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Streit um Handwerkerleistungen endet vor Bad Hersfelder Amtsgericht

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Von: Mario Reymond

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Amtsgericht Bad Hersfeld
Amtsgericht Bad Hersfeld © Eberth, Carolin

Um handfeste Auseinandersetzungen über Handwerkerleistungen ging es jetzt bei einem Prozess vor dem Schöffengericht im Bad Hersfelder Amtsgericht.

Bad Hersfeld – Eine nicht ordnungsgemäß installierte Gastherme ist die Ursache dafür gewesen, dass es zu einem Verfahren gegen einen 32 Jahre alten Mann aus Urberach vor dem Schöffengericht am Amtsgericht in Bad Hersfeld gekommen ist. Die Staatsanwaltschaft hatte ihm vorgeworfen, am 25. Januar dieses Jahres einen 30 Jahre alten Mann in der Wohnung seiner Eltern in Rotenburg aufgesucht und wegen nicht ausgeführter Leistungen zur Rede gestellt zu haben.

Dabei soll der Urberacher seinem Kontrahenten mehrmals ins Gesicht geschlagen haben. Beim Wegfahren sei er dann noch mit seinem Smart auf sein Opfer losgerast. Der Rotenburger selbst habe sich nur durch einen Sprung zur Seite retten können. Gesehen hat das so aber niemand.

Obwohl zunächst gar von Tötungsabsicht die Rede war, wurde das Verfahren gegen den 32-Jährigen schließlich wegen Geringfügigkeit nach Paragraf 153/2 der Strafprozessordnung eingestellt.

Die beiden Männer hatten Ende des vergangenen Jahres Kontakt über E-Bay-Kleinanzeigen aufgenommen. Dort hatte der Rotenburger auf eine Anzeige des Urberachers geantwortet, der online einen Handwerker suchte. Es ging darum, in dem von ihm gerade erst erworbenen Haus eine neue Gastherme zu Heizzwecken und für die Warmwasseraufbereitung zu installieren. Beide wurden sich schnell einig und der Rotenburger reiste am 2. Januar samt Therme nach Urberach und installierte das Gerät. Jedoch ohne den notwendigen Abzug und ohne Schornstein.

Diese Arbeiten sollten nach Eintreffen des Restmaterials erfolgen. Vor Ort erhielt der Rotenburger eine Anzahlung von 3000 Euro. Insgesamt waren 5000 Euro für alle Leistungen vereinbart worden. Doch ein zweites Mal kam der Rotenburger nicht nach Urberach. Die Arbeiten hätte der Betreiber eines Hausmeisterservices ohne jegliche berufliche Erfahrung und Berufsausbildung auch gar nicht ausführen dürfen.

Weil der Angeklagte bis Februar in sein neues Haus einziehen musste – seine Mietwohnung und die der Freundin waren gekündigt – machte er dem Rotenburger Druck. Zwischenzeitlich hatte der Angeklagte sogar die angeblich nicht zu erhaltenen Teile selbst gekauft und fuhr nach Rotenburg, um mit dem „Heimwerker“ eine Lösung zu finden. Dieser sollte bestenfalls die Arbeiten erledigen, was er aber mit den Worten keine fremden Materialien zu verarbeiten, ablehnte.

Es folgte die wohl handfeste Auseinandersetzung. (Mario Reymond)

Keine Strafverfolgung bei Geringfügigkeit

Ist bereits Klage erhoben, kann das Gericht in jeder Lage des Verfahrens mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft und des Angeschuldigten das Verfahren laut Paragraf 153 Absatz 2 der Strafprozessordnung einstellen. Die Entscheidung ergeht durch Beschluss, der nicht angefochten werden kann. Das Gericht hatte in dem aktuellen Fall wegen der geringen Schuld des Täters und des daher fehlenden öffentlichen Interesses von der weiteren Strafverfolgung abgesehen.

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