten Bahnkunden? „Wegen der Bauarbeiten am Bahnhof mussten wir notgedrungen ausweichen“, erklärt GDL-Ortsgruppenvorsitzender Thomas Mühlhausen. Deshalb parkte die GDL ihr Streikmobil auf dem Platz vor Bebras Bahn-Wahrzeichen. „Wir hätten es auch lieber gehabt, den betroffenen Bahnkunden direkt am Bahnhof Rede und Antwort zu stehen und ihnen die Gründe für unseren Streik darzulegen“, sagt Mühlhausen. Er dankt den Eisenbahnfreunden Bebra, die der GDL ihr Vereinsgelände zur Verfügung gestellt hatte.

Die GDL fordert neben einer fünfprozentigen Entgelterhöhung insbesondere Verbesserungen bei den Arbeitsbelastungen, um eine bessere Vereinbarung von Familie und Beruf für die Bahn-Mitarbeiter zu erreichen. „Solange die Deutsche Bahn kein verhandlungsfähiges Angebot vorgelegt hat, sind weitere Streiks jederzeit möglich“, sagt Mühlhausen.

Mit ihrem Notfall-Fahrplan wolle die Bahn gezielt Stimmung gegen die Gewerkschaft machen, sagt Mühlhausen. Die Fahrgäste würden instrumentalisiert. „Keiner von uns streikt gerne - wir können das Ungemach der Reisenden nachvollziehen, aber wir müssen unseren Interessen Nachdruck verleihen“, wirbt Mühlhausen um Verständnis.

Von verärgerten Fahrgästen berichtet Patrick Rehn. Der Pendler-IC, der um 5 Uhr von Bebra nach Frankfurt fährt, sei von der Bahn bereits am frühen Mittwochmorgen gestrichen worden, obwohl Lokführer und Zugpersonal bereit standen. Das sorgte für schlechte Stimmung auf dem Bahnsteig.

„Er fuhr dann, ohne Fahrgäste mitzunehmen, als sogenannter Leerreisezug nach Frankfurt in die Abstellung“, sagt Rehn. Auch die vier Fernverkehrszüge von und nach Leipzig sowie Düsseldorf seien am Mittwoch einfach gestrichen worden. Für Donnerstagvormittag erwartete Rehn, dass viele Züge, die gegen 4 Uhr gestartet wären, nicht pünktlich losfahren würden. Danach werde sich die Lage wieder normalisieren.

Von Peter Gottbehüt

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